Warten auf den Startschuss

Sprinterin Anna-Lena Freese will endlich loslegen

Anna-Lena Freese in Wanderkleidung auf dem Berg
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Ein „Beweisfoto“ – so nennt es Anna-Lena Freese selbst mit einem Schmunzeln. Die Leichtathletin hat sich ins Abenteuer Wander-Urlaub begeben.

Sie ist wieder gesund, und sie will wieder sprinten. In großen Wettkämpfen. Dazu müsste Anna-Lena Freese so hart trainieren, wie es eine Spitzenläuferin braucht. Aber das geht nicht. Denn sie darf den Stützpunkt in Hannover nicht betreten.

  • Eine unglückliche Erkrankung durchkreuzte Freeses Pläne.
  • Ihr Geduldsfaden wird kürzer.
  • Das große Ziel: Die Deutsche Meisterschaft im Juni.

Hannover – Anna-Lena Freese hatte im Oktober ordentlich zu kämpfen. Beim Wandern im Allgäu, „zu dem ich von meinem Partner überredet wurde“, musste sie Muskelkater aushalten, und währenddessen schoss ihr mehrfach der Gedanke in den Kopf, den sie zuvor schon so häufig hatte. „Ich habe mir eigentlich gesagt, ich werde nie wandern gehen“, erzählt die 26-Jährige lached. Muskelkater reicht aber nicht im Ansatz aus, um die Leichtathletin aus der Bahn zu werfen, im Gegenteil: Nach zuvor zwei langen Monaten mit gesundheitlichen Problemen geht es Freese endlich wieder richtig gut, und die Wander-Woche sei „am Ende doch ganz schön“ gewesen, auch wenn es „für mich jetzt nicht so die Erholung war“, gibt sie zu – und lacht wieder.

Im Mai schlug sich Freese mit einer Blasenentzündung rum und sprach dann noch schlecht auf das verabreichte Antibiotikum an – es war das Ende für ihre Hoffnungen auf die Deutsche Meisterschaft (DM) in Braunschweig Anfang August. „Ich hatte mich schon darauf gefreut“, blickt die Sprinterin vom FTSV Jahn Brinkum zurück, „aber es wäre eine komische DM geworden, weil ich wegen Corona zuvor anders trainiert habe als sonst.“ Darum „war es nicht mega schlimm“, nicht teilnehmen zu können, auch wenn „ich gerne ausgetestet hätte, wie es gelaufen wäre“.

Anna-Lena Freeses Körper sagte: Es reicht

Der Zeitpunkt der Erkrankung sei einfach „sehr unglücklich“ gewesen: „Es hätte in der ganzen Corona-Zeit kommen können, und dann passiert es ausgerechnet in der Hochphase, als ich dachte: Jetzt bin ich wirklich auf einem guten Stand.“ Freese vermutet: „Vielleicht war es auch ein Zeichen des Körpers, dass es von der Belastung her einfach reicht.“

Nun muss sich die Brinkumerin, die seit vielen Jahren in Hannover trainiert, wohnt und arbeitet, wieder auf ihren gewohnten Fitness-Stand bringen. Seit ein paar Wochen ist sie im Aufbau, „ich habe viel Aquajogging und Athletik gemacht, für die Rumpf- und Oberkörperkraft“, erzählt sie. „Allgemeine Grundlagen“ nennt ihr Trainer Björn Sterzel das Programm. Ende Oktober startete das „richtige“ Training – zumindest für wenige Tage. Denn der „Lockdown-Light“ betrifft auch Freese, die derzeit nicht in der Halle oder im Kraftraum trainieren kann. Der Stützpunkt ist lediglich für die Athleten aus dem Bundes- und Olympiakader weiter geöffnet. „So langsam ist man das Ganze ein bisschen leid“, seufzt Freese. Home-Workouts und Übungen am Maschsee – so lange das Wetter passt – seien zwar übergangsweise „ganz okay“, aber eben nichts, womit man sich vernünftig auf den Sommer vorbereiten könne.

Wir sind auf Bestleistung eingerichtet.

Trainer Björn Sterzel

Und genau darauf ist der Plan eigentlich ausgerichtet. Denn die Wettkämpfe sind früh terminiert, die DM in Braunschweig soll bereits am 5. und 6. Juni 2021 ausgetragen werden. „Ab Mai muss Anna schon Leistung bringen, da soll und will sie an ihre Bestleistungen anknüpfen. Darauf sind wir eingerichtet“, erklärt Sterzel.

Die Hallensaison spielt dementsprechend eine untergeordnete Rolle. „Wenn sie den Speed hat, wird sie im Februar aber auch in der Halle laufen“, meint Freeses Coach. Sie selbst sähe in Teilnahmen an den 60-Meter-Sprints, die sie drinnen ausschließlich läuft („Das geht ja auch mal zwischendurch“), ebenfalls durchaus Vorteile: „Ich bin eher ein Wettkampftyp und brauche ein paar, um in den Rhythmus zu kommen. Von daher denke ich schon, dass mir das helfen würde – aber wenn es nicht klappt, dann klappt es halt nicht.“

Warten auf das „Go“ aus der Politik

Ob in der Halle in der Pandemie-Zeit überhaupt Wettkämpfe ausgetragen werden können, ist ob der Corona-Situation allerdings ungewiss. Der Niedersächsische Leichtathletik-Verband hat die Hallen-Landesmeisterschaft für 2021 schon abgesagt.

Freese, die zumindest nicht von Kurzarbeit betroffen ist und vergangene Woche erste Erfahrungen mit dem Home Office gemacht hat, hofft logischerweise weiterhin auf positive Signale – um zumindest schon mal wieder richtig trainieren zu können. „Laut Landesverordnung fallen wir unter Hobbysport“, erklärt sie, „wir sitzen am kürzeren Hebel.“ Dabei waren im Stützpunkt zuvor bereits Maßnahmen getroffen worden: Maskenpflicht, Desinfektionsmittelspender, Listen. „Damit müsste es doch eigentlich relativ problemlos funktionieren“, meint Freese, die nun einfach weiter auf das „Go“ wartet – das beinahe stündlich kommen kann: „Solange muss ich mich wohl noch gedulden . . .“

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