ZOLLSTOCK-GESPRÄCH Marcel Katscher Box-Trainer mit Leidenschaft / Sauer auf Verband und Verwaltung

„Ans Aufhören habe ich nie gedacht“

Gerade bei einem Gespräch mit einem Box-Trainer kann ein gewisser Abstand ja nicht schaden . . . Zwischen dem Wehrblecker Marcel Katscher (links) und Sportredakteur Gerd Töbelmann ging es aber sehr friedlich zu.
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Gerade bei einem Gespräch mit einem Box-Trainer kann ein gewisser Abstand ja nicht schaden . . . Zwischen dem Wehrblecker Marcel Katscher (links) und Sportredakteur Gerd Töbelmann ging es aber sehr friedlich zu.

Wehrbleck – Die Ballsportler dürfen seit einiger Zeit wieder halbwegs normal trainieren und Test- oder sogar Punktspiele (wie im Tennis) bestreiten. In einer Kampfsportart wie dem Boxen sieht das anders aus. Erst seit kurzer Zeit ist ein Vollkontakt-Training wieder möglich, aber reguläre Wettkämpfe sind noch nicht in Sicht. Das nervt Marcel Katscher natürlich sehr. Im Augenblick kann er zusammen mit Vater Gerhard Katscher nur Übungseinheiten in Wehrbleck und Sulingen anbieten. Das macht er aber nur, wenn sich vorher fünf Sportler anmelden. Der 29-jährige Marcel ist Box-Trainer beim SV Wehrbleck und gibt im „Zollstock-Gespräch“ Einblicke in seine corona-gebeutelte Sportart. Zudem verriet er uns auch, was er machen würde, wenn ab sofort wieder alles möglich wäre.

Was nervt Sie aktuell oder in den vergangenen Montaten am meisten?

Einige meiner Jungs wollten trainieren. Ich musste denen immer sagen, dass es momentan nicht geht. Und dann hat mich der Informationsfluss von Seiten des Verbandes oder auch der Verwaltung geärgert. Ich musste mich beim Landessportbund selbst darum kümmern, was im Boxen denn nun erlaubt oder was nicht erlaubt ist.

Welches war oder ist Ihr Corona-Projekt, und welche versteckten Talente haben Sie an sich entdeckt?

Eigentlich nichts. Ich habe mein Leben relativ normal weitergeführt. Allerdings habe ich mehr Sport gemacht, bin Joggen gegangen oder habe auf der Terrasse Kraftübungen gemacht.

Wann starten Sie in Ihrem Sport wieder richtig durch?

Darüber haben wir noch keine Informationen bekommen. Keine Ahnung, wann reguläre Wettkämpfe wieder stattfinden.

Kein Training, keine Wettkämpfe, vielleicht andere Hobbys: Wie sehr haben Sie oder Ihre Schützlinge sich in der Corona-Krise damit beschäftigt, weniger leistungsorientierten Sport zu treiben oder gar ganz damit aufzuhören? Oder ist die Lust aktuell größer denn je?

Von den Jungs ist keiner abgesprungen. Alle halten zur Stange und sind heiß, dass es bald wieder normal weitergeht. Ich selbst habe auch nie ans Aufhören gedacht. Ganz im Gegenteil: Zwischendurch wollte ich sogar einmal ein virtuelles Training anbieten. Aber daraus ist dann doch nichts geworden.

Welche Absage schmerzte in den vergangenen Monaten am meisten?

Dass das Halbfinale der Landesmeisterschaft im März abgesagt wurde. Wir hatten uns da mit Egzon Kelmendi in der Altersklasse U 17 qualifiziert. Besonders Egzon war nach einer tollen Vorrunde natürlich sehr traurig.

Buch, Serie oder Film – was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Bei Netflix schaue ich momentan die Serie „Blacklist“. Da geht es um den genialen Verbrecher Raymond, der sich stellt und dem FBI seine Hilfe anbietet.

Was tragen Sie für eine Maske – und wer hat sie genäht?

Auf der Arbeit haben wir vier verschiedene Masken von der Bank gestellt bekommen, die wir aber auch selbst waschen müssen. Selbst genäht sind die natürlich nicht. Fürs Auto habe ich noch eine Extra-Maske.

Wann und wo sind Sie zuletzt Essen gegangen?

Das war beim Griechen in Hoyerhagen, wo ich mit meiner Freundin Nicole und deren Familie war.

Müritz oder Mallorca? Balkonien oder Balearen? Wie sehen Ihre weiteren Urlaubspläne für dieses Jahr aus?

Mit Nicole wäre ich eigentlich im Mai gern mit dem Zug nach Wien gefahren. Aber das war wegen Corona nicht möglich. Jetzt planen wir einen Urlaub im September, aber das Ziel ist noch nicht festgelegt.

Stadion oder Konzert? Was machen Sie zuerst, wenn es wieder erlaubt ist?

Stadion nein, obwohl ich Fußball gut finde. Dann lieber ein Freiluft-Konzert. Aber noch besser wäre eine Profi-Boxveranstaltung in der Umgebung.

Von Gerd Töbelmann

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