Startnummer 18: Christina Lehmkuhl

Christina Lehmkuhl

Christina Lehmkuhl (am Ball) von der HSG Phoenix spielte eine herausragende Saison. - Foto: Flügge

Twistringen - „Nö“, sagt Christina Lehmkuhl mit einem Schmunzeln auf die Frage, ob sie denn wisse, wie viele Tore sie in der vergangenen Saison geworfen hat. „Und wie viele es momentan sind, weiß ich auch nicht“, fügt sie hinzu – und lacht. Es liegt im Naturell der Handballerin der HSG Phoenix, sich nicht in den Mittelpunkt stellen zu wollen. Für sie ist der Star die Mannschaft, „denn ohne mein Team wäre ich nichts und könnte ich auch keine Tore werfen. Wichtig ist doch, dass wir alle gemeinsam Erfolg und Spaß am Handball haben“. Wohltuend bescheiden und sympathisch. Gleichwohl sollte aufgeklärt werden, dass die 28-Jährige in der abgelaufenen Spielzeit insgesamt 115 Tore erzielte und damit wesentlichen Anteil an Meisterschaft und Aufstieg in die Oberliga hatte. Dort kommt Lehmkuhl derzeit schon wieder auf 51 Treffer.

„Jeder Trainer ist froh, so eine Spielerin in seiner Mannschaft zu haben“, schwärmt Phoenix-Coach Thomas Reinberg von seiner Rückraumspielerin, die „immer rennt, extrem viele Bälle nach hinten abfängt, vorn immer wieder brandgefährlich ist und eine besondere Stärke im Eins-gegen-eins hat. Sie ist eine Spielerin, die die Mannschaft mit trägt.“ Das einzige Problem, so der HSG-Trainer, sei vielleicht ihr manchmal zu großer Ehrgeiz.

Dem will Christina Lehmkuhl nicht widersprechen. „Oh ja, ich bin wirklich sehr, sehr ehrzeizig.“ Doch das liege vielleicht daran, dass sie eben gerne leistungsorientiert Handball spielt, sich über jede Niederlage, jeden verworfenen Ball tierisch ärgert. Lehmkuhl will gewinnen, verlieren ist ihr ein Greuel. „Ich versuche immer 100 Prozent zu geben. Nur aus Spaß an der Freud herumzugämpeln, ist nicht mein Ding.“ Und diesen absoluten Willen versucht Lehmkuhl auch an ihre Mitspielerinnen weiterzugeben. „Die Mannschaft zu pushen, denke ich, kann ich ganz gut“, sagt sie selbstbewusst. Ihr Motto dabei: „Ich will und will, dass die anderen auch wollen.“

Seit ihrem neunten Lebensjahr betreibt die leidenschaftliche Handballerin ihren Sport. Begonnen hat sie beim SC Twistringen, dem sie lange Zeit treu blieb, ehe Christina Lehmkuhl vor fünf Jahren als damals 23-Jährige nach Vechta in die Oberliga wechselte. „Ich wollte einfach mal höher spielen. Das hat mich gereizt“, sagt die Sportlerin rückblickend. Drei Jahre war sie in Vechta aktiv, ehe es dann zurück zu ihrem Heimatverein ging, der inzwischen mit dem TSV Bassum zur HSG Phoenix fusioniert hatte. Seither ist sie dort aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. „Und so lange wir weiter Spaß am Handball und so eine geile Gemeinschaft haben, werde ich auch bleiben“, kündigt Lehmkuhl an. Klar, sollte ein Drittligist noch einmal bei der 28-Jährigen anklopfen, wäre der Schritt freilich noch einmal zu überlegen. „Wenn alles passt, könnte ich mir das vielleicht schon noch mal vorstellen“, sagt Lehmkuhl. Allerdings käme dann nur ihr Ex-Verein in Vechta in Frage. Schließlich wohnt die Handballerin seit kurzem dort und arbeitet in der Stadt auch als Heilerziehungspflegerin in einer Behindertenwerkstatt. Noch einmal ganz oben anzugreifen, wäre aber auch nicht ganz risikofrei: „In meinem Alter ist das nicht mehr ganz so einfach.“

Denn fast 20 Jahre auf der Platte haben ihre Spuren hinterlassen. „Nach den Spielen tun mir schon häufiger die Knochen weh. Und davon ist der ganze Körper betroffen“, räumt Lehmkuhl ein: „Handball ist für mich der härteste Sport der Welt. Da hast du keine Schützer oder Helme wie beim American Football. Da geht es so richtig zur Sache.“ Und daher, lacht die sympathische junge Frau mit dem blonden Kurzhaarschnitt, „ist Fußball auch was für die Jungs, weil die nichts abkönnen, nichts einstecken können“. Allerdings trägt auch Christina Lehmkuhl ein Laster mit sich herum: „Ich bin vor jedem Spiel noch immer unheimlich aufgeregt, habe regelrecht Bauchschmerzen.“ Und vor ganz wichtigen Begegnungen, wie beispielsweise dem richtungsweisenden Heimspiel am 3. Dezember gegen Bützfleth, „wird mir regelrecht schlecht“. Mit dem Anwurf ist das dann aber alles wie weggewischt.

Auf dem Feld ist Teamplay-erin Christina Lehmkuhl also das temperamentvolle, aufgeregte, torhungrige Energiebündel, das einstecken, aber auch austeilen kann. Und privat? Etwa das ruhige, zurückhaltende und brave Mädchen von nebenan? „Überhaupt nicht“, lacht die 28-Jährige: „Ich habe immer Hummeln im Hintern, muss ständig in Bewegung sein. Meine Arbeitskollegen nennen mich schon ADHS hoch 2.“ Von daher hätte sie auch nie einen Bürojob ausüben können: „Ich kann einfach nicht still sitzen. Zu Hause in Ruhe auf dem Sofa – das ist nur ganz selten mal der Fall. Ich muss raus.“ Fürs Torezählen bleibt daher auch gar keine Zeit…

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