Mit demselben Trainerteam

Die Aufrechten rücken gemeinsam auf – bis in Diepholz‘ „Erste“

Christian Alscher (oben, Mitte), Patrick Brüggemann (oben rechts), Tamme Alscher (von links gegen den Uhrzeigersinn), Bennet Kruse, Marlon Telthörster, Felician Günther und Jan-Ole Fiedler
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Freundeskreis: Das sind nur einige der frisch gebackenen Erstherren-Spieler, die Co-Trainer Christian Alscher (oben, Mitte) und Chefcoach Patrick Brüggemann (oben rechts) schon im siebten Jahr begleiten (von links gegen den Uhrzeigersinn): Tamme Alscher, Bennet Kruse, Marlon Telthörster, Felician Günther und Jan-Ole Fiedler.

Für ihre Freundschaft und gegen Geschacher um Geld nahmen sie sogar eine Sperre in Kauf: Acht junge Fußballer haben einen weiten Weg hinter sich, der nun in der Beförderung in die erste Mannschaft der SG Diepholz seinen vorläufigen Höhepunkt findet. Immer mit dabei sind auch ihren beiden Trainer.

Diepholz – Fast zu schön, um wahr zu sein, diese Geschichte um Freundschaft, Geschlossenheit gegen Geschacher um Geld, gemeinsames Erwachsenwerden in einem Verein – und sportlichen Erfolg: Eine ziemlich coole Clique, jeder von ihnen noch nicht mal 20 Jahre jung, zeigt, dass es im Fußball auch um echte Werte gehen kann. Was für die frühere B-Jugend mit einer nervenzehrenden Zwangspause begann, mündet jetzt in acht Neuzugängen aus eigenen Reihen für die SG Diepholz. Und ihre langjährigen Ziehväter stehen ihnen weiter bei: Die ebenfalls ins Bezirksliga-Team beförderten Trainer Patrick Brüggemann und Christian Alscher begleiten Marlon Telthörster, Tamme Alscher, Felician Günther, Bennet Kruse, Jan-Ole Fiedler, Bennet Schröder, Delgesch Alo und Daniel Oduweku nun schon in der siebten Saison.

„Eigentlich wollte ich Tamme das ersparen und aufhören, wenn er ins Herrenalter kommt“, gesteht „Co“ Christian Alscher: „Denn Trainersöhne haben es schwer: Werden sie für ein gutes Spiel gelobt, heißt es: Ist ja klar, er ist auch der Sohn vom Coach. Und spielt er schlecht, muss er sich bis spätabends mein Gelaber anhören.“

Beim JFV RWD Rehden ging alles los

Dass dieses Kollektiv überhaupt schon so lange zusammen gewinnt und verliert, feiert und sich auch mal „fetzt“, ist nicht selbstverständlich. Denn im Sommer 2017 standen die Nachwuchskicker am Scheideweg: Beim JFV RWD Rehden hatten sie eine gute fußballerische Ausbildung bekommen – und waren reichlich rumgekommen. „Gegen Vereine wie Hannover 96 aufzulaufen, waren schon tolle Erlebnisse“, erinnert sich Mittelfeldspieler Bennet Kruse. „Aber die langen Fahrten in der Landesliga haben auch viel Zeit gekostet“, nennt der heute 19-Jährige Marlon Telthörster die Kehrseite der Medaille. Und weil fürs erste B-Junioren-Jahr nicht klar war, in welcher RWD-Mannschaft es für wen weitergehen könnte, beschlossen die Freunde einen gemeinsamen Neustart: Bei der SG Diepholz bot sich die Möglichkeit, geschlossen in die B-Jugend zu gehen. Nur ihr Trainer Brüggemann wollte eine Pause einlegen. Doch irgendwann sprachen zwölf seiner „Jungs“ bei ihm und Co-Trainer Alscher vor. „Sie haben gefragt, ob wir nicht mit ihnen weitermachen können“, schildert Brüggemann mit einer Portion Rührung in der Stimme: „Ich war natürlich überrascht, weil ich gedacht hatte: Die Jungs werden schon irgendwo unterkommen.“ Nun hingegen konnten er und Alscher gar nicht anders, als dem Bitten nachzugeben. Zwei Gespräche mit SG-Spartenleiter Frank Werner genügten – und das Team freute sich über ein neues sportliches Zuhause.

Der JFV hatte allerdings noch ein Wort mitzureden – und forderte Ausbildungsentschädigungen. „Die SG hätte diese Ablöse bezahlt – aber die Jungs wollten nicht“, erzählt Christian Alscher. Innenverteidiger Jan-Ole Fiedler erklärt, warum: „Uns war von vornherein klar, dass wir nicht für Geld irgendwelche Spielchen mitmachen wollten. Es ging uns darum, ein Zeichen zu setzen.“ Denn „die Freundschaft“, stellt Linksfuß Tamme Alscher klar, „war uns wichtiger“.

Freundschafts- statt Punktspiele

So wichtig, dass „wir die halbjährige Sperre für Pflichtspiele auf uns genommen haben – erst Recht, als rauskam, welche Beträge da aufgerufen wurden“, berichtet Mittelfeldmann Felician Günther. Also trainierten die Kumpels weiter zusammen, hatten ihren Spaß auch abseits des Platzes – und liefen gegen die Kreisliga-Konkurrenz kurzerhand in Freundschaftsspielen auf! „Alle Gegner waren sofort bereit“, erinnert sich Alscher dankbar zurück.

Auch über die Liga hinaus sprach sich das, was da in Diepholz vor sich ging, herum: „Jungs aus anderen Vereinen haben danach immer mal wieder gefragt, ob sie bei dieser eingeschworenen Truppe mittrainieren dürften“, schildert Christian Alscher. Sie durften, sodass es in den Einheiten manchmal eng auf dem Platz zuging.

Trotzdem fehlte viel in dieser Zeit ohne Zählbares – doch diese Talsohle meisterten sie gemeinsam: „Es war schön, sich irgendwann wieder richtig messen zu können, sich über drei Punkte zu freuen. Und man hatte wieder diese gewisse Nervosität vor dem Spiel“, beschreibt Tamme Alscher die Gefühlslage zum Re-Start.

Bezirkspokalsieger dank Losglück

Das Jahr darauf wirbelten die Kumpels weiter oben – in der Bezirksliga. Die zweite Serie dort endete mit Platz zwei. Spitzenreiter Stuhr rangen sie eine der nur zwei Saison-Niederlagen ab. „Der schönste Sieg“, schmunzelt der heute 18-jährige Kruse.

Fiedler fällt noch ein anderer spezieller Moment ein: „Auf einmal waren wir A-Jugend-Bezirkspokalsieger – ohne überhaupt ein Finale gehabt zu haben“, sagt er mit leichtem Kopfschütteln über das Losglück des Viertelfinalisten nach Abbruch der ersten Corona-Saison. Der Lohn: das Niedersachsenpokal-Duell mit Regionalligist BW Lohne: „Ein schönes Erlebnis vor vielen Zuschauern hier im Mühlenkampstadion – und mit einer 2:4-Niederlage ein akzeptables Ergebnis für uns“, findet der heute 19-jährige Fiedler.

Natürlich hat Corona seinem Team jedoch mehr genommen als gegeben – womöglich gar den Titel in der A-Junioren-Bezirksliga. Zur Zeit des Abbruchs stand der Spitzenreiter mit fünf Siegen aus fünf Partien da.

Tamme Alscher und Felician Günther coachen gemeinsam die F-Jugend

Zumindest einen kleinen Vorteil sieht Brüggemann durch die Zwangspause: „Trainer von anderen Clubs konnten Euch nicht so oft beobachten“, verrät er unter dem Grinsen seiner Getreuen. Hätte denn überhaupt jemand die SG verlassen wollen? Tamme, Felician, Bennet & Co. schütteln die Köpfe. Schließlich, erklärt Tamme, gehe es nicht nur um sie in der „Ersten“: „Andere von uns kommen ja in die Zweite, aber wir sind alle ein und derselbe Freundeskreis. Nach dem Training treffen wir uns am Vereinsheim, schauen bei den Spielen der anderen zu und machen auch sonst viel zusammen.“ Er und sein bester Freund Felician etwa coachen nun die F-Jugend der Sportgemeinschaft.

Bahnt sich da die nächste lange Trainer-Ära durch mehrere Junioren-Jahrgänge an? Mal sehen. Auf jeden Fall gibt es schlechtere Vorzeichen.

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