BSV Rehden im Jubelrausch – erst die Regionalliga-Rettung, dann das grandiose Los im DFB-Pokal

Start-Nr. 38: Die Bayern als Sahnehäubchen

Rehden - Es brauchte nicht lange, um die Gefühlswelt von Hoffen und Bangen in pure Erleichterung umzukehren: Noch am 17. Mai musste der BSV Rehden um den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord bangen.

Die Mannschaft mit ausschließlich berufstätigen Feierabend-Fußballern im besten Sinn hatte eine Super-Saison gespielt, aber im Feld der Bundesliga-Reserven mit ihren Fast-Profis unglückliche Punktverluste hinnehmen müssen.

Dann aber gelang durch das 5:3 beim FC St. Pauli II der Liga-Erhalt, zehn Tage später feierte der BSV die Qualifikation für den DFB-Pokal – und gut zwei Wochen später zogen die Schwarz-Weißen das große Los: Heimrecht im Pokal gegen den großen FC Bayern!

Das Spiel des Jahrhunderts gegen die schon damals weltbeste Mannschaft: Wer diesen Abend am 5. August in der Osnatel-Arena Osnabrück miterleben durfte, wird ihn so schnell nicht vergessen: Nur mit 0:5 verloren die damals noch von Predrag Uzelac trainierten Rehdener nach großem, aber fairen Kampf und unheimlich viel Laufarbeit gegen das Star-Ensemble, das übrigens mit vier Ausnahmen dieselbe Startelf aufwies wie jüngst beim 7:0 über Werder Bremen . . .

Den Auftritt des BSV verfolgten knapp 16  000 Fans im Stadion, mehr als fünf Millionen Zuschauer live vor deutschen Fernsehschirmen, und unzählige weitere Beobachter in 110 Ländern. Vieles blieb nach diesem Achtungserfolg – neben der Anerkennung aus der Branche auch knapp 500 000 Euro Überschuss aus Werbe- und TV-Einnahmen. Einiges ging aber auch verloren – allen voran Coach Uzelac, der Ende August trotz des verheißungsvollen Starts in den Liga-Alltag plötzlich das Handtuch warf. Doch mit Nachfolger Björn Wnuck auf der Trainerbank machte die am höchsten spielende Mannschaft der Region nochmal eine enorme Entwicklung durch: Zehn Spiele lang blieb das Team ungeschlagen, arbeitete sich zur Winterpause mit 29 Punkten bis auf Platz sieben vor. Torwart Milos Mandic und seine Viererkette vor ihm mussten bisher erst 18 Gegentore schlucken – zusammen mit Spitzenreiter VfL Wolfsburg der Bestwert der Liga. Mandic selbst stellt jedoch mit Blick auf diese niedrige Quote klar, dass dies nicht nur ein Verdienst der Defensivspieler sei: „Dazu gehören auch die sechs Mann davor.“

Angefangen mit der Doppel-Sechs vor der Abwehr, die sich Respekt verschafft hat: Seit Januar gewann das defensive Mittelfeld durch Marius Winkelmanns Verpflichtung enorm an Qualität. Da konnte sich auch Nebenmann Maarten Schops zum Saisonende mit 37 Jahren als ältester Feldspieler der Liga beruhigt in den Ruhestand verabschieden.

In der Mittelfeld-Zentrale zieht nun einer die Fäden, der wie Mandic vom insolventen FC Oberneuland kam und dort prompt die Kapitänsbinde bekam: Kevin Artmann, Regisseur, Antreiber, Coach auf dem Platz und gefürchtet für seine Diagonalbälle, die bei seinen offensiven Mittelfeldkollegen und Stürmern öfter ankommen als in Rehdens Vorsaison.

Dass das zweite Jahr des BSV in der vierten Liga auch deshalb bisher erfolgreicher verläuft als das erste, hatte die Konkurrenz schon geahnt. Etwa Thomas Wolter, Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von Werder Bremen. Der Ex-Profi bezeichnete den BSV Rehden als „schlafenden Riesen“, der durchaus vorne mitspielen könnte.

Derartige Komplimente gehen natürlich auch an BSV-Boss und -Manager Friedrich Schilling nicht spurlos vorüber. Doch an höhere Sphären denkt der Steuerberater nicht: „Für die Dritte Liga reichen zurzeit weder unser Stadion noch die Qualität der Mannschaft aus. Aber wir würden schon gern noch ein paar Jahre in der Regionalliga spielen.“ Auch gegen weitere DFB-Pokal-Einzüge hätte er nichts einzuwenden. Vielleicht schon im Sommer. Nur noch ein Sieg im Niedersachsenpokal-Halbfinale gegen Uphusen – und das BSV-Wappen liegt wieder im Lostopf.

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