HSG Barnstorf macht Titelkampf mit 31:26 in Habenhausen wieder spannend / Unglaublicher Lenkevicius

„Jetzt spüren sie unseren Atem“

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Wurde oft hart angegangen, erzielte aber dennoch fünf Tore: Barnstorfs Halblinker Tobias Meyer (li.).

Bremen - Von Gerd Töbelmann. Sie sind nicht unter dem Druck des Gewinnenmüssens zusammengebrochen. Durch das gestrige 31:26 (16:10) in der Handball-Oberliga der Männer bei Spitzenreiter ATSV Habenhausen verkürzte Verfolger HSG Barnstorf/Diepholz den Rückstand zum Leader auf nur noch einen Punkt. „Jetzt spüren sie unseren Atem wieder. Eine Niederlage hätte das Aus im Titelkampf bedeutet“, meinte Barnstorfs Trainer Mario Mohrland erleichtert.

Vor 400 Zuschauern, wovon mindestens ein Drittel den Gästen fest die Daumen hielt und auch jede Menge Spektakel machte („Heimspiel in Bremen“, wurde skandiert), überraschte Mohrland die Bremer mit einer Personalie: Der 37-jährige Tomas Lenkevicius, der seine Karriere eigentlich schon beendet hat, stand erstmals in dieser Saison auf der Platte und war prompt einer der Sieggaranten. Der Litauer, in früheren Zeiten eigentlich nur als Abwehrchef und Gegenstoß-Initiator bekannt, durfte gestern sogar im Angriff als Mittelmann glänzen. Und das tat er! Als hätte er nie etwas anderes gemacht als hochzusteigen und abzuziehen, erzielte Lenkevicius vier blitzsaubere Tore. Dass er in der Deckung ein Fels in der Brandung war, muss da kaum erwähnt werden.

So einen hätte Habenhausens Trainer Lars Müller-Dormann auch gern gehabt: „Unser Mittelblock, sonst eigentlich unsere Stärke, kam heute gar nicht zum Zuge.“ Und dann konnte sich „Dodo“, früher auch mal als Spieler in Brinkumer Diensten, eine Spitze nicht verkneifen: „Wenn sie einen 37-Jährigen brauchen, um hier zu bestehen, dann ist das deren Sache. Ich würde sowas nicht machen, nur um ein Spiel zu gewinnen.“

Lenkevicius jedenfalls war hinterher zwar kaputt, aber auch sehr glücklich: „Ich hätte schon im Heimspiel gegen Cloppenburg gern gespielt, aber da hat das nicht geklappt. Schön, dass ich heute noch einmal dabei war.“ Sein Orthopäde wird das vielleicht anders sehen, denn Lenkevicius beendete seine Karriere schließlich nach etlichen Schulter-Operationen. Und auch Mohrland war offenbar nicht ganz so wohl dabei: „Das war gesundheitlich ein Risiko, aber Tomas hat sein Okay gegeben.“

Bis zum 7:7 war es ein Match auf Augenhöhe, was unglaublich schnell geführt wurde. „So eine tolle Abwehr haben wir in dieser Saison noch nie gespielt“, meinte etwa Cedric Quader, der wegen einer Verletzung nur Zuschauer war.

Gegen Ende des ersten Abschnitts brachten sich die Gäste in Stellung, warfen vier Treffer in Serie und gingen mit einem komfortablen 16:10 in die Kabine. Vor allem die beiden letzten Treffer, die innerhalb von nur 15 Sekunden fielen, brachten Müller-Dormann auf die Palme: „Das war anfängerhaft, wie wir uns da haben verarschen lassen. Wenn wir nur mit drei oder vier Toren zurückgelegen hätten, wäre vielmehr möglich gewesen.“

So aber hechelten die Bremer ständig einem mehr oder minder großen Rückstand hinterher. Beim 26:28 schien Habenhausen die Wende noch packen zu können – auch schon ein Remis hätte ihnen geholfen, um Barnstorf auf Distanz zu halten.

Doch in den letzten 120 Sekunden beseitigten die Gäste letzte Zweifel. Zweimal Laurynas Palevicius und einmal Ulf Grädtke per Heber nach einem Gegenstoß machten das 31:26 perfekt. Der Rest war nur noch Glückseligkeit, was die Barnstorfer zusammen mit ihren tollen Fans sichtlich genossen.

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