38-jähriger Stuhrer Mario Lawendel hat sich nach einem Hörsturz den Darts verschrieben

Alte Leiden und neue Leidenschaft

Die neue Leidenschaft: In Lawendels Wohnung hängen zwei professionelle Dartscheiben.
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Die neue Leidenschaft: In Lawendels Wohnung hängen zwei professionelle Dartscheiben.

Das ist wirklich ein ungewöhnlicher Wechsel der Sportart: Den Stuhrer Mario Lawendel (38) kennt man eigentlich nur als erfolgreichen Triathleten oder Langstreckler beim LC Hansa Stuhr. Doch nach einem Hörsturz musste er diese Leidenschaft aufgeben und hat sich jetzt den Darts verschrieben.

Stuhr – Eine Parallele findet Mario Lawendel nach einigem Überlegen dann doch: „Beides sind Randsportarten, die gerade boomen.“ Damit meint der 38-jährige Stuhrer Triathlon und Darts. Beim Sport mit den Pfeilen ließ sich das am Montagabend trefflich im Londoner Ally Pally besichtigen, als das Finale der WM ausgetragen wurde. „Das haben meine Frau und ich mir natürlich im Fernsehen angeschaut. Als Zuschauer würde ich gern mal im kommenden Jahr live dabei sein“, sagt Lawendel, als wir ihn in seiner Wohnung in Stuhr besuchen.

Der Grund ist ein anderer: Warum liebt der Mann diesen Sport mittlerweile über alles, wo er seine größten Erfolge doch im Triathlon und in der Leichtathletik als Langstreckler gefeiert hat?

Es begann im November 2020. Eines Morgens wachte Lawendel, der als Betriebsleiter des Südbades in der Bremer Neustadt immerhin 39 Mitarbeiter geführt hat, auf und konnte auf dem rechten Ohr nichts mehr hören: „Das war, wie wenn einer den Stecker gezogen hätte.“

STECKBRIEF Mario Lawendel

Geburtstag: 6.9.1983

Wohnort: Stuhr

Beruf: Betriebsleiter bei der Bremer Bädergesellschaft

Vereine: FTSV Jahn Brinkum, LC Hansa Stuhr (Triathlon und Leichtathletik), TSV Heiligenrode (Darts)

Größte sportliche Erfolge: Platz 29 in der AK 35 beim Triathlon-Ironman in Roth 2019 mit einer Zeit von 9:19,37 Stunden. Zweiter beim Lübeck-Marathon 2019 in 2:49 Stunden.

Persönliches: Seit 14 Jahren verheiratet mit Claudia. Die Tochter Leya ist neun Jahre alt.

Zwei Tage später ging er zu einem HNO-Arzt, der einen intensiven Hörsturz diagnostizierte. Es folgte eine recht intensive Leidensgeschichte mit unbefriedigendem Ausgang. Zunächst nahm Lawendel 14 Tage lang Cortison ein. Keine Besserung. Es folgte der erste Krankenhaus-Aufenthalt mit intravenöser Cortisongabe in zehnfacher Dosis. Keine Besserung. Wenig später ging es erneut ins Spital. Diesmal für sieben Tage. Die Behandlung wirkte auf Außenstehende schon sehr rabiat. Lawendel beschreibt das so: „Sie haben mir jeden Tag das Trommelfell aufgeschnitten und das Cortison dann direkt reingespritzt. Angenehm geht anders.“

Der Erfolg blieb erneut aus. Das Ohr wurde mehr oder weniger medizinisch aufgegeben. Also sollte es ein Hörgerät richten. Lawendel probierte mehrere Modelle aus, doch auch diejenigen, die teilweise mehrere Tausend Euro kosteten, brachten nicht den gewünschten Erfolg. „Also trage ich momentan kein Hörgerät. Ich kann mich zwar mit Leuten unterhalten und verstehe sie auch gut. Schwierig wird es nur, wenn mehrere Geräuschquellen auf einmal verarbeitet werden müssen.“

Im Januar 2021 zog der Triathlet des LC Hansa Stuhr die Reißleine und gab seinen trainingsintensiven Sport („in der Woche bin ich so um die 100 Kilometer gelaufen“) auf, weil unter anderem das Radtraining in der Gruppe mit eingeschränktem Gehör nicht mehr möglich war.

Im Darts trennen mich von diesen Leuten Lichtjahre.

Mario Lawendel zeigt Ehrfurcht vor den Topstars des Sports.

Und so kam Darts ins Spiel. Bereits 2019 verfolgten er und seine Frau Claudia die WM in London gebannt vor dem Fernseher. Ein Jahr später besorgte sich Lawendel, rechtzeitig vor der WM, von einem Discounter die erste Scheibe fürs Wohnzimmer. Und es war um ihn geschehen: „Seitdem werfe ich jeden Tag mindestens eine Stunde lang Pfeile.“

Bis zum Einstieg in den Ligenbetrieb dauerte es aber noch etwas. Zunächst brachte ihm sein Nachbar Andreas Jelden erste Trainingsinhalte näher. Bei Tobias Riege, einem Cousin zweiten Grades, wurde es im März 2021 in dessen Traingshalle in Stelle dann intensiver. Lawendel erkannte, dass er mit vielen Spielern, die schon lange dabei waren, mehr als nur mithalten konnte.

„Das da bin ich.“ Das Foto zeigt Mario Lawendel beim Start des Mallorca-Ironmans im Jahre 2014.

Am 1. August 2021 der nächste Schritt: Lawendel, der als „Super Mario“ antritt, war einer der Gründungsmitglieder der Bravehearts Heiligenrode, einer Sparte im TSV. Das Team startet in der Bezirksliga, der untersten Klasse des Bremer Verbandes. Lawendels zuvor schon gezeigter Trainingseifer zahlte sich aus, denn der 39-Jährige führt die Einzel-Rangliste der knapp 100 gelisteten Spieler ohne Satzverlust an. Wegen Corona ruht der Spielbetrieb momentan. So hatte er genügend Zeit, am Montag das WM-Finale in London zu verfolgen. Sein Lieblingsspieler bei den Profis ist der Waliser Gerwyn Price, der allerdings im Halbfinale gescheitert war. Aber auch die Deutschen Florian Hempel und Gabriel Clemens findet er gut.

Und wie würde Lawendel den Abstand seiner eigenen Leistungen im Triathlon und Darts zu den Topstars beschreiben? „Im Darts trennen mich von diesen Leuten Lichtjahre. Da war ich im Triathlon näher dran.“

Doch so ganz lässt Lawendel die ehemalige Leidenschaft zur Ausdauer nicht los: „Es gibt viele Beispiele, dass man auch im höheren Alter nach einer längerer Pause wieder zurückkommen kann. Es kribbelt wieder . . .“

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