Sulinger kämpft sich zurück

Aziz Ayal: Aufgeben ist keine Option

Aziz Ayal
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Aziz Ayal vom Fußball-Landesligisten TuS Sulingen macht viele seine Reha-Übungen im heimischen Wohnzimmer in Siedenburg – auch Seilspringen gehört dazu.

Bitterer geht es kaum: Aziz Ayal zog sich vergangenen Winter bereits seinen zweiten Kreuzbandriss zu, der Fußballer vom Landesligisten TuS Sulingen muss sich durch die Reha und zurück auf den Platz kämpfen. 2021 will er wieder „richtig fit werden“.

  • Ayal hat „keine Schmerzen mehr“ im Knie.
  • Erster Kreuzbandriss verhindert Training mit Rehdens Regionalliga-Kader.
  • Mit dem Fußball aufzuhören, kommt für den 20-Jährigen nicht infrage.

Sulingen – Thorolf Meyer bringt es in nur einem Satz ziemlich gut auf den Punkt. „Der Junge hat echt Pech gehabt“, sagt der Trainer des Landesligisten TuS Sulingen – und meint damit seinen Spieler Aziz Ayal. Der 20-Jährige laboriert zu Beginn seiner Karriere im Herren-Fußball bereits an seinem zweiten Kreuzbandriss im linken Knie und war in den vergangenen zwei Jahren mehr in Arztpraxen und Rehazentren als auf dem Platz.

Eine ziemlich harte und anstrengende Nummer für den Siedenburger, dessen türkische Familie vor einigen Jahren aus Deblinghausen (Kreis Nienburg) hergezogen war – physisch wie psychisch. Nur allzu verständlich, dass Ayal das Ende eines erneut schwierigen Jahres herbeisehnt und sagt: „Für 2021 wünsche ich mir, dass ich wieder richtig fit werde und Fußball spielen kann – und dass es in meiner Ausbildung weiterhin gut läuft.“

Momentan muss sich der angehende Elektriker für Betriebstechnik (arbeitet in Twistringen) auf Übungen beschränken, die hauptsächlich dem Muskelaufbau und der Wiederherstellung der Beweglichkeit dienen. Seilspringen im Wohnzimmer, mal aufs Trampolin bei seinem Cousin in Sulingen, Radfahren, Krankengymnastik. So sieht sein Programm aus. „Es läuft ganz gut“, findet Ayal: „Ich kann das Knie schon wieder fast ganz knicken und habe keine Schmerzen mehr. Dass ich ab und zu noch etwas merke, ist normal. Das Bein muss sich wieder an die Belastung gewöhnen.“ Der nächste Schritt sollen bald lockere Joggingeinheiten sein.

Vorsichtiges Jonglieren mit dem Ball ist für Aziz Ayal bereits wieder möglich.

Wie der Weg zurück aussieht, weiß der Mittelfeldmann aus leidvoller Erfahrung. Im Dezember 2018 hatte er sich als A-Junior während des Hallentrainings mit dem JFV RWD Rehden seine erste schwere Verletzung im linken Knie zugezogen: Riss des vorderen Kreuzbands, auch der Meniskus war betroffen. Bitter zudem: Er habe damals unmittelbar davor gestanden, in den Rehdener Regionalliga-Kader hineinschnuppern zu dürfen. „Am Montag war die Verletzung, am Mittwoch hätte ich in der Ersten mittrainieren sollen“, erinnert sich Ayal: „Ich habe gehört, dass mich Trainer Benedetto Muzzicato interessant findet – und natürlich habe ich mich sehr gefreut. Leider konnte ich mich dann doch nicht dort beweisen.“

Wegen des lädierten Knies war die große Chance dahin. Ayal ging in die Reha und überlegte sich in dieser Zeit, wie und wo er weitermachen möchte. Die Wahl fiel auf den TuS Sulingen, wo er in der Jugend mal ein Jahr gespielt hatte und wo er Coach Walter Brinkmann aus Einheiten im DFB-Stützpunkt schon kannte. Beim TuS rackerte er für sein Comeback, das er im darauffolgenden Winter dann auch endlich gab. Jedoch nur ein kurzes. Nach zwei, drei Einsätzen im „Winter-Cup“ wurde Ayal im Finale gegen Bassum eingewechselt, „ein Gegner ist leicht gegen mein Knie gekommen, ich bin weggeknickt“ – und schon war’s wieder passiert. Dasselbe Knie, dieselbe Verletzung. „Er hatte sich gerade wieder gut erholt“, seufzt „Toto“ Meyer.

Das ist nicht leicht zu verarbeiten. Deshalb solle er es in aller Ruhe angehen – und wir werden sehr behutsam mit ihm sein.

Trainer Thorolf Meyer vom TuS Sulingen über seinen Spieler Aziz Ayal

Diesmal ließ sich Ayal aber nicht in Sulingen, sondern im „Diako“ in Bremen operieren. Den Tipp hatte ihm sein ehemaliger Rehdener Mitspieler Hannes Fortkamp (mittlerweile SC Twistringen) gegeben, der sich dort ebenfalls am Kreuzband behandeln ließ. „Wegen Corona wurde die OP immer weiter nach hinten verlegt, das war nicht so prickelnd“, sagt Ayal. Erst Anfang September war es soweit. Seitdem spult er sein noch lockeres Trainingsprogramm ab. „Aber diesmal“, betont Ayal, „lasse ich mir mehr Zeit und bin noch vorsichtiger“. Auch mit Blick auf seinen Ausbildungsplatz „darf ich mir keine weitere Verletzung erlauben“.

Komplett aufzuhören kommt für ihn jedoch nicht infrage: „Fußball bedeutet alles für mich. Ich spiele, seit ich vier Jahre alt bin und habe kein anderes Hobby. Außerdem vermisse ich die Mannschaft, wir haben eine geile Truppe.“ Allerdings wird er sich gedulden müssen, vor Herbst 2021 kann er voraussichtlich keine Spiele bestreiten.

Sprungübungen gehören ebenfalls zu Aziz Ayals Reha-Programm.

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