Barrier will in die Bundesliga

Matthias Kidler: Der Weltenbummler

Matthias Kidler
+
Sein Paradeschlag: „80 Prozent meiner Winner habe ich mit meiner Rückhand geschlagen“, erinnert sich Matthias Kidler an sein Match gegen Sachsenwalds Sebastian Fitz.

Matthias Kidler hat schon einiges erlebt – und das mit erst 30 Jahren. Über die Stationen Valencia und South Carolina soll es für den Tennisspieler vom Barrier TC nun im zweiten Anlauf mit dem Aufstieg in die Herren-30-Bundesliga klappen.

  • Kidler macht gegen Sachsenwald ein überragendes Spiel – doch zum Aufstieg reicht es nicht.
  • Schon in jungen Jahren schafft er es ins Kadertraining des Nordwestverbands.
  • Mit dem Einstieg ins Berufsleben muss der Schläger erst einmal ruhen.

Barrien/Vechta – Matthias Kidler lacht. „Oh, da sollte ich besser nicht drüber reden.“ Es geht um seine erste Begegnung mit Erik Trümpler. „Ich habe vor Jahren mal ein Aufstiegsspiel gegen ihn gemacht“, lässt sich er sich dann doch entlocken, „und ich bin mir recht sicher: Ich habe gewonnen. Sprich’ lieber nicht mit ihm darüber . . .“ Auch andere Barrier Tennisspieler kennt Kidler von früher: Tobias Kuhlmann, Florian Hartje, Markus Andresen und Mike Uhde. Damals waren es – bis auf Ex-Teamkollege Kuhlmann – Gegner. Heute sind es Mitspieler, mit denen der 30-Jährige um den Aufstieg in die Herren-30-Bundesliga gekämpft hat – und weiter kämpfen will!

Vor knapp einem Jahr machte Trümpler ihm beim Wiedersehen das „Projekt“ Barrier TC schmackhaft: „Ich habe sofort gemerkt, dass ich Bock darauf habe.“ Leistungsbezogen spielen, dabei aber nicht zu verbissen sein. Ein prima Modell, deshalb sagte Kidler schnell zu.

Die Saison, die der BTC im Frühjahr trotz Corona in der Regionalliga Nord-Ost startete, begann jedoch mit einem Schock: Beim 6:3-Auftaktsieg gegen den SC Victoria Hamburg knickte Kidler nach dem ersten Satz (6:1) am rechten Sprunggelenk um, spielte trotzdem weiter und siegte (6:2). „Ich weiß nicht mehr, wie ich das geschafft habe – wahrscheinlich war es einfach nur das Adrenalin.“ Er hatte „Angst, die Saison nicht beenden zu können“. Doch das MRT zwei Tage später brachte Entwarnung – kein Knöchelbruch, „nur“ ein Bänderriss. Im zweiten Spiel zwei Monate später war er, mit einer Bandage, wieder dabei. Auch dank Mitspieler Andresen: „Markus hat mich als Physio sehr stark unterstützt. Ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Kidler ist stolz auf seine Mannschaft: „Wir haben eine geile Saison gespielt!“

Nach dem 6:3 beim SV Reinickendorf 1896 und Kidlers „schlechtestem Spiel der Saison“ (6:7, 6:7) folgte das große Highlight: Aufstiegs-„Finale“ gegen den TTK Sachsenwald. Vor mehreren hundert Zuschauern. Bei perfektem Wetter. Als Abschluss der Barrier „Tennis-Tage“ inklusive Show-Training mit Ex-Profi Nicolas Kiefer. „Die Rahmenbedingungen waren unfassbar“, erinnert sich Kidler, „das hat mich noch mal richtig gepusht.“ Barriens Nummer zwei schoss seinen starken Gegner Sebastian Fitz mit 6:1, 6:3 regelrecht vom Platz. „Ich war super happy und hatte gehofft, dass ich dem Team das Momentum geben kann.“ Doch das klappte nicht. Die Barrier verloren die übrigen Einzel und letztlich klar mit 2:7. Damit verpassten sie den Aufstieg. Trotz aller Enttäuschung findet Kidler: „Wir haben mit einer geilen Truppe eine geile Saison gespielt.“ Der Gemeinschaftsgedanke stehe für ihn ohnehin über allem. „There is no I in team, den Satz habe ich in den USA gelernt.“

Der Aufenthalt in den Vereinigten Staaten war eines von gleich zwei Auslands-Abenteuern in seinem Tennis-Leben. Mit fünf Jahren hatte an der Ballwand alles angefangen. „Meine Eltern haben gesagt: Wenn wir eh spielen, können wir sie auch mitnehmen“, berichtet der Bremer über sich und seine Schwester Christina. Ein paar Jahre später wurde er im Kadertraining des Nordwestverbands zusätzlich gefördert, spielte auch bei Deutschen Meisterschaften.

Ich bin geborener Linkshänder, habe früher die Hand gewechselt und jeweils Vorhand gespielt. Das kommt mir jetzt bei der Rückhand zugute. Darum fühle ich mich auf der Seite wohler. Du könntest mich nachts wecken, und ich spiele mit der Rückhand mehr rein als mit der Vorhand.

Matthias Kidler

Mit 15 Jahren ging „Familienmensch“ Kidler nach Valencia „in ein kleines Team, keine Akademie mit 100 Kindern“ und versuchte, Profi zu werden: „Das war natürlich eine Umstellung, weil ich vieles, zum Beispiel Schulfreunde, zurücklassen musste.“ Nach einem Jahr mit kleineren Future- und Challenger-Turnieren auf ATP-Niveau in „Italien, Spanien, Deutschland, Frankreich, überall“ merkte Kidler jedoch: Die erhofften Leistungssprünge blieben aus, der finanzielle Aufwand mit Reisen und Trainern war dafür zu hoch: „Ich wusste, dass ich mit Tennis nicht vollumfänglich mein Geld verdienen werde.“

Er kehrte zurück nach Bremen. Am Gymnasium Horn nahm Kidler, der unbedingt auf gutem Niveau weiterspielen wollte, Sport als Leistungskurs und trainierte vor der Schule bei seinem Vereins- und Kadercoach Axel Finnberg. Mit dem Regionalligisten Bremer Tennis-Club von 1912 stieg er sogar bis in die 2. Liga auf.

Tennis spielen, um das Studium zu finanzieren: Matthias Kidler während seiner Zeit am College in den USA.

Doch dann zog es ihn wieder in die Ferne – ans College in Spartanburg im US-Bundestaat South Carolina. Dort studierte er mithilfe eines Full-Ride Stipendiums Business Administration (gleichzusetzen mit Betriebswirtschaftslehre). Die Saison dauerte von Januar bis April. Die Semesterferien verbrachte er in Deutschland, spielte hier für die Mannschaft von 1912 und gab Trainerstunden: „Es war perfekt.“ Nach vier Jahren mit Matches in Florida, nahe New York und an der Westküste machte er 2014 seinen Bachelor – und ging 2015 in die Unternehmensberatung mit dem Fokus auf die Automobilbranche.

Mit Tennis war nun erst mal Schluss – wegen der vielen Reisen nach Süddeutschland und beispielsweise auch in die USA (das BMW-Werk liegt nur eine knappe halbe Autostunde von seinem ehemaligen Studienort Spartanburg entfernt) hatte Kidler keine Zeit mehr: „Ich bin mir auf dem Court selbst nicht mehr gerecht geworden.“ Er legte den Schläger vorerst aus der Hand – bis Erik Trümpler auf ihn zukam.

Auch privat könnte es beim Barrier kaum besser laufen

Der Zeitpunkt hätte besser kaum sein können. Kidler wollte den Reisestress ohnehin beenden – „spätestens, als klar war, dass meine Freundin Anne schwanger ist“. Im Juli kam Sohn Emil auf die Welt, „und ich bin wahnsinnig froh, dass ich diese unglaublich spannende Phase miterleben durfte und darf“. Mittlerweile leben die Kidlers in Vechta, Annes Heimat. Er arbeitet häufig in Wolfsburg (VW als nächstgelegener Standort), aktuell jedoch viel von zu Hause aus. „In der Firma läuft es gut, ich kann den Zwerg aufwachsen sehen und für Anne auch mal eine Unterstützung sein“, nennt er die Vorteile im Homeoffice. Und: „Ich habe mehr Zeit, den Schläger in die Hand zu nehmen.“

Kidler hat sogar schon ein neues Ziel mit Barrien vor Augen – zweiter Angriff auf die Bundesliga: „Ich würde das gerne in dieser Konstellation noch mal versuchen. Es wäre schade um jeden Einzelnen, den wir verlieren“, meint Kidler und fügt an: „Wir sind alle Familienväter – es ist spannend und schön zu sehen, dass wir uns trotzdem die Zeit nehmen.“

„Ratgeber“ Kidler will „Wissen und Erfahrung weitergeben“

Es wäre fahrlässig, den Wert von Matthias Kidler für den Barrier TC lediglich auf seine Leistungen für die Herren 30 zu begrenzen. Denn der Tennisspieler ist gleichermaßen „Mentor“ für die jüngere Generation an Aktiven im Club. „Er nimmt die Youngster so ein bisschen an die Hand, ist ein Ratgeber“, erläutert Barriens Herren-30-Mannschaftsführer und Pressesprecher Erik Trümpler. „Wenn ich so gesehen werde, freue ich mich natürlich sehr darüber“, meint Kidler lächelnd: „Das durfte ich lange Zeit durch verschiedene Personen auch erleben und konnte dadurch viel lernen. Das Wissen und die Erfahrung will man den Jungen natürlich weitergeben.“

Zwei- bis dreimal die Woche steht der 30-Jährige zurzeit auf dem Court. Häufiger schafft er es nicht. „Die Fahrt von Vechta nach Barrien ist das eine, aber auch beruflich geht es im Jahresendspurt nicht mehr so häufig“, erklärt er: „Außerdem: Je älter man wird, desto weniger braucht man diesen Rhythmus und ist schneller wieder drin.“

Die Zeit für seinen Mannschaftskollegen Bendix Schröder nimmt er sich dennoch – meistens dienstags. Mit dem hochtalentierten 17-Jährigen spielt er – wie bereits in der vergangenen Saison – auch diesen Winter wieder zusammen in einem Team an Position vier. „Ich sehe das nicht als Trainerstunde, ich stehe nicht am Ballkorb“, gibt Kidler einen Einblick: „Wir spielen Punkte aus, für mich ist das gut, das ist ein sehr hohes Level.“ Schröder „ist ein guter, fitter Spieler“, das seien „die anderen“ und etwa gleichaltrigen Herren-Teammitglieder Maxim Triller und Tarek Erlewein allerdings auch, betont Kidler: „Da würde ich keinen hervorheben wollen.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Antifa-Demo gegen rechte Gewalt zieht durch Syke

Antifa-Demo gegen rechte Gewalt zieht durch Syke

Blutiger Dornfelder: ein Krimi-Rotwein-Paket zum Genießen

Blutiger Dornfelder: ein Krimi-Rotwein-Paket zum Genießen

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Meistgelesene Artikel

Die vielen Jobs des Michael Schulz: Möbelverkäufer, Reporter, Spielerberater

Die vielen Jobs des Michael Schulz: Möbelverkäufer, Reporter, Spielerberater

Die vielen Jobs des Michael Schulz: Möbelverkäufer, Reporter, Spielerberater
Thema Reitturniere: Ausrichtung, Verschiebung oder Absage?

Thema Reitturniere: Ausrichtung, Verschiebung oder Absage?

Thema Reitturniere: Ausrichtung, Verschiebung oder Absage?
Brinkums Manager Jörg Bender erwägt rechtliche Schritte

Brinkums Manager Jörg Bender erwägt rechtliche Schritte

Brinkums Manager Jörg Bender erwägt rechtliche Schritte
Im Mai wird über den „Württemberg-Cup“ entschieden

Im Mai wird über den „Württemberg-Cup“ entschieden

Im Mai wird über den „Württemberg-Cup“ entschieden

Kommentare