Anna-Lena Freese schuftet unter erschwerten Bedingungen für den Tag X

Alles eine Frage der Improvisation

Back on track: Anna-Lena Freese darf seit knapp einer Woche endlich wieder auf die Tartanbahn.

Hannover/Brinkum - Von Daniel Wiechert. Anna-Lena Freese liegt bäuchlings auf der roten Tartanbahn, den Kopf auf die verschränkten Arme gestützt, der Blick gedankenverloren; er strahlt Sehnsucht aus. Passenderweise ist das Foto mit dem Hashtag „alreadymissit“ („Ich vermisse es bereits“) garniert. Sie lud es am 4. April im Sozialen Netzwerk Instagram hoch. Damals war sie drei Wochen weg von der Bahn. Es sollte fünf weitere Wochen dauern, ehe die Sprinterin des FTSV Jahn Brinkum wieder zwischen den weißen Linien Gas geben durfte. Und dann das. „Ich habe festgestellt, dass die Bahn doch sehr, sehr weich ist“, erzählt Freese mit einem Schmunzeln. Durch die wochenlangen Einheiten auf Asphalt oder staubtrockenem Naturboden muss sich das Gefühl für die Kunststoffbahn erst mal wieder einstellen.

Dafür bleibt Zeit; höchstwahrscheinlich sogar sehr viel. Eigentlich stünde am Wochenende die Kurpfalz-Gala in Weinheim an, traditionell so etwas wie Freeses erster Härtetest zu Saisonbeginn. Natürlich ist die Gala aufgrund der Corona-Krise längst abgesagt. „Wann es mit Wettkämpfen losgeht, steht noch in den Sternen“, sagt Freese, die seit Jahren in Hannover wohnt. Diese Situation sei nicht einfach, wie ihr Trainer Björn Sterzel betont: „Gerade als Sportler arbeitest du ja normalerweise auf den Tag X hin.“ Freese gibt zu, dass diese Ungewissheit an ihr nagt, betont aber auch: „Ich denke, dass das für alle im Moment schwierig ist; egal ob Sportlerin oder keine Sportlerin.“ Die 26-Jährige geht es nüchtern an, professionell. Motivationsprobleme habe es nicht gegeben: „Es war für mich keine Option zu sagen, ich mache jetzt erst mal Urlaub.“ Wenn der Tag X anbricht, will sie da sein.

Dafür wurde zuletzt am Ufer des Maschsees statt auf der Bahn des Sportparks geschuftet. Im Gegensatz zu Stabhochspringerinnen oder Diskuswerferinnen, die auf Sportanlagen angewiesen sind, haben Sprinterinen zumindest die Möglichkeit zu improvisieren. Mehr als Stückwerk war aber nicht drin. „Der Belag ist natürlich ganz anders, da kannst du die Geschwindigkeiten einfach nicht realisieren“, sagt der Trainer zu den Bedingungen abseits der Tartanbahn.

Und es kam noch ein Problem hinzu. Da Freese aktuell nicht zum Bundeskader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes gehört, erhielt sie auch keinen Zutritt zu den Krafträumen am Olympiastützpunkt in Hannover. „Wir haben natürlich trotzdem versucht, das bestmögliche Fitnesslevel zu halten“, sagt Sterzel. Vieles habe über Eigengewichtsübungen funktioniert, erläutert Freese: „Aber irgendwann müssen jetzt auch mal wieder die härteren Geschütze aufgefahren werden.“ Die deutsche Vizemeisterin von 2015 (200 Meter) strotzt vor Tatendrang; das bestätigt auch ihr Trainer: „Anna-Lena ist die Sache mit einer sehr hohen Eigenmotivation angegangen, sie hat ihr Training diszipliniert abgerissen. Diese Eigenständigkeit hat mich begeistert.“ Einen geordneten Rahmen gab ihr dabei auch ihr Fulltime-Job als Industriekauffrau: „Natürlich hat man immer gemerkt und gespürt, dass diese Corona-Geschichte da ist. Aber durch die tägliche Arbeit und das Training war bei mir eigentlich immer weiterhin der normale Tagesablauf gegeben.“

Von Normalität wird in der Saison 2020 allerdings wenig zu spüren sein. Ob kleine Meetings oder große Meisterschaften – wenn überhaupt, wird alles wohl nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit klappen. „Fans und Zuschauer gehören einfach zum Sport dazu“, betont Freese: „Daher wird es bestimmt komisch sein, wenn sie nicht dabei sind. Aber ich glaube auch, dass wir derzeit einfach froh sein müssen, wenn überhaupt wieder ein Wettkampf stattfindet.“

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