TRAINER-ABSCHIEDE Lutz Schröder möchte Okel aber weiterhin die Treue halten

„Alles hat seine Zeit“

Gehören einfach zusammen: Lutz Schröder und sein Campingstuhl.
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Gehören einfach zusammen: Lutz Schröder und sein Campingstuhl.

Okel – Im beschaulichen Okel geht etwas ganz Besonderes zu Ende. Drei Jahre lang trainierte Lutz Schröder dort die Herrenmannschaft, schaffte gleich in seiner Premierensaison den Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga – der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Höher hatte der Club zuvor noch nie gespielt. Es ist sein Verdienst, sein Vermächtnis. Doch jetzt ist endgültig Schluss beim ambitionierten Dorfverein.

Eigentlich wollte Schröder schon zum Ende der Saison 2019/20 in Okel aufhören, ließ sich aber von der Vereinsführung noch einmal überzeugen und hängte eine weitere Spielzeit dran. Doch jetzt ist endgültig Schluss. Auch wenn er das Traineramt mittlerweile an seinen Nachfolger Cord Clausen abgegeben hat und es schon Anfragen von anderen Vereinen gab, will Schröder den Okelern weitern verbunden bleiben.

Wie schwer fällt es Ihnen, von Ihrer Mannschaft wegzugehen?

Schon schwer. Es haben sich ja persönliche Beziehungen entwickelt. Aber alles hat seine Zeit. Nach zwei, drei Jahren ist meistens der Punkt gekommen zu gehen. Ich glaube, der Zeitpunkt in Okel aufzuhören, ist jetzt genau der richtige. Aber es ist ja nicht so, dass ich aus der Welt bin. Ich unterstütze den TSV Okel weiterhin – in welcher Funktion auch immer. Der Verein sucht momentan noch die richtige Aufgabe für mich.

Wie hätte Ihr perfekter Abschied ausgesehen?

Der perfekte Abschied wäre gewesen, wenn wir auf sportlichem Weg hätten zeigen können, dass wir in die Bezirksliga gehören. Das ist aufgrund von Corona in den vergangenen zwei Jahren leider nicht möglich gewesen. Das ist für die Mannschaft und mich sehr schade.

Und wie ist die aktuelle Situation stattdessen?

Ich stelle meine persönlichen Belange nicht in den Vordergrund. Für mich ist nur schade, dass die Mannschaft es nicht beweisen konnte. Eigentlich wollte ich ja schon vor der Saison 2020/21 meine Trainertätigkeit beim TSV Okel nicht mehr fortsetzen. Ich habe mich dann aber breit erklärt weiterzumachen. Die Hoffnung war natürlich, dass wir es sportlich schaffen. Das ist uns aber leider verwehrt geblieben.

Wann und wie wird eine Feier im Mannschaftskreis nachgeholt?

Sobald es die Möglichkeiten zulassen, werde ich mich von der Mannschaft verabschieden. Aber auch die Spieler, die Okel jetzt verlassen, sollen die Möglichkeit dazu bekommen. Genauso wie die Spieler der Vorsaison, wie zum Beispiel ein Manic Alms oder ein Marvin Zwiebler. Auch sie hatten aufgrund der Pandemie noch keine Gelegenheit dazu. Ob es uns eventuell gelingt, eine Traditions-Elf von Werder Bremen als sportliches Highlight zu gewinnen, müssen wir mal sehen. Aber wir sind uns bewusst, dass wir für die scheidenden Spieler etwas Besonderes machen wollen. Was sich der Verein jedoch für mich überlegt, weiß ich natürlich nicht. Da lasse ich mich mal überraschen.

Was geben Sie zum Ausstand aus?

Wir werden sicherlich in meinem Garten eine zünftige Fete machen. Ich bin zwar selbst nicht das größte Feierbiest, aber das bin ich den Jungs schuldig.

Wie fühlt es sich an, die Mannschaft sozusagen ganz leise und durch die Hintertür verlassen zu haben?

Schlecht. Ich scheide ja nicht im Streit aus, sondern ich habe hier eine tolle Zeit erlebt. Und deswegen will ich nicht still und heimlich durch die Hintertür abhauen, sondern stehe dem Verein weiter zur Verfügung.

Wie ist aktuell der Kontakt zur Mannschaft? Wird noch irgendwie trainiert?

Seitdem bekannt ist, dass die Saison nicht fortgesetzt wird, haben wir das Training ausgesetzt. Davor hatten wir eine Art Onlinetraining, mit vielen Videokonferenzen. Das war schon ein Krampf. Wir spielen ja nicht Fußball, um vor irgendeiner Kamera zu sitzen, sondern wir wollen auf den Platz, wollen uns duellieren. Deswegen haben wir gesagt, ein Training macht keinen Sinn mehr.

Wie sieht Ihre Zukunft ohne Trainerjob aus? Sind Sie offen für Neues, machen Sie eine Pause oder hören Sie vielleicht sogar ganz auf?

Ganz aufgeben wird es bei mir nicht geben. Außerdem bleibe ich dem TSV Okel weiterhin verbunden. In welcher Funktion, das muss sich noch zeigen. Ich hatte auch Anfragen von anderen Vereinen, die mich gerne als Trainer für ihre Herrenmannschaft verpflichten wollten. Aber ich habe beschlossen, dass ich erst mal meine B-Lizenz angehen möchte. Das schiebe ich schon seit 30 Jahren vor mir her. Für die kommenden zwölf Monate bin ich erst mal damit beschäftigt.

Wie vertreiben oder versüßen Sie sich die fußballlose Zeit?

Eine fußballlose Zeit gibt es für mich nicht. Zurzeit bastel ich an Trainingskonzepten, habe an Onlinekongressen teilgenommen und trainiere die Sudweyher E-Junioren zweimal wöchentlich. Ein leben ohne Fußball kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Kult bei Heimspielen: Lutz Schröder und sein Campingstuhl. Kaum ein anderer Bezirksliga-Trainer verfolgte die Spiele seiner Mannschaft so entspannt wie der scheidende Okeler Coach.
„Kugelblitz“ trifft Dorfverein: Ex-Kultprofi Ailton (Mitte, kniend) auf Stippvisite in Okel. Für das letzte Training der Saison hatten sich der damalige Kreisligist und Lutz Schröder einen ganz besonderen Gast eingeladen.

Mein schönster Moment: Der Aufstieg in die Bezirksliga

„Es gibt so viele schöne Momente, die ich mit dem TSV Okel erleben durfte. Einer davon ist natürlich der Tag, an dem wir in die Bezirksliga aufgestiegen sind. Am letzten Spieltag der Kreisliga haben wir die TSG Osterholz-Gödestorf im Heimspiel mit 4:1 geschlagen. Mir ist noch die beeindruckende Zuschauerkulisse in Erinnerung. Zudem hatten wir ein super Wetter. Und an die Aufstiegsfeier habe ich selbstverständlich auch noch gut vor Augen. Aber auch einen Spieltag zuvor beim TuS St. Hülfe-Heede, als wir kurz vor dem Abpfiff noch den 3:2-Siegtreffer erzielt haben und damit die Chance des Aufstiegs gewahrt haben, bleibt mir in Erinnerung. Oder als wir im Heimspiel gegen unseren Aufstiegskonkurrenten TSV Weyhe-Lahausen nach einem 2:4 noch in der Schlussminute mit 5:4 gewonnen haben. Gerade in der Aufstiegssaison waren unheimlich viele schöne Momente dabei.“

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