Fußballer zurück im Einzeltraining / Wettbewerbsnachteile und Verunsicherung

Allein schwitzen und abwarten

„Aufregen bringt nichts“, sagt Nils Dähne, Trainer der Sudweyher A-Junioren. Er glaubt nicht, dass sein Landesligist in diesem Jahr noch spielt.
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„Aufregen bringt nichts“, sagt Nils Dähne, Trainer der Sudweyher A-Junioren. Er glaubt nicht, dass sein Landesligist in diesem Jahr noch spielt.

Syke – Stille Tage im November: Überall im Land ruht der Amateurfußball wegen Corona. Überall? Nein! Ein Regionalliga-Konkurrent des BSV Rehden trainiert weiter. Zumindest in weiten Teilen ist der Amateursport aber aktuell lahmgelegt. Was machen die Aktiven nun? Legen sie sich auf die faule Haut oder halten sie sich in Eigenverantwortung fit, bis es irgendwann wieder losgeht? Wir haben uns bei den Fußballern umgehört.

Beim BSV Rehden „scheucht“ Fitnesscoach Michele Lapenna die Spieler in Videokonferenzen (wir berichteten), doch Regionalliga-Gefährte Werder Bremen II darf weiter seine Mannschaftstrainings auf dem Platz abhalten. Möglich macht’s die Ausnahmegenehmigung des Bremer Gesundheitsamts. Die Behörde folgte Werders Argumentation, dass diese U 23 aus Berufsfußballern bestehe – und erlaubte das Training als Form der Berufsausübung. Die Regionalliga Nord wiederum gilt als Amateurliga und unterliegt damit dem von Bund und Ländern verhängten Sportverbot. „In unseren Augen ist das ein klarer Wettbewerbsnachteil“, kritisiert Rehdens Sportvorstand Michael Weinberg, der nun Nachahmer aus den anderen Nachwuchsleistungszentren der Südstaffel befürchtet – beim VfL Wolfsburg II und Hannover 96 II. „Aber das können wir nicht verhindern“, ahnt Weinberg: „Es könnte im Profiteam ja auch eine zweite Trainingsgruppe aufgemacht werden – mit den 13 bis 15 Besten aus der U 23.“

Zur guten Stimmung im Rehdener Team trage dies nicht gerade bei, schildert der Sportchef: „Im Oktober hatten die Jungs nur drei Tage frei und haben ansonsten immer aufeinander gehangen, waren dabei aber sehr erfolgreich“, erinnert er an die fünf Punktspiel-Siege hintereinander. Jetzt herrsche hingegen „große Unsicherheit, wie es weitergeht“. Beim ersten Lockdown im März „war die alte Saison schon auf der Zielgeraden und gedanklich eh abgehakt. Jetzt waren wir gerade gut drin. Aber wir wollen daran anknüpfen, sobald wir wieder können – mit allem, was wir haben“, verspricht Weinberg.

Vorher öffnet sich jedoch womöglich noch das neue Transferfenster – ab 1. Januar. Weinberg vermutet, dass dann höherklassige Clubs beim einen oder anderen Rehdener Akteur anklopfen: „Zuletzt hat man einige Scouts bei unseren Heimspielen gesehen – aus der Dritten Liga, aber auch aus den Niederlanden.“ Profivereine könnten den Noch-Amateursportlern natürlich planbarere Perspektiven bieten – in diesen unsicheren Corona-Zeiten Gold wert.

Wettbewerbsnachteil beim BSV Rehden, entgangener Vorteil beim TuS Sulingen: Sein Kunstrasenplatz bescherte dem Landesligisten in den vorigen Wintern stets konstante Übungseinheiten und gute Testspielgegner, die von selbst im Sportpark anklopften. „Das war immer positiv für uns“, verdeutlicht TuS-Trainer Thorolf Meyer. Theoretisch dürfte der Platz auch jetzt noch genutzt werden – „aber maximal zu zweit und kontaktlos“, gibt „Toto“ zu bedenken. Wer wolle, könne also mit Keeper und Schütze stundenlang Torschüsse üben, „aber in der Praxis bringt das nichts“, weiß der frühere Stürmer.

Stattdessen hat er mit seinem Trainerkollegen Manuel Meyer Pläne für Einzeltrainings erstellt. Drei pro Woche mit einer Dauer von jeweils 90 Minuten. Darin finden sich neben Dauer- und Intervall-Läufen auch Kräftigungsübungen für den ganzen Körper, „die wir sonst auch schon machen“, berichtet Thorolf Meyer. Als Beispiele nennt er die guten, alten Liegestützen und Sit-Ups. „Es ist wichtig, die Jungs vor dem Kaltstart zu bewahren, falls wir im Dezember doch noch wieder spielen dürfen“, sagt Meyer optimistisch. Allerdings weiß er um die damit verbundenen Verletzungsgefahren ohne Mannschaftstraining: „Eine bis zwei Wochen bräuchten wir schon noch Teamtraining, um gewappnet zu sein.“

Mike Gabel, Trainer des Bremen-Liga-Spitzenreiters Brinkumer SV, setzt während der Zwangspause vor allem auf Laufeinheiten: „Mal mindestens zehn Kilometer, mal eine Stunde. Das ist an einigen Tagen der Woche das Pensum. Quasi zur Kontrolle müssen die Spieler ihre einzelnen Strecken der Gruppe digital zur Verfügung stellen.“ Als großer Optimist hofft der 38-Jährige, dass im Dezember vielleicht noch Punktspiele über die Bühne gehen.

Im Jugendbereich könnte es vielleicht noch schwerer sein als bei den Erwachsenen, die Sportler bei Laune zu halten. „Schade, dass jetzt Pause ist. Wir waren zuletzt echt gut drauf, aber natürlich muss man sich den Regeln beugen“, meint Thomas Sandmann, der Trainer des B-Junioren-Landesligisten JFV Rehden. Der 47-Jährige ist sich sicher, dass alle seine Akteure zur Stange halten: „Da appelliere ich an die Eigenverantwortung der Jungs – und das wird klappen. Sie bekommen Trainingspläne an die Hand und sollen sich selbstständig fit halten. Bisher hat keiner gesagt, dass er keinen Bock mehr hat.“ Noch ist nicht klar, wann wieder der Ball rollt. Die beiden bisher ausgefallenen Partien werden ab Mitte März (also unmittelbar vor dem geplanten Start der Rückserie) nachgeholt.

Ganz vorn in der Liga spielt Trainer Jahn Lehmkuhl mit den B-Junioren des TuS Sudweyhe mit. Der 30-Jährige hat etwas speziellere Pläne an seine Spieler verschickt: „In den kommenden beiden Wochen sollen sie an fünf Tagen jeweils eigenständig sieben Kilometer laufen. Danach gibt es bezüglich Lauf- und Kraftübungen neue Pläne. Auch bei mir hat sich noch keiner gemeldet, dass er keine Lust mehr hat.“

Über die zuletzt gehäuften Infektionsmeldungen bei Fußballern sagt Lehmkuhl, der an der „Quelle“ beim Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz arbeitet: „Wir haben festgestellt, dass die Infektionen im Sport eher gering sind. Da passiert im privaten Bereich und auf der Arbeit schon mehr.“

Ganz pragmatisch geht Nils Dähne, Trainer des A-Junioren-Landesligisten TuS Sudweyhe, mit der Situation um: „Aufregen bringt nichts. Wir sitzen doch alle im selben Boot. In diesem Jahr werden wir sicherlich nicht mehr spielen. Die Jungs kriegen einen Plan an die Hand, damit sie in Bewegung bleiben.“

Relativ entspannt, was zumindest die Beendigung der Liga anbelangt, gibt sich Thorsten Wirth (55), Teammanager des C-Junioren-Regionalligisten JFV Weyhe-Stuhr: „Da wir ohnehin nur die Hinrunde spielen, haben wir noch genügend Termine, um alle Spiele zu machen. Im Dezember sind schon zwei Spiele angesetzt, und im Januar sollen dann Nachholspiele folgen. Unsere Spieler sind momentan sehr motiviert, dass sie immerhin allein trainieren und raus können. Schließlich mussten sie doch erst kürzlich zwei Wochen in Quarantäne verbringen.“

Die Bezirksliga-Frauen des SV Heiligenfelde haben ihren Trainingsbetrieb erst einmal auf Eis gelegt. „Das wird schon in der kommenden Woche anders. Ich gebe zwar keine detaillierten Pläne vor, aber die Mädels sollen sich individuell fit halten. Da habe ich auch großes Vertrauen, dass da nicht geschludert wird“, meinte SVH-Coach Frank Janshen. Der 36-Jährige ist auch fest davon überzeugt, dass die Liga zu Ende gespielt werden wird: „Das ist nicht so das große Problem, denn wir haben nur sieben Mannschaften in unserer Staffel.“

Von Cord Krüger Und Gerd Töbelmann

Entspannt: Frank Janshen als Coach der Heiligenfelder Bezirksliga-Frauen glaubt an ein planmäßiges Ende der Saison für seine Siebener-Staffel.

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