Kreisleichtathletik in Diepholz braucht neuen Boss

Becker hört auf – und dann?

Ein Lächeln im Gesicht: Wilfried Becker in Aktion als Vorsitzender des Kreisleichtathletik-Verbands. Demnächst will er sein Amt jedoch abgeben.
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Ein Lächeln im Gesicht: Wilfried Becker in Aktion als Vorsitzender des Kreisleichtathletik-Verbands. Demnächst will er sein Amt jedoch abgeben.

Seit 15 Jahren ist der Sulinger Wilfried Becker (71) Vorsitzender des Kreisleichtathletik-Verbands Diepholz. Demnächst will er aufhören - und die Nachfolgeregelung gestaltet sich schwierig.

Sulingen – Früher war Wilfried Becker mal Fahrer bei einem Reiseunternehmen. Häufig unterwegs in nordischen Ländern wie Island, Grönland, Alaska oder Kanada. „Die saubere Luft dort. Die weiten Ebenen. Die Berge. Einfach eine tolle Geschichte“, schwärmt der Sulinger. Bald wird er mehr Zeit haben für den einen oder anderen Trip an seine Lieblingsorte.

Der 71-Jährige will Anfang 2022 sein Amt als Leichtathletik-Spartenleiter beim TuS Sulingen aufgeben. Und schon vorher, am 3. Dezember, soll Schluss sein als Vorsitzender des Kreisleichtathletikverbands (KLV) Diepholz. Die „fehlende Unterstützung der Vereinsführung“ beim TuS Sulingen (siehe Kasten) und das Alter seien die Hauptgründe: „Jetzt können auch mal Jüngere ran.“

Und dann? Wie es im KLV weitergeht, ist eine spannende Frage. Becker sagt, dass „eine Übergangslösung“ denkbar sei. Seine Wunschvorstellung ist jedoch eine andere: Beim Verbandstag möchte der aktuelle möglichst einen neuen Chef präsentieren, mit dem er dann eine „vernünftige Übergabe“ durchführen kann – und einen Stellvertreter gleich noch dazu. Ob es klappt, bleibt abzuwarten. Die Nachfolgersuche ist schwierig.

Wir haben erfolgreich gearbeitet. Meine Motivation war immer, die Freude bei den Jugendlichen zu sehen – über einen guten Lauf, Sprung oder Wurf. Was bleibt, ist ganz große Zufriedenheit. Aber irgendwann muss man einen Schlusspunkt setzen.

Wilfried Becker über sein Amt als KLV-Vorsitzender

Bewerberinnen oder Bewerber stehen nicht gerade Schlange, räumt Becker ein. Dennoch habe er bei dieser Thematik eine „positive Grundstimmung. Ich habe in den vergangenen Monaten gezielt Leute angesprochen, ob sie es machen würden – oder ob sie jemanden kennen, der Interesse hat“, berichtet Becker. Das Ergebnis: Es gebe geeignete Kandidaten, die „zumindest nicht abgeneigt sind“, verrät er – ohne Namen zu nennen. Bei der nächsten Vorstandssitzung am Mittwoch werden diese wichtigen Personalien erneut zur Sprache kommen. Vielleicht, meint der KLV-Boss, wisse man anschließend schon mehr: „Insgesamt bin ich zuversichtlich, dass wir die Zukunft gut gestalten können.“

Andere sind in ihren Prognosen deutlich defensiver. Berthold Buchwald (LC Hansa Stuhr) etwa. Oder seine Trainerkollegin Ute Schröder vom TSV Asendorf. Zum einen, weil sie den scheidenden Becker sehr schätzen. Zum anderen, weil adäquate Alternativen rar gesät seien und die Bereitschaft zum Ehrenamt generell sinke. „In der heutigen Zeit holt sich doch fast niemand mehr zusätzliche Arbeit an die Hacken. Und dann auch noch solch eine Position mit so viel Verantwortung“, meint Schröder, die mal stellvertretende Vorsitzende im Kreisverband war, 2019 aber ausstieg. „Ich habe es gemacht, weil sich sonst keiner gemeldet hat. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass es mir zu viel ist“, erklärt die 63-Jährige. Sie werde sich weiterhin als Trainerin „nur um meine Leichtathleten beim TSV Asendorf kümmern“, betont Schröder. Eine Rückkehr zum KLV? „Ausgeschlossen!“

Wilfried ist ein Glücksgriff. Sehr geduldig, guter Zuhörer, arbeitet hart und gründlich, lässt sich nicht entmutigen. Hat eine verbindliche, nette Art. Ein sehr guter Vorsitzender.

Berthold Buchwald, Trainer des LC Hansa Stuhr, über Wilfried Becker.

Wie Schröder sieht auch Buchwald „eine sehr große Lücke“, die Becker reißen wird: „Und ich weiß nicht, wie sie zu schließen ist. Auf Funktionärsebene fehlt vor allem der Nachwuchs.“ Der 79-jährige Stuhrer war Beckers Vorgänger als KLV-Boss, übergab 2006 den Staffelstab. Nun sind seine Zukunftssorgen klar herauszuhören: „In anderen Kreisen gibt es schon lange keine Vorsitzenden mehr. Da fehlt dann das Verbindende, die Vereine wursteln so vor sich hin.“ Ein Szenario, das Buchwald auch für die Kreise Diepholz und Nienburg mit ihren etwa 2 000 aktiven Vereins-Leichtathleten (22 Mitgliedsclubs in Diepholz, 18 in Nienburg) befürchtet.

 Die Lücke wird groß sein. Wilfried ist der Organisator, extrem engagiert. Seine Wettkämpfe sind sehr gut geplant – ich sehe aktuell niemanden, der das im KLV so machen könnte.

Ute Schröder, Trainerin beim TSV Asendorf, über Wilfried Becker

So weit, dass es künftig etwa keine Kreismeisterschaften in der Leichtathletik mehr gibt, wird es aber nicht kommen – glaubt Schröder: „Notfalls müssen dann die Vereine solche Veranstaltungen organisieren.“

Oder Becker hilft. Bei der Wettkampforganisation werde er weiter mitarbeiten, wenn es denn gewünscht ist – aber nicht mehr an oberster Stelle: „Ich bin ja nicht weg“, sagt er. Nur manchmal – in Island, Grönland, Alaska oder Kanada . . .

HINTERGRUND: Der „Dankausschluss“ schlägt hohe Wellen

Als Wilfried Becker und seine Mitstreiter vor elf Jahren mit einer Unterschriftenaktion verhinderten, dass das Reload-Musikfestival im Sulinger Sportpark stattfindet, begannen seiner Schilderung nach die Probleme zwischen der Leichtathletik-Abteilung und der Vereinsführung des TuS Sulingen. „Seitdem gibt es Hindernisse, das ist ein latenter Vorgang“, sagt er. Wie tief der Riss zwischen dem Spartenleiter (seit 2016) und dem Präsidium ist, zeigte sich zuletzt beim Vereinstag. Volker Wall, der Vorsitzende, dankte allen Sportlern für ihren Umgang mit der Corona-Krise – nur einer Person ausdrücklich nicht. Er nannte keinen Namen („so etwas mache ich nicht“), doch alle wussten, dass Becker gemeint war. „Ich hätte sagen können, dass alles rosarot ist. Das wäre mir dann auch auf die Füße gefallen. Für mich war es der ehrlichere Weg, nicht der leichtere“, sagt Wall. Die Leichtathleten hätten sich „als einzige Abteilung“ nicht an die Corona-Absprachen gehalten, die der Verein getroffen habe. Und deshalb könne er sich dort auch nicht bedanken, argumentiert Wall, der die Beziehung als „ziemlich zerstritten“ bezeichnet. Becker wehrt sich gegen diese Darstellung, mag aber nicht über Details, die dem Verein bekannt seien, sprechen.
Der Bericht über die TuS-Versammlung im Lokalteil dieser Zeitung hatte in Sulingen hohe Wellen geschlagen und auch einen Pro-Becker-Leserbrief des Sulinger Leichtathletik-Kenners Knut Teske nach sich gezogen. „Aber ich bin hart im Nehmen“, sagt Wall. Becker hatte nach der Rede des Präsidenten zum Mikro gegriffen und gekontert. Er sei „derjenige, dem nicht zu danken ist“. Der 71-Jährige, seit seinem Zuzug 1978 aus Osnabrück ein Sulinger, will sein Amt als Abteilungsleiter beim TuS Anfang kommenden Jahres abgeben. Es laufe eben nicht immer alles rund, betont Becker: „C´est la vie, so ist das Leben.“

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