Einst Regionalliga, heute Kreisliga: Pekrul, Mandic und Magouhi

„Bei uns gibt‘s immer Spektakel“

Das kostet! Eine Pinkelpause in der Teambesprechung des TuS Sankt Hülfe-Heede schlägt jetzt mit fünf Euro für die Mannschaftskasse zu Buche. Trainer Nils Jakobsen (l.) und „Co“ Viktor Pekrul (r.) zeigen den Strafenkatalog in der Kabine.
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Das kostet! Eine Pinkelpause in der Teambesprechung des TuS Sankt Hülfe-Heede schlägt jetzt mit fünf Euro für die Mannschaftskasse zu Buche. Trainer Nils Jakobsen (l.) und „Co“ Viktor Pekrul (r.) zeigen den Strafenkatalog in der Kabine.

Viktor Pekrul, Milos Mandic und Hugo Magouhi: Sie spielten für den BSV Rehden in der Regionalliga - und sind mittlerweile in der Kreisliga beim TuS St. Hülfe-Heede gelandet. Hier erklären sie, wie es dazu kam - und was sie mit ihrem neuen Club vorhaben.

Sankt Hülfe – Es dauert nicht lange, bis Viktor Pekrul auf Touren kommt – wie in alten Zeiten auf seiner rechten Abwehrseite. Einen Fußballplatz braucht der Mann mit allein 327 Regionalliga-Spielen in seiner Vita dafür nicht – das heimelige Clubhaus des TuS Sankt Hülfe-Heede reicht. Die stahlblauen Augen blitzen unter der Baseball-Cap, die Hände finden kaum Ruhe, weil der 38-Jährige enthusiastisch gestikuliert.

„Ich bin stolz auf die Jungs“, sagt der Viert- und Fünftliga-Veteran über seine neuen Teamkollegen beim Kreisligisten TuS Sankt Hülfe-Heede. Und über die „alten“ aus früheren Viertliga-Zeiten mit dem BSV Rehden. Pekrul, seit Jahrzehnten Kumpel von TuS-Coach Nils Jakobsen und seit Sommer dessen spielender Co-Trainer, hat seine früheren Weggefährten Milos Mandic und Hugo Magouhi hierher gelotst. Bemerkenswert viel Prominenz für einen Achtligisten. Ein PR-Gag? Nein, unterstreicht Pekrul: „Es ist doch klar, dass wir mit solchen Transfers aufsteigen wollen.“ Es wäre ein Traum von Keeper Mandic: „Schon bei meinem Einstand habe ich den Jungs erzählt, dass ich noch nie aufgestiegen bin. Das wollen wir ändern.“

Wie alles begann

„Wir brauchten frischen Wind im Trainerteam“, erinnert sich Jakobsen an den Sommer, ehe er mit dem TuS in sein siebtes Jahr ging. Also bat er Pekrul um Hilfe. „Wir kennen uns schon ewig“, umschreibt er die Freundschaft. Pekrul sagte zu, denn der Aufwand in der Südstaffel mit kurzen Auswärtsfahrten schien überschaubar. Deutlich entspannter als in der Oberliga beim TB Uphusen, wo er 2020 eigentlich seine Karriere beendet hatte. „Aber fußballmäßig hat es noch gekribbelt. Außerdem wollte ich was zurückgeben: junge Spieler entwickeln und etwas aufbauen.“

Anfangs hörte jedoch nicht jeder junge Spieler immer zu, wie der neue „Co“ verrät: „Da treffen wir uns eine halbe Stunde vor dem Training zur Besprechung, und plötzlich dreht sich einer um und verschwindet zum Pinkeln in die Büsche. Hat man dafür nicht vorher Zeit?“ Wieder funkeln Pekruls Augen gefährlich. Konsequenz: Sankt Hülfes Strafenkatalog umfassst nun eine Zeile mehr: Austreten bei derartigen Unterredungen kostet fünf Euro.

Ansonsten hatten Jakobsens Kicker gehörig Respekt vor dem früheren Viertliga-Fighter. „Nach ein paar Wochen wurde ich gefragt, ob wir denn mal wieder eine Kiste Bier nach dem Training aufmachen dürfen“, schildert Jakobsen schmunzelnd. Auch die bis dato heimlichen Raucher beruhigte Pekrul: „So etwas ist mir egal, wenn die Leistung stimmt.“

Spielender Co-Trainer: Viktor Pekrul (links).

Viktor Pekrul (38 Jahre)

Position: Abwehr
Jugendvereine: TV Dinklage, BW Lohne
Regionalliga-Spiele: 327 (für BSV Rehden von Juli 2011 bis Juli 2018; davor für den FC Oberneuland, Rot-Weiß Erfurt und SV Werder Bremen II)
Oberliga-Spiele: 142 (für TB Uphusen von 2018 bis 2020, davor für die damaligen Oberligisten BV Cloppenburg und SV Wilhelmshaven)

Die Torwartfrage

Wenige Wochen nach Pekruls Start stand der TuS St. Hülfe-Heede ohne Torwart da: Cedric Timmermann musste sich berufsbedingt verabschieden. Doch „Vicky“ hatte eine Idee: „Ich bin ja nicht von gestern.“ Denn er wusste, dass sein Kumpel Milos Mandic, fünf von Pekruls sieben Rehdener Jahren Stammkeeper beim BSV, noch oft im Norden unterwegs ist. Der 36-Jährige lebt mit seiner Familie zwar in Gütersloh, als Vertriebsleiter für Kälte- und Klimatechnik „liegt mein Gebiet aber zwischen der A1 und der A7. Nach meinem letzten Termin bin ich manchmal nur eine Viertelstunde vom Platz entfernt.“ Trotzdem zählte Sankt Hülfe nicht unbedingt zu seinem Karriereplan. „Eigentlich wollte ich die Torwarthandschuhe an den Nagel hängen. Meinem Nachbarn hatte ich versprochen, bald zu den Alten Herren des SV Spexard zu kommen.“

Die Zeit beim BSV sei „echt cool“ gewesen, die zwei Serien danach beim SC Paderborn II ebenfalls „sehr schön“. Neben seinen Einsätzen in der Oberliga coachte er die Keeper des Nachwuchsleistungszentrums vom SCP. „Ein paarmal durfte ich sogar bei den Profis unter Steffen Baumgart mittrainieren.“ Ein perfekter, stressfreier Ausklang der aktiven Zeit.

Das Flutlicht entspricht der Erwartungshaltung!

Milos Mandic über die Ausleuchtung der Plätze in der Kreisliga. Früher, beim BSV Rehden, hatte er schon mal über das dortige Flutlicht geklagt.

Dann aber rief Pekrul an, mit dem „Milo“ noch viel verbindet: „Wir sind in Rehden Freunde geworden, haben viel zusammen unternommen, ich war bei seiner Hochzeit und bin auch mit seiner Familie befreundet.“

Nun brauchte der alte Kumpel Hilfe zwischen den Pfosten. Zu Hause besprach Mandic alles mit seiner Frau. Die Antwort kennen viele Männer – und sie hilft selten: „Sie sagte: Das musst Du entscheiden. Toll! Und wenn es nicht klappt, heißt es: Das hast Du entschieden. . .“

Bisher bereut der Vater zweier Kinder aber nichts: „In dieser Kreisliga lief immer alles fair und entspannt – da habe ich aus Kreisligen bei uns schon andere Sachen gelesen. Natürlich sind die Gegner gegen uns besonders motiviert, aber man lernt auch tolle Spielertypen kennen, die richtig gut mit dem Ball umgehen können.“ Mandic selbst ist mit sich nur bedingt zufrieden: „Immerhin zwei oder drei Spiele gab‘s, in denen ich torwarttechnisch zumindest ein bisschen glänzen konnte.“ Seine tiefergehende Analyse scheint jedoch untertrieben: „Ich glaube, ich habe bisher erst fünf Bälle gehalten.“

Doch „Milo“ hat noch andere Talente: Erstens arbeitet er als Torwarttrainer mit den TuS-Keepern. Zweitens sorgt er mit Pekrul für Stimmung, wie Jakobsen verrät: „Bei der Einstandsfeier haben beide gezeigt, was sie drauf haben!“ Mandic grinst: „Ich glaube, dass man bei uns im Vereinsheim echt versacken kann.“ Bier und „Klopfer“ stünden beim Team in der dritten Halbzeit hoch im Kurs.

Neuer Job im Tor: Milos Mandic.

Milos Mandic (36 Jahre)

Position: Tor
Jugendvereine: TuRa Freienohl, SSV Meschede, TuS Sundern, Preußen Münster
Regionalliga-Spiele: 155 (für BSV Rehden von Juli 2013 bis Juli 2018; davor für den FC Oberneuland und den SC Verl)
Oberliga-Spiele: 94 (zuletzt zehn von 2018 bis 2020 für den SC Paderborn II, davor von 2005 bis 2008 für den SV Lippstadt 08)

Frischer Wind im Sturm

Dass einige Wochen später noch Hugo Magouhi zusagte, bezeichnet Jakobsen als nächsten „Glücksfall“: „Weil einige von uns in Oldenburg studieren, können sie eine Fahrgemeinschaft mit ihm bilden.“ Die Spielweise des Ivorers beeindruckt ihn: „Hugo schießt nicht nur seine Tore, sondern setzt auch die Leute neben ihm richtig ein und kann das Spiel beruhigen.“

Magouhi selbst ist froh, dass er wieder mit Pekrul und Mandic auflaufen darf: „Früher in Rehden hatten wir schon viel Spaß. Das hier ist jetzt zwar keine hohe Liga, aber ich habe keinen Stress, alles läuft gut.“ Dazu leisteten auch die Gegner ihren Beitrag: „Es gibt keine harten Fouls. Und Probleme mit Rassismus hatte ich auch noch nicht – wirklich gut.“

Stürmt nun in der Kreisliga: Hugo Magouhi.

Hugo Magouhi (29 Jahre)

Position: Sturm
Regionalliga-Spiele: 81 (davon 39 von Januar 2018 bis Juli 2019 für den VfB Oldenburg, davor 42 von Sommer 2016 bis Dezember 2017 für den BSV Rehden)
Oberliga-Spiele: 25 (für die Hammer SpVG)

Die „neue Welt“

Zusammenrücken! In höheren Ligen bei ihren größeren Clubs ging es für das schon weit herumgekommene Trio meist komfortabler zu als nun auf den Dörfern: „Der Kader ist gleich groß, nur die Kabinen sind kleiner – dann wird‘s ziemlich kuschelig“, gesteht Mandic.

Ihre „Nachspielzeit“ zelebrieren die Sankt Hülfer ohnehin andernorts, schildert Pekrul fasziniert: „Da sitzen die Jungs nach einem Abendspiel hier vor dem Vereinsheim bis zwei Uhr nachts auf der Terrasse – und fahren dann zusammen in die Disco.“ Was zunächst wenig professionell klingt, kann den Unterschied ausmachen: „Mit so einem Zusammenhalt ist man früher aufgestiegen“, meint der 38-Jährige: „Abseits des Platzes lernst Du den Menschen in Deinem Team kennen, wie er tickt und welche Probleme er hat.“

Langweilig wird es während solcher Abende nie, versichert Jakobsen: „Die Jungs könnten Milo und Viktor zehn Stunden am Stück zuhören, was sie erlebt haben. Sie kleben an ihren Lippen.“

„Immer Spektakel“

Klar, dass die Sankt Hülfer mit solchen Namen unter besonderer Beobachtung stehen. „Wir haben viele Neider“, bekennt Jakobsen, „aber dass die Jungs hier das dicke Geld verdienen, ist völliger Quatsch.“ Pekrul nimmt derlei Nachreden gelassen – und rührt lieber die Werbetrommel: „Wir wissen, dass viele uns nur zuschauen, um uns verlieren zu sehen – aber wir freuen uns über jeden, der freitagabends zu unseren Heimspielen kommt. Hier gibt‘s Bier, leckere Bratwurst – und immer Spektakel.“ Beispiele gefällig? 5:3 gegen Barnstorf, 3:2 gegen Brockum, 2:3 gegen Lembruch und zuletzt 4:3 gegen Holzhausen-Bahrenborstel. „Unfassbar“ findet Mandic das.

Magouhi mag diese Freitags-Events: „Ich muss immer bis vier Uhr nachmittags arbeiten, fahre dann mit den Jungs aus dem Team von Oldenburg los. Wir haben immer Spaß im Auto – und auf dem Platz kann ich gleich weitermachen.“ Einige Spiele, gesteht das Kraftpaket, „sind für mich aber eher wie Training“. Als Magouhi das sagt, scheint es so, als sehne er den Aufstieg herbei: „Eine Liga höher – warum nicht?“

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