Serie „Lost Places“

Ehemaliger Lahauser Sportplatz hat viel miterlebt

Nachgestellter Anstoß am ehemaligen Mittelkreis des Lahauser Sportplatzes (v.l.): Jörg Wetjen, Harald Preuß und Heiko Brandt.
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Nachgestellter Anstoß am ehemaligen Mittelkreis des Lahauser Sportplatzes (v.l.): Ex-Torwart Jörg Wetjen, Ex-Spartenleiter Harald Preuß und Ex-Mittelstürmer Heiko Brandt haben ihr Wiedersehen an alter Wirkungsstätte genossen.

Von 1952 bis 1978 war auf dem ehemaligen Sportplatz des TSV Lahausen an der Ecke Meyerkamp/Siedlungsweg jede Menge los. Zu Spielen der A-Jugend kamen schon mal 300 Zuschauer. Unvergessen sind auch die Anekdoten über den „Ballräuber“ von Lahausen.

Weyhe-Lahausen - Wenn Harald Preuß auf den alten Sportplatz des TSV Lahausen angesprochen wird, dann kann er es fast immer noch nicht fassen, was damals so alles möglich war. „Wir hatten in der Spitze zwölf Fußball-Mannschaften, die sich den einen Platz fürs Training und für die Spiele teilen mussten. Und es hat alles einigermaßen funktioniert“, erinnert sich der 73-Jährige, der von 1974 bis 1976 Spartenleiter und von 1998 bis 2010 Vorsitzender des TSV Lahausen war.

Eben jener Platz an der Gabelung Meyerkamp/Siedlungsweg wurde 1952 (drei Jahre nach Gründung des Clubs) eingeweiht und bis zum Umzug auf die Zentralsportanlage (ZSA) im Jahre 1978 genutzt. Vor dem ersten Anstoß in Lahausen jagten die Fußballer ihrem Sportgerät in Barrien hinterher.

Gern denkt Preuß, der dem Verein seit 1955 angehört, an die alten Zeiten zurück: „Das Zusammengehörigkeitsgefühl war doch noch mehr ausgeprägt als heute. Die Leute haben sich viel mehr mit ihrem Verein identifiziert – und auch was dafür getan.“

Der alte Lahauser Platz (unten links) lag direkt an der Bahn. Heute ist dieses Areal fast komplett bebaut.

1951 wurde mit dem Landwirt Johann Wetjen, der auch noch eine Gastwirtschaft hatte, der erste Pachtvertrag für das Areal geschlossen. Ein Jahr später folgte, nach vielen Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder, die Einweihung. Die Lahauser hatten nun für die aus heutiger Sicht fast lächerliche Investition von 2 500 Mark einen neuen Platz.

Nach und nach wurde das Gelände weiter entwickelt. 1967 wurde der Platz noch einmal komplett neu hergerichtet und auch die Flutlichanlage, die Anfang der 60er-Jahre erstellt wurde, erneuert. „Das meiste haben wir in Eigenarbeit geleistet. In Lahausen hatten wir damals die einzige Lichtanlage in der Umgebung“, weiß der pensionierte Bremer Verwaltungsbeamte, der seit 2020 ehrenamtlicher Schiedsmann der Gemeinde Weyhe ist. Federführend bei den Platzarbeiten war Reinhard Köper, der wegen seiner Genauigkeit bekannt war. „Reinhard hat jedes Erdloch, das wir gegraben haben, penibel mit dem Zollstock nachgemessen, ob das alles auch regelkonform war“, sagt Preuß.

Hier stand das Ex-Vereinsheim: Hinten zeigen es Jörg Wetjen, Heiko Brandt und Harald Preuß an.

1969 folgte der nächste Meilenstein auf der Lahauser Anlage: Die Grundsteinlegung für das neue Vereinsheim, welches ebenfalls fast komplett in Eigenleistung hochgezogen wurde. Dieses Gebäude wurde noch bis ins Jahr 2000, also noch 22 Jahre nach dem Umzug auf die Zentralsportanlage, vom Verein genutzt. Erst dann wurde auf der ZSA eine neue Vereinsherberge errichtet, die Eigentum des Clubs ist.

Heiko Brandt (64) erinnert sich noch gern an die Spiele auf dem alten Platz: „Besonders in der A-Jugend waren die Derbys gegen Sudweyhe etwas ganz Besonderes. Da kamen bis zu 300 Leute zum Platz. Wir hatten da eine richtig gute Truppe mit vielen Spielern, die zur Bezirksauswahl gehörten, am Start.“

Mutige vor: Dieser Lahauser hatte beim Aufstellen der Flutlichtmasten den besten Ausblick. repro: töbelmann

Und es gab auch einige Kuriositäten, die sogar überregional Beachtung fanden. Die meisten Anwohner des Platzes waren dem Verein sehr wohlgesonnen. Ein Nachbar jedoch hatte mit den Fußballern gar nichts am Hut. Da kam es nicht nur einmal vor, dass in den Garten geschossene Bälle nicht wieder herausgerückt wurden. Das ging sogar so weit, dass es zu einer Anklage des Herrn gegen den Verein und zu einer Gerichtsverhandlung kam. Dies nahm damals die „Bild“-Zeitung zum Anlass, um über dieses Szenario in gewohnt großen Lettern zu berichten. „Wir hatten jedes Mal Angst, wenn ein Ball in seinen Garten geflogen ist. Bevor wir ihn wiedergeholt haben, haben wir uns versichert, dass er nicht in der Nähe war“, meint Brandt.

Extra fünf Meter hohen Zaun errichtet

Ex-Mitspieler und Freund Jörg Wetjen, der Enkel von Johann Wetjen, fügt noch eine Anekdote aus seiner C-Jugend-Zeit hinzu: „Der Ball war mal wieder im Garten, und wir haben gesehen, dass er den einkassieren wollten. Da sind wir mit der ganzen Mannschaft rüber, haben einen Kreis um ihn herum gebildet und den immer enger werden lassen. Letztlich hat er uns den Ball gegeben. Die feine Art von uns war das vielleicht nicht, aber was sollten wir denn machen?“ Die Lahauser handelten und errichteten an der Grenzlinie zum Ballräuber extra einen fünf Meter hohen Zaun, um auf der sicheren Seite zu sein. Viele Jahre nach dem Tod des „netten“ Nachbarn fand dessen Tochter im Schuppen in einer Ecke bis zu 30 Bälle – und gab sie dem Verein zurück.

Einige Jahre nach dem Umzug auf die ZSA wurde das Gelände nach und nach bebaut. Unter anderem auch von Jörg Wetjen, der quasi jeden Tag beim Blick aus dem Fenster oder beim Gang in den Garten an die guten, alten Zeiten auf dem Lahauser Sportplatz erinnert wird.

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