Marc Jamieson hält im ersten Ligaspiel drei Punkte für TuS Sulingen fest

Die Angst des Tormanns

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Sulingens Torwart Marc Jamieson zeigte beim 1:0 gegen SV Ramlingen-Ehlershausen auf der Linie Wahnsinnsreflexe. Beim Rauslaufen sieht er noch Steigerungsbedarf: „Für die perfekte Strafraumbeherrschung fehlt mir noch etwas Spielpraxis.“ ·

Sulingen - Von Daniel WiechertEnglische Torhüter – traditionell schlecht. So lautet eine weitverbreitete, oft für bare Münze genommene Fußballweisheit. Beim 1:0 seines TuS Sulingen zum Landesligaauftakt gegen SV Ramlingen-Ehlershausen bewies Marc Jamieson das Gegenteil.

Patrick Richter nahm fünf Schritte Anlauf, doch Jamieson zeigte keine Regung, blieb wie angewurzelt stehen. Erst als Ramlingens Elfmeterschütze dem Ball den richtungsweisenden Stoß gab, hob Jamieson nach rechts ab und schnappte sich die Kugel.

Jamieson könnte sich die Inspiration für das lange Ausharren in Peter Handkes Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ geholt haben. Schließlich sagt die Hauptfigur Josef Bloch: „Nur dem Tormann, der sich völlig ruhig verhält, schießt der Schütze den Ball in die Hände.“

Auch der Buch-Titel passte am Sonntag in Jamiesons Gedankenwelt: „Als es den Elfmeter-Pfiff gab, dachte ich nur: Oh nein, hoffentlich ahnst du diesmal die richtige Ecke“, beschreibt der 25-Jährige. In der Vorbereitung hatte er keinen einzigen Elfer halten können. Doch als es drauf ankam, war er da. „Wie der Schütze sich vor dem Elfer hingestellt hatte, konnte er gar nicht in die andere Richtung schießen“, erklärt der Keeper sein Erfolgskonzept.

Als der 25-jährige Nienburger in der 86. Minute mit einem Fuß-Reflex den Schuss von Sergej Gingers über den Querbalken lenkte, war er vollends der Sulinger Matchwinner.

Dabei war es sein erster Pflichtspieleinsatz für Sulingen. Überhaupt fehlt dem Sohn einer Engländerin und eines Schotten die Spielpraxis zwischen den Pfosten. Aufgrund einer Leisten-Operation und des daraus resultierenden Trainingsrückstandes war Jamieson in der vergangenen Saison nur zweiter Keeper beim 1. FC Wunstorf. In der Saison 2011/2012 spielte er im Feld bei RW Estorf-Leeseringen. „Ein Kumpel aus Estorf hatte mich dazu überredet. Das war ein witziges Jahr, auch weil wir als Meister der 1. Kreisklasse aufgestiegen sind und ich als Rechtsaußen mitwirken durfte“, sagt der gebürtige Nienburger.

Und jetzt Jamiesons Raketen-Start in der Landesliga. Trotzdem kündigte TuS-Coach Walter Brinkmann nach der Partie an, weiter zwischen den Keepern Tim Bösche, David Schröder und eben Jamieson rotieren zu lassen. „Ich muss damit leben. Was der Trainer sagt, ist Gesetz. Ich habe aber ein Ausrufezeichen gesetzt und gezeigt: ‚Hier bin ich.‘ Ich kann nur versuchen, meine Leistung zu bestätigen, sodass der Trainer irgendwann nicht mehr an mir vorbeikommt.“

Lob bekommt der Nienburger auch von Co-Trainer Thorolf Meyer: „Obwohl er einige Wochen der Vorbereitung aufgrund seiner Afrika-Reise verpasst hatte, hat er sich gut eingebracht. Er ist ehrgeizig, richtig stark auf der Linie und seine Präsenz, seine Kommandos kommen gut an.“

Ob der 25-Jährige am kommenden Sonntag beim TSV Mühlenfeld auf den Platz stehen wird, bleibt fraglich. Aber die großen Ziele bleiben: „Durch die Jahre bei Wunstorf kenne ich die Liga ganz gut. Wir brauchen uns nicht zu verstecken und können uns unter die ersten Fünf reinschummeln“, hofft er.

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