Jan-Dirk Gießelmann gönnt Erfolgspferd Real Dancer mehr Pausen / Arbeitsabläufe kaum verändert

„Andere Sportarten sind schlimmer dran“

Im großen Sport beheimatet: Dieses Bild entstand vor gut einem Jahr und zeigt Jan-Dirk Gießelmann mit Real Dancer bei der Qualifikation zum Grand Prix Special im Rahmen des „Signal-Iduna-Cups“ in Dortmund. 
Foto: imago IMAGES / stefan lafrentz
+
Im großen Sport beheimatet: Dieses Bild entstand vor gut einem Jahr und zeigt Jan-Dirk Gießelmann mit Real Dancer bei der Qualifikation zum Grand Prix Special im Rahmen des „Signal-Iduna-Cups“ in Dortmund. Foto: imago IMAGES / stefan lafrentz

Barver – An der Wand hängen Turnierschleifen, viele Turnierschleifen – sowohl von nationalen als auch von internationalen Pferdesportveranstaltungen im In- und Ausland. Jan-Dirk Gießelmann vom RV Wagenfeld ist mit seinem Erfolgspferd Real Dancer in den vergangenen Jahren von Höhepunkt zu Höhepunkt geritten. In diesem Jahr hat den Dressurreiter aus Barver und seinen Vierbeiner das Coronavirus ausgebremst.

„Schleifen sammeln wird in diesem Jahr schwer“, sagt Gießelmann. „Uns geht es trotzdem gut“, ergänzt der 36-Jährige. Er wolle nicht klagen: „Andere Sportarten sind schlimmer dran.“ Wegen der Corona-Pandemie sind in Deutschland Großveranstaltungen bis Ende Oktober verboten. Das hat auch das Weltfest des Pferdesports, den CHIO Aachen vom 28. Mai bis 7. Juni, getroffen. Die DM in Balve, bei der Gießelmann zuletzt eine Top-Ten-Platzierung holte, ist in den September verschoben worden.

Das Training mit seinem Hannoveraner hat er etwas heruntergeschraubt. Obwohl Real Dancer ein Turniertyp sei und es genieße, im Mittelpunkt zu stehen, habe er den selbst ausgebildeten Rubin-Royal/De Niro-Sohn schon vor Corona nur gezielt eingesetzt. Das gelte ebenfalls für das Training, erzählt Gießelmann: „Ich übe mit ihm Aufgabenteile und kurze Lektionsfolgen.“ Er reite jedoch nie die ganze Aufgabe. Viele seien damit erfolgreich. „Ich habe das Gefühl, ich bringe dem Pferd bei, die Aufgabe auswendig zu machen“, erklärt der Pferdesportler.

An den Arbeitsabläufen auf dem Hof mit den Schwerpunkten Zucht, Aufzucht, Ausbildung und Verkauf hat sich fast nichts geändert. „Die Pferde müssen versorgt und bewegt werden. Es wird nur nicht so intensiv trainiert wie sonst“, meint Gießelmann. Bis zu zehn Pferde reitet der Pferdewirtschaftsmeister am Tag. Daneben sei er auf dem Hof wie die Familienmitglieder und Mitarbeiter mit allen möglichen Aufgaben befasst, dazu gehöre auch das Versorgen der Vierbeiner.

Mehr in den Vordergrund gerückt seien in den vergangenen Wochen die jungen Pferde. „Wir haben eigene Fohlen, kaufen aber immer auch welche dazu“, berichtet Gießelmann: „Die sieht man jetzt nicht, weil die Fohlenschauen fehlen.“

Sehen und gesehen werden – das gilt für Fohlenschauen wie für Turniere. Die Veranstaltungen seien eine wichtige Plattform, um Kontakte zu knüpfen. Die Verbände hätten ihre Verkaufsveranstaltungen ins Internet verlegt. Die Online-Auktionen seien ganz gut gelaufen. „Ich hätte stärkere Einschnitte erwartet“, gibt Gießelmann zu. Alles in allem sei jedoch eine positive Wirtschaftslage von Vorteil für den Pferdehandel. „Niemand ist auf das Pferd angewiesen“, verdeutlicht der Reiter und Ausbilder.

Nach den letzten Lockerungen nehmen Reitsport und Turniere langsam wieder Fahrt auf. „Es gibt wieder ein paar Turniere“, erklärt Gießelmann, „aber das hat nichts mit dem zu tun, was wir als Turnier kennen.“ Geritten werden die Aufgaben vor leeren Rängen. „Da sitzen Richter und geben Noten“, erzählt er: „Es darf ein Begleiter pro Reiter mitkommen, andere Personen haben keinen Zutritt.“ Es gebe keine Siegerehrungen. Keiner solle sich länger als nötig auf dem Turniergelände aufhalten.

„So ein Trainingsturnier braucht Real Dancer nicht“, sagt Gießelmann. Dennoch betont er: „Es ist super, dass sich Leute bemühen, den Turniersport wieder ans Laufen zu bringen.“ Der Dressurreiter sieht eine Berechtigung für derartige Veranstaltungen: „Sie sind wichtig für junge Pferde, damit diese Turnierroutine bekommen.“

Dass gerade die ländlichen Vereine zurückhaltend seien, was Veranstaltungen angehe, dafür hat er Verständnis: „Die Vorschriften will sich kein Verein ans Bein binden.“ Trotzdem seien die Absagen schade, findet Gießelmann: „Wir haben schöne regionale Veranstaltungen, auf denen man jedes Jahr nette Leute trifft und auf denen junge Pferde gute Erfahrungen sammeln können.“

„Online-Turniere wären nichts für mich“, betont der Reiter, meint aber auch: „Wenn es Leute gibt, die sich dafür begeistern können, ist das okay.“ Die Vergleichbarkeit sei ein Punkt, den er durchaus kritisch sehe. Damit steht er nicht allein da (siehe Infokasten). „Ich hoffe nicht, dass wir irgendwann einmal darauf angewiesen sind“, wünscht sich der Pferdesportler.

„Ich hätte in diesem Jahr gern noch einmal das Hamburger Dressurderby geritten“, gibt Gießelmann zu. Noch könne sein 16-jähriger Real Dancer im anspruchsvollen Sport mithalten. „Aber er wird nicht jünger. Das fehlende Jahr lässt sich nicht an seine Karriere dranhängen.“ Alle Reiter freuten sich darauf, wenn es wieder mit nationalen Turnieren losgehen würde. An internationale Wettkämpfe will der 36-Jährige noch gar nicht denken. „Das ist noch einmal eine ganz andere Nummer“, unterstreicht Gießelmann.

Von Sonja Rohlfing

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Bund und Länder ziehen die Corona-Notbremse

Bund und Länder ziehen die Corona-Notbremse

Was ein gesundes Frühstück ausmacht

Was ein gesundes Frühstück ausmacht

Ganz einfach: So gelingen Ihnen Maronen zu Hause im Backofen - Koch erklärt worauf es ankommt

Ganz einfach: So gelingen Ihnen Maronen zu Hause im Backofen - Koch erklärt worauf es ankommt

So gelingt die perfekte Buttercreme

So gelingt die perfekte Buttercreme

Meistgelesene Artikel

Torsten Klein von Bassum nach Vilsen

Torsten Klein von Bassum nach Vilsen

Torsten Klein von Bassum nach Vilsen
Das Ende des Handballjahres

Das Ende des Handballjahres

Das Ende des Handballjahres
„Es hätte gar nicht besser passen können“

„Es hätte gar nicht besser passen können“

„Es hätte gar nicht besser passen können“
Platz mit Löchern übersät: Riedel pfeift Spiel nicht an

Platz mit Löchern übersät: Riedel pfeift Spiel nicht an

Platz mit Löchern übersät: Riedel pfeift Spiel nicht an

Kommentare