SERIE „UNVERGESSLICH“

Als Andreas Golombek im Pokal den Bayern-Titan Kahn überwand

Mit ihrer energischen Spielweise brachten die Magdeburger um Andreas Golombek (li.) die Münchner Stars um Thomas Strunz zu Fall.
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Mit ihrer energischen Spielweise brachten die Magdeburger um Andreas Golombek (li.) die Münchner Stars um Thomas Strunz zu Fall.

An dieses Spiel erinnert sich Andreas Golombek ganz besonders gern, denn im November 2000 trug der jetzige Trainer des Regionalligisten BSV Rehden als Spieler des SC Magdeburg maßgeblich zum Sieg im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München bei.

  • Magdeburger Stadion platzt im Pokal gegen Bayern aus allen Nähten.
  • SCM-Team genießt immer noch Kultstatus.
  • Rehdens jetziger Trainer Andreas Golombek erinnert sich gern.

Magdeburg/Rehden – Ungefähr beim 52. Schritt springt das Kopfkino an. „Es waren 26 000 Leute im Stadion; und gefühlt 24 000 davon hatten sich dann zum Elfmeterschießen hinter das Tor gedrängelt“, erinnert sich Andreas Golombek: „Da ging mir dann schon mächtig die Düse. Du möchtest ja nicht derjenige sein, der schuld ist, dass man ausscheidet.“ Nach knapp 60 Schritten ist er angekommen. Er legt den Ball auf den Punkt. Elf Meter weiter steht der Titan, knallorange-akzentuiertes Trikot. Oliver Kahn schaut gewohnt verbissen, mürrisch, starrer Blick auf den Schützen. Auf Golombek. „Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu viel nachzudenken. Wenn du damit anfängst, hast du normalerweise schon verloren.“ Die Lösung und Losung: „Du nimmst jetzt den Ball und knallst einfach drauf.“ Vier Schritte Anlauf, der Träger des orange-blauen Trikots springt mit wehender blonder Mähne nach rechts, der Ball schlägt unter der Latte, fast mittig, ein. „Mit Macht, mit Mut, mit Selbstbewusstsein – voll hinein ins Magdeburger Lebensglück“, ruft der ARD-Kommentator ins Mikrofon. Golombek dreht sich weg vom Tor, treibt das ohnehin schon euphorisierte Publikum mit energischen Armbewegungen in die komplette Ekstase.

Wenige Minuten später trifft auch Golombeks Teamkollege Dirk Hannemann. Das Wunder ist vollbracht. Der Oberligist 1. FC Magdeburg hat den amtierenden Meister FC Bayern aus dem DFB-Pokal gekegelt. Mit 5:3 nach Elfmeterschießen. Giovane Elber und Jens Jeremies hatten im Shootout gepatzt.

Golombek: „Erinnerungen werden immer aufgefrischt“

Es war im November 2000. Und jener Moment, jener Mittwochabend ist noch regelmäßig präsent in Golombeks Gedächtnis. „Die Erinnerungen werden immer wieder aufgefrischt“, sagt der derzeitige Trainer des Regionalligsten BSV Rehden: „Eigentlich jedes Jahr beim DFB-Pokal, wenn kleinere Mannschaften gewinnen, werden wir wieder auf 2000 angesprochen.“

Die 2000er-Mannschaft genießt Kultstatus in Magdeburg. Da war ja nicht nur dieser November-Abend. Golombeks Team schrieb zum Beginn des Jahrtausends noch andere Geschichten, in denen der sportliche David den Goliath auf die Bretter schickte. Vor dem Bayern-Coup hatte der Oberligist bereits den 1. FC Köln mit 5:2 geschlagen, im Achtelfinale hieß es 5:3 nach Verlängerung für Magdeburg gegen den Karlsruher SC. Endstation war erst im Viertelfinale beim 0:1 gegen den FC Schalke. „Ich bin stolz auf diese Geschichten von damals“, betonte Golombek mal in einem Interview mit „dfb.de“: „Wenn ich heute noch manchmal in Magdeburg zu Gast bin, werde ich mit offenen Armen empfangen. Dort sind wir immer noch kleine Helden. Die Leute haben nicht vergessen, was damals los war.“

Trost für den Welttorhüter Oliver Kahn: Am 1. November 2000 stahl Magdeburgs Keeper Miroslav Dreszer dem Münchner die Show.

Der Kulminationspunkt dieser Heldensaga war sicherlich jener nasskalte November-Abend im Ernst-Grube-Stadion. „Die Leute haben vorher ja gesagt, wenn wir nicht zu hoch verlieren, ist doch alles gut“, erinnert sich Golombek an die Erwartungshaltung vor dem Zweitrundenspiel: „Aber wir in der Kabine haben gesagt: Es ist nur ein Spiel, nur 90 oder 120 Minuten. Warum sollen wir nicht ein bisschen Glück haben? Das brauchst du eben auch gegen solche Mannschaften.“

Außenseiter Magdeburg mit Kontern gefährlich

Es entwickelte sich von Beginn an ein klassischer Pokal-Fight. Der FC Bayern, zuvor dreimal in Serie im Pokalfinale, hatte Probleme, gegen die aggressiv und mutig agierenden Gastgeber seine PS aufs Feld zu bekommen. Der Außenseiter, trainiert durch Eberhard Vogel, suchte sein Glück immer wieder bei Kontern. So auch in der 23. Minute, als der Senegalese Adolphus Ofodile dem Schweizer Ciriaco Sforza davonlief, mit seinem Weitschuss aber scheiterte. „Wir waren wirklich gleichwertig in dem Spiel. Wir haben uns nicht versteckt, hatten auch Torchancen“, sagt der 52-jährige Golombek. In der 66. Minute war es dann erneut Ofodile, der einen Schuss von Armando Zani unhaltbar für Kahn zum 1:0 abfälschte. Die Münchner Bestie war geweckt. Hasan Salihamidzic stellte per Drehschuss aus zwölf Metern auf 1:1 (79.).

„Nach dem Ausgleich haben wir schon gedacht: ,Oh, jetzt machen die noch eins.‘ Aber wir waren fit“, sagt Golombek. Und so retteten sich die Magdeburger erst in die Verlängerung, dann ins Elfmeterschießen. „Und das Ende war natürlich wahnsinnig, eigentlich unerklärbar, einfach sensationell.“

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