Wie Heiligenfeldes Torhüter ein Fußball-Leben ohne jede Gelbe Karte stemmt

Ansteckungsgefahr! Gerlach und die Fairness

Unvergessen: Nach dem Test gegen Werder wird Christian Gerlach (l.), Spitzname „Fuxx“, zum Autogrammschreiber des Abends.
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Unvergessen: Nach dem Test gegen Werder wird Christian Gerlach (l.), Spitzname „Fuxx“, zum Autogrammschreiber des Abends.

Heiligenfelde - Von Arne HelmsEine Gelbe Karte auf dem Fußballplatz zu sehen ist für die meisten Sportler wie Schuhe zubinden – das Normalste von der Welt. Für Christian Gerlach vom SV Heiligenfelde gleicht der grelle Karton der Landung eines Menschen auf dem Mars: hat es noch nie gegeben. Der 29-jährige Torwart ist ein auffälliger Prototyp für Fairness.

Der Syker ist 1,90 Meter groß und hat blonde Haare – ansonsten aber, nun ja, alles andere als Modellmaße. Als Gerlach vor kurzem irgendwo als Zwei-Zentner-Mann bezeichnet wurde, amüsierte sich sein Trainer Frank Fischer köstlich. Was die Waage tatsächlich anzeigt, will der Keeper nicht verraten. Aber es ist mehr.

In der Kreisliga ist längst bekannt, dass Gerlach dennoch große Klasse hat; die Gegentor-Statistik der Heiligenfelder ist eines Spitzenreiters würdig; 15 in 16 Partien. Die Profis des SV Werder Bremen aber müssen sich wie im falschen Film gefühlt haben.

Im Oktober gipfelte das Jahr des Christian Gerlach im Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten. Die Bremer gewannen zwar mit 7:0 – den größten Applaus erhielt jedoch der 29-Jährige, der für seine Leistung von den 2 300 Zuschauern gefeiert wurde. Als Gerlach ausgewechselt wurde, standen sich einige Fans an der Bande die Beine in den Bauch. Gekommen waren sie wegen der prominenten Gäste – gehen wollten sie nur mit einer Unterschrift des lokalen Helden. „Unglaublich“ findet er das auch mehr als zwei Monate später noch. Beim Herbstmarkt in Syke wurde der angehende Lehrer (Deutsch und Biologie) als Stargast angekündigt.

In Heiligenfelde muss der Torwart nicht mehr angekündigt werden. Dort ist er seit 2004 eine feste Institution, mittlerweile drei Jahre als Kapitän. Seitdem hat der SVH dreimal hintereinander die Regionalwertung des VGH-Fairness-Cups gewonnen. In der Saison 2010/ 11 hat keine von 1 200 niedersächsischen Mannschaften zwischen Bundes- und Kreisliga mit so viel Anstand gewonnen und verloren wie die Heiligenfelder. Gerlach und Co. wurden nie Meister und waren dennoch ständig präsent – auch das kann Fußball sein.

Es ist der Heiligenfelder Sportsgeist, der dafür verantwortlich ist. Gerlach erklärt: „Von uns wird kein Gegenspieler einfach umgeholzt, und gegen den Schiri wird nicht gemeckert. Werden wir selbst umgegrätscht, stehen wir auf und lächeln.“ Die gegnerischen Teams würden dadurch „angesteckt, weil wir uns vernünftig verhalten“. In der Kreisliga führt der SVH in der Fairness-Wertung schon wieder. „Als Kapitän lebe ich diesen Gedanken vor und erwarte diese Einstellung auch von meinen Mitspielern“, sagt der Torhüter.

Möglich gemacht hat diese besondere Spielweise der Coach. Als Frank Fischer 2010 anfing, führte er die Viererkette ein. „Dadurch kommen wir sehr schnell hinter den Ball und schaffen es fast immer, einen Pass abzulaufen. Die Grätsche – das Predigt Frank uns immer wieder – ist das allerletzte Mittel“, so Gerlach.

Der Enkel des 2011 verstorbenen, ehemaligen Syker Stadtdirektors Fritz Gerlach gibt diesen Gedanken in vielerlei Hinsicht weiter. In Heiligenfelde coacht er gemeinsam mit Frank Janshen und Sören Helms die U 18, für den TSV Barrien ist Gerlach in der 2. Tischtennis-Bezirksklasse aktiv und als Staffelleiter für die Jungen-Kreisligen verantwortlich. Nur ein Tag in der Woche vergeht ohne Sport.

Der ultimative Fairness-Gedanke aber verbleibt im SV Heiligenfelde – zu sehen bei der jährlichen Weihnachtsfeier. Dort kann es passieren, dass das Bier von Fußballern im Engelskostüm serviert wird oder einige Gäste den Abend auf einem Pfahl sitzend verbringen – Rote Karten werden in diesem Verein eben gnadenlos bestraft.

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