Kreis-Boss Andreas Henze über die Rückkehr des Fußballs

„Annullierung muss man im Blick haben“

Am liebsten würde Hobby-Schiedsrichter Andreas Henze die Fußball-Saison sofort wieder anpfeifen – aber der Kreis-Boss (hier auf der Sportanlage seines Heimatvereins TSV Bassum) und die Vereine müssen sich noch gedulden. Bis zum 16. April – so sieht jedenfalls der aktuelle Plan aus.
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Am liebsten würde Hobby-Schiedsrichter Andreas Henze die Fußball-Saison sofort wieder anpfeifen – aber der Kreis-Boss (hier auf der Sportanlage seines Heimatvereins TSV Bassum) und die Vereine müssen sich noch gedulden. Bis zum 16. April – so sieht jedenfalls der aktuelle Plan aus.

Bassum – Wann soll der Amateurfußball im Kreis wieder starten? Gibt es am Ende der Saison Auf- und Absteiger? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Andreas Henze, Vorsitzender des Fußball-Kreises Diepholz, im Interview mit der Kreiszeitung.

  • Kein Mannschaftstraining auf Kreisebene mit Corona-Tests geplant.
  • 14-tägige Vorbereitung für alle Vereine.
  • Annullierung und Abbruch als mögliches Szenario.

Seit 2014 ist Andreas Henze (51) Vorsitzender des Fußball-Kreises Diepholz. Eine solche Krise wie die aktuelle, hervorgerufen durch die Corona-Pandemie, hat auch der passionierte Schiedsrichter noch nicht erlebt. Immerhin gibt es nun konkrete Pläne, wann und wie die Saison im Kreis auf sportlichem Wege beendet werden kann (wir berichteten): Punktspielstart am 16. April, Saisonende erst am 21. Juli. Der Bassumer Henze, der in Goldenstedt als Groß- und Außenhandelskaufmann für einen Knopfhersteller arbeitet, erklärt im Interview den Diepholzer „Fahrplan“ und verrät, warum er skeptisch und optimistisch zugleich ist.

Die Kreise Verden und Nienburg planen erst am 25. April den Wiedereinstieg in den Spielbetrieb. Ist der Kreis Diepholz mutiger?

Es hat nichts mit Mut zu tun. Wir beobachten alle genau die Inzidenzzahlen. In Diepholz waren sie längere Zeit unter 50, Nienburg war ständig über 50 – nun ist es andersrum. Das zeigt, wie schwierig die Planungen sind. Es obliegt jedem Kreis, wann und wie er mit dem Spielbetrieb startet – und es entscheiden die Spielausschüsse, dazu sind sie auf dem außerordentlichen Verbandstag ermächtigt worden. Es sind eben die Experten mit jahrelanger Erfahrung im Spielbetrieb. Ich vertraue darauf, dass sie den bestmöglichen Weg finden.

Wenn der Stufenplan mit den Lockerungen wie geplant umgesetzt werden kann und sich die Inzidenzzahlen in Niedersachsen weiter zwischen 50 und 100 bewegen, ist Mannschaftstraining ab dem 28. März möglich – dann mit tagesaktuellem Test. Was halten Sie davon?

Auf Kreisebene möchten wir es den Vereinen auf keinen Fall zumuten. Mit Corona-Tests zu arbeiten, um unserem Hobby nachzugehen: Das widerspricht unserem Amateurfußball-Status.

Halten Sie die Tests denn oberhalb der Kreisebene für umsetzbar?

Es wird Bezirksligisten geben, die es organisiert bekommen. Aber ich glaube, dass es nicht für jeden Verein ohne Weiteres möglich ist. Es ist ja auch eine Kostenfrage. Und dann hätten wir schnell einen Wettbewerbsnachteil für diejenigen, die es nicht schaffen.

Sie planen – wie auf Verbandsebene – vor dem Re-Start 14 Tage Vorbereitungszeit im Teamtraining ein. Reicht das?

Es muss reichen. Wir haben auch im täglichen Leben überall Einschränkungen, dementsprechend auch im Sport. Es ist aktuell leider so, dass wir nicht so planen können, wie wir eigentlich wollen. Aber anders geht es eben momentan nicht.

In der Mitteilung Ihres Spielausschusses war lediglich von einer Absicht zu lesen – wann wird der „Fahrplan“ verbindlich?

Am 22. März ist die nächste Bund-Länder-Konferenz. Da sehen wir, wie sich die Zahlen entwickelt haben. Ich bin der Meinung, die Lockerungen generell nicht nur von den Inzidenzwerten abhängig zu machen. Vielleicht gibt es dann noch andere Faktoren, die berücksichtigt werden können, um in den Kontaktsport einzusteigen. Wir informieren die Vereine auf jeden Fall rechtzeitig.

Viele Experten warnen vor der dritten Coronawelle. Was glauben Sie: Sind die Planungen zu halten?

Ich möchte den Fußballern und Vereinen nicht die Hoffnung nehmen, bin aber in der Tat skeptisch – vor allem, wenn Lockerungen weiterhin nur an Inzidenzzahlen gekoppelt sind. Mittlerweile wird mehr getestet, dann finden sich wohl auch mehr Infektionen – und die Zahlen steigen.

Sollte alles über den Haufen geworfen werden müssen: Wie sieht dann Plan B aus?

Es kann passieren, dass bei uns für verschiedene Ebenen verschiedene Beendigungsszenarien angedacht werden. In den unteren Klassen könnte zum Beispiel eine Annullierung erfolgen oder ein Abbruch mit Quotientenregelung. Mit solchen Fragen beschäftigen wir uns aber erst intensiv, wenn der nächste Punkt erreicht ist.

Aber im Hinterkopf sind solche Szenarien bereits?

Natürlich. Es gibt auch bereits eine Deadline. Michael Steen (Spielausschussvorsitzender des Kreises Diepholz, d. Red.) sagte mir, dass auf der Konferenz mit den Kreisspielausschussvorsitzenden auf Verbandsebene folgendes beschlossen wurde: Wenn nach der ersten Maiwoche noch nicht gespielt wurde, ist eine sportliche Beendigung der Saison nicht mehr möglich. Dann müsste man sich etwas komplett anderes einfallen lassen: Aufstiegsturniere oder was auch immer.

Jürgen Stebani, der Verbandsspielausschussvorsitzende im Niedersächsischen Fußbalverband (NFV), hat kürzlich betont, dass es am Saisonende „auf jeden Fall Absteiger“ geben wird. Auch im Kreis Diepholz?

Ich muss gestehen, dass ich etwas irritiert war über diese Aussage. Man darf die Möglichkeit einer Annullierung der Saison auf keinen Fall außer Acht lassen, sondern muss sie im Blick haben – zumal denkbar ist, dass gar nicht mehr gespielt werden kann. Andere Verbände wie Hamburg haben ja schon abgebrochen – ohne Auf- und Absteiger. Und eine Wertung wird in manchen Fällen kaum möglich sein.

Welche meinen Sie?

Im Kreis Cloppenburg etwa sind erst ein bis zwei Spiele absolviert. Da kann man keine Endtabelle mit Quotientenregelung erstellen.

Eine Annullierung ist für jede Liga des Kreises Diepholz denkbar?

Insgesamt möchten wir möglichst in allen Klassen eine sportliche Wertung gewährleisten. Der Verband hat uns eindringlichst geraten, irgendwie eine Tabelle mit Auf- und Absteigern zu erstellen. Daran orientieren wir uns. Die Frage ist nur: Wie wichtig und sinnvoll ist es, besonders in den unteren Klassen, auf Biegen und Brechen Absteiger zu ermitteln? Je höher die Spielklasse, desto mehr ist man bestrebt, eine sportliche Entscheidung herbeizuführen. Das gilt auf Verbandsebene – und auch im Kreis. Es ist aber nicht völlig ausgeschlossen, dass auch unsere höchsten Ligen, Kreisliga und 1. Kreisklasse, von einer Annullierung betroffen sind.

Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren dürfen bereits seit dem 8. März wieder als Mannschaft trainieren. Wann startet dort der Spielbetrieb?

Am Montag tagt der Jugendspielausschuss – und ich möchte dem Vorsitzenden Stephan Meyer, was Details angeht, nicht vorgreifen. Was ich sagen kann: Es wird höchstwahrscheinlich erst nach Ostern sein, vermutlich die Woche ab dem 12. April. Das Wichtigste ist, dass die Kids wieder auf die Sportplätze dürfen. Wie sehr ihnen der Fußball fehlt, hat man an diversen Meldungen – auch in der Kreiszeitung – gesehen. Wenn sich irgendwo Jugendliche auf Bolzplätzen getroffen haben, um Fußball zu spielen, obwohl sie es noch gar nicht durften.

Sie haben im NFV-Kreis Diepholz nun seit ziemlich genau einem Jahr mit der Corona-Thematik zu tun. Ihr (Zwischen)Fazit?

Man wurde mit Aufgaben konfrontiert, mit denen man nicht gerechnet hatte. Und mit Fragen aus Vereinen. Ich bin für jede Frage dankbar – und wenn ich nicht sofort eine Antwort geben kann, kontaktiere ich die entsprechenden Stellen und versuche eine zu finden. Das ist unheimlich viel Arbeit. Manchmal denke ich mir: Ich mache das Ganze als Hobby und aus Spaß an der Freud. Doch nun beschäftige ich mich dermaßen viel mit Bürokratie – wichtig und auch notwendig, keine Frage. Aber man konnte nicht ahnen, dass es so intensiv wird. Es ist unsere Aufgabe, die Vereine durch diese lange Krise zu führen. Und dabei wollen wir verhindern, dass zu viele dem Fußball den Rücken kehren.

Wie groß ist diese Gefahr inzwischen?

Wenn nicht gespielt wird, gehen Spieler, Trainer und Funktionäre dem Fußball verloren. Und wer erst mal weg ist, der kommt so schnell nicht wieder. Dass die Mitgliederzahlen seit vielen Jahren rückläufig sind, ist bekannt. Durch Corona wird dieser Prozess beschleunigt –ich wäre schon zufrieden, wenn man ihn irgendwie aufhalten könnte. Wenn nun bald wieder mit dem Training begonnen würde, könnten wir gerade noch die Kurve bekommen.

Warum war Ihr siebtes Jahr im Amt Ihr schwierigstes?

Weil man wegen Corona nichts planen konnte. Eigentlich hätte das Jahr ein richtig schönes werden sollen. Etliche Vereine hatten ihr 100-jähriges Jubiläum – die Geschenke dafür habe ich noch bei mir zu Hause gelagert . . .

Trotz Ihrer bereits erwähnten Skepsis: Verspüren Sie auch ein wenig Zuversicht mit Blick auf die nahe Zukunft des Amateurfußballs?

Durchaus. Und sobald ich wieder Leute auf den Trainingsplätzen sehe, kann ich mir bestimmt besser vorstellen, dass die Saison sportlich zu Ende gebracht werden kann. Dieser Optimismus treibt uns immer an. Wenn wir den verloren hätten, könnten wir uns aufs Sofa setzen und warten, was die nächste Bund-Länder-Konferenz bringt. Aber das ist einfach nicht unser Ding.

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