Training bei 1848ern wieder möglich

Schießen in Bassum: „Einsam“ – aber „total schön“

Schützin Iris Thalau und der Bassumer Trainer Jens Voß stehen zusammen auf dem Schießstand.
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Endlich wieder auf dem Schießstand: Die Laune bei Schützin Iris Thalau, die gerade ihre Luftpistole auspackt, und dem Bassumer Trainer Jens Voß ist gut.

Beim Schützenverein Bassum von 1848 wird (unter Auflagen) wieder trainiert - der Andrang ist jedoch nicht gerade groß. Warum? Schützin Iris Thalau und Trainer Jens Voß schildern ihre Eindrücke.

  • Bisher eher wenig Resonanz auf das Trainingsangebot des SV Bassum von 1848.
  • Schützin Iris Thalau genießt es: „Ich bin froh, dass ich hier sein darf.“
  • Trainer Jens Voß ist gespannt auf die Zeit nach Corona: „Kommen alle wieder?“

Bassum – Ein bisschen Farbe für die Wände, ein neuer Fußboden für den Kaminraum, umweltfreundlichere Leuchtmittel: In den Räumen des Schützenvereins Bassum von 1848 hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan. Der Club hat den Corona-Lockdown genutzt und ordentlich renoviert. „Es ist viel heller und freundlicher“, findet Schützin Iris Thalau.

Die 57-Jährige war „seit ungefähr einem Jahr“ nicht mehr hier auf dem Schießstand – und ist nun die Erste gewesen, die bei der Rückkehr in den eingeschränkten Trainingsbetrieb am 15. März ihre Luftpistole ausgepackt hat. „Es war ungewohnt, aber total schön und hat mir sehr gefehlt“, sagt die Brinkumerin, die vor über 40 Jahren in Huchting mit ihrem Sport anfing und schon seit mehr als 30 Jahren für die Bassumer im Einsatz ist – aktuell in der dritten Mannschaft in der Bezirksoberliga. „Ich bin echt froh, dass ich hier sein kann“, sagt Thalau: „Und ich hoffe, dass ich nächste Woche wiederkommen darf.“ Man müsse abwarten, welche Lockerungen oder Verschärfungen des verlängerten Lockdowns Niedersachsen von der Bund-Länder-Konferenz übernimmt. Und dann werden die Bassumer entscheiden, wie sie weitermachen.

Ein Schütze oder eine Schützin plus Begleitperson: So sieht es meistens aus

Aktuell ist es laut Trainer Jens Voß (56) so, dass sich fünf Personen aus zwei Haushalten zum Schießtraining verabreden dürfen. Meistens sieht es dann aber so aus: ein Schütze oder eine Schützin plus Begleitperson. An diesem Montagabend, dem zweiten seit dem Wiedereinstieg ins Training nach langer Pause, sind Iris Thalau und Voß anwesend. Der Coach kommt etwas früher und erklärt den Ablauf, die Besonderheiten et cetera.

An der Einganstür hängt das Hygienekonzept des Vereins, daneben steht eine Desinfektionsflasche und liegt die Liste zum Eintragen der persönlichen Daten. Es ist ganz schön frisch in den Räumen am Schützenplatz. „Durchheizen muss man momentan nicht“, sagt Voß, „es ist ja nicht so viel los. Und die Leute, die kommen, wissen, dass es kälter ist – und ziehen sich ein bisschen mehr an.“ Seit gut einer Woche haben die Vereinsmitglieder der 1848er (insgesamt seien es 50 bis 60 Sportschützen) die Möglichkeit zum Training. Als Individualsportler hätten sie eigentlich schon eher rangedurft, aber der Verein habe, wie Voß erläutert, vor allem aus Vorsicht darauf verzichtet.

Etwa 75 Minuten dauern die fast täglich angebotenen Einheiten nach dem Re-Start. Einige, wie Thalau, greifen gerne zu. Viele aber – darunter etwa die von Voß trainierten Bundesliga-Schützen, deren Saison erst im Oktober startet – sind deutlich zurückhaltender. „Sie sind unsicher und fragen sich: Lohnt es sich überhaupt, den Aufwand auf mich zu nehmen?“, sagt Voß und ergänzt: „Bei einigen fehlt sicher auch die Lust, weil es momentan kein richtiges Ziel gibt.“ Der geplante und hochkarätig besetzte Nordliga-Cup wird seit Monaten verschoben und soll nun im Sommer stattfinden, notfalls online. Sollten auch die Landesverbandsmeisterschaften Ende April und Anfang Mai abgesagt werden, könnten auch die Bassumer noch mal umdenken. Voß: „Dann müssen wir uns überlegen, ob sich der ganze Aufwand mit dem Training lohnt.“

Wir versuchen, uns so auf die neue Saison vorzubereiten, dass wir sie auch mit Corona durchführen können.

Jens Voß, Trainer beim SV Bassum von 1848.

Er selbst schießt meistens donnerstags und ist montags als „Aufpasser“ vor Ort – wie auch am 15. März, als Thalau mit dem Training startete. „Es fühlte sich ziemlich einsam an“, erinnert sich die gebürtige Bremerin mit einem Schmunzeln: „Ich hatte den kompletten Stand für mich, es war sehr ruhig. Und ich habe mir erst mal das Radio auf meinem Handy angemacht, um eine gewisse Störung zu haben.“ Sie habe ein bisschen gebraucht, um wieder in ihren Rhythmus zu kommen, gibt sie zu: „Aber nach ein paar Schüssen war es okay.“

Auch an die Hygienemaßnahmen auf der Schießanlage haben sich Thalau, Voß und Co., die direkt am Stand keine Masken tragen müssen, mittlerweile gewöhnt. Die Tastaturen zur Bedienung sind zum Beispiel alle in Plastikbeutel gewickelt, damit sie nach Gebrauch besser desinifiziert werden können. „Das ist praktisch“, findet Voß.

Insgesamt aber macht das geliebte Hobby nicht so viel Spaß wie sonst. Oft sitzen die Bassumer nach dem Training noch an den langen Holztischen zusammen und fachsimpeln – geht momentan nicht. Der Vorstand bemüht sich zwar und hält seine Mitglieder via WhatsApp mit Infos und Videos auf dem Laufenden – aber die Geselligkeit fehlt eben völlig. „Und das schon seit Monaten, das ist eine echte Hausnummer“, seufzt Voß und fragt sich: „Wenn wir wieder richtigen Betrieb haben: Kommen dann alle wieder? Seine Antwort: „Ich bin gespannt. Und ich glaube, ja.“

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