Arzt Manfred Görms weist auf Risiken hin

Fußball in der Hitze: „Alle Spiele absagen!“

Die Wasserdusche ist zwar sehr erfrischend – aber nur für einen kurzen Moment. Allgemeinmediziner Manfred Görms rät dazu, Fußballspiele bei einer derartigen Hitze abzusagen. - Foto: imago
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Die Wasserdusche ist zwar sehr erfrischend – aber nur für einen kurzen Moment. Allgemeinmediziner Manfred Görms rät dazu, Fußballspiele bei einer derartigen Hitze abzusagen.

Syke - Von Gerd Töbelmann. Im Schatten 36 Grad, in der Sonne weit über 40 – der Sommer schlägt momentan gnadenlos zu. Freibäder, Eiscafes oder Sommergärten platzen aus allen Nähten. Aber was ist mit den Sportlern, die in diesen Tagen ihre Wettkämpfe bestreiten müssen? Am Wochenende steht bei den Fußballern der erste Spieltag in der Regionalliga und die erste Runde im Bezirkspokal an. Der Kirchweyher Allgemeinmediziner Manfred Görms hat dazu eine klare Meinung: „Eigentlich müssten alle Spiele abgesagt werden.“

Der Mediziner weist darauf hin, „dass bei einer solchen Hitzewelle eine erhöhte Gefahr besteht, dass man einen Hitzeschlag, einen Kreislaufkollaps oder sogar einen Hirnschlag erleidet. Und da reicht es nicht, wenn die Mannschaften mal eine kleine Extrapause pro Halbzeit einlegen, um sich zu erfrischen. Dadurch wird der Elektrolythaushalt keineswegs wieder in Ordnung gebracht.“ So rät Görms allen Sportlern, „ihre Aktivitäten in den frühen Morgen zwischen 4.00 und 7.00 Uhr zu legen. Wenn ich am Mittag oder Nachmittag mal unterwegs bin, halte ich bei Leuten, die in der Hitze joggen, schon mal an und weise sie auf die Gefahren hin. Ich habe auch immer Wasser dabei, um bei drohender Dehydrierung zu helfen.“

Etwas differenzierter sieht es Professor Dr. Tim Meyer. Der Sportmediziner der deutschen Nationalmannschaft meinte zum Internetportal „fussball.de“: „Das A und O ist die Flüssigkeitszufuhr, also trinken, trinken, trinken.“

„Bisher keine einzige Partie verlegt“

Zwischen 4.00 und 7.00 Uhr, wie es Görms empfiehlt, wird es allerdings schwer werden, Fußball-Teams an den Start zu bekommen. Aber es gibt ja auch die Möglichkeit der Verlegung. Thorsten Schuschel, im NFV-Bezirk Hannover unter anderem für den Bezirkspokal zuständig, meinte gestern auf Nachfrage: „Alle Vereine können problemlos in die Abendstunden oder sogar auf einen späteres Datum verlegen. Die erste Runde muss erst am 1. August beendet sein. Aber bislang wurde keine einzige Partie verlegt. Auch am vergangenen Wochenende, als es schon heiß war, gingen die meisten Spiele bei hohen Temperaturen über die Bühne.“

Beim SV Werder Bremen wird auch weiterhin um 10.00 und um 16.00 Uhr trainert. Mehr als die vermehrte Flüssigkeitszufuhr gönnt der Bundesligist seinen Spielern nicht. Die Vorbereitung auf die kommende Saison soll durchgezogen werden, Trainer Florian Kohfeldt streut auch zum Ende der Einheiten anstrengende Intervall-Läufe ein.

Wie wichtig die Wasserzufuhr ist, zeigte das Beispiel des Leverkuseners Karim Bellarabi: Der 28 Jahre alte Nationalspieler erlitt am Dienstag nach einem Testspiel in Wuppertal einen Kreislaufkollaps und musste die Nacht im Krankenhaus verbringen. „Als Ursache stellten die Ärzte nach umfangreichen Tests und Untersuchungen die hohe körperliche Belastung bei extremer Hitze von deutlich über 30 Grad Celsius fest“, teilte der Club mit.

Eine Berieselung muss reichen: Werder-Coach Florian Kohfeldt (links, hier mit Max Kruse) trainiert zu normalen Zeiten. Foto: dpa

Als Reaktion auf die Hitze verlegte Bayer-Trainer Heiko Herrlich die morgige Nachmittagseinheit auf 9.30 Uhr morgens. Auch Schalkes Trainer Domenico Tedesco verschob das gestrige Training auf 10 Uhr.

Wir haben uns auch einmal bei Fußball-Trainern im Kreis umgehört, die am Wochenende im Punkt- oder Pokaleinsatz sind. Der BSV Rehden hat mit Blick auf sein morgiges Regionalliga-Heimspiel um 14.00 Uhr gegen Eintracht Norderstedt sein Training reduziert. „Ursprünglich wollte ich am Dienstag noch einen Lauftest machen, um nach zwei freien Tagen den Puls wieder hochzufahren“, gibt Chefcoach Benedettto Muzzicato zu. Doch sein Co-Trainer Sven Apostel überzeugte ihn vom Gegenteil: „Also haben wir die Einheiten gedrosselt.“ Zudem versucht das Trainerteam, Einfluss auf die Ernährung zu nehmen: „Wir haben den Jungs gesagt, dass sie ab Mittwoch solche Dinge wie Burger lieber weglassen sollten – und ausreichend trinken müssen. Es bringt nichts, sich am Spieltag mit Wasser vollzuschütten. Der Körper kann nur maximal 900 Milliliter Wasser pro Stunde aufnehmen. Da muss man schon Tage vorher genug Flüssigkeit zufügen.“ Zudem appellierte Athletiktrainer Michele Lapenna an die Spieler, spätestens eine Stunde vor dem Anpfiff Handys und Tablets auszuschalten: „Die Augen müssen an das gewöhnt werden, was auf dem Platz geschieht. Das Fokussieren auf kleine Buchstaben schadet da nur.“ Und kleine Unachtsamkeiten oder zu späte Reaktionen im Spiel können unnötige Meter im Kampf um den Ball bedeuten.

„Das ist schon grenzwertig“

Christian Jeinsen, der mit Kirchdorf am Sonntag um 15.00 Uhr in Brockum ran muss, erklärte gestern: „Das ist schon grenzwertig – zumal auch die Ozonwerte sehr hoch sind. Ich bin sehr skeptisch. Die Spiele sollten in die Abendstunden verlegt werden.“ Jeinsens Lemförder Kollege David Schiavone meint: „Diese Hitzewelle ist für Deutschland ganz und gar nicht üblich. Es muss ausreichend Flüssigkeit am Platz sein. Und die Trinkpausen im Spiel müssen unbedingt genutzt werden.“

Thomas Otte, der mit Wetschen den TV Stuhr empfängt, ist auf der Linie von Görms: „Die Temperaturen sind für den Körper natürlich extrem. Von daher würde ich auch an den Verband appelieren, die erste Runde komplett abzusagen, selbst wenn es aus terminlicher Sicht Probleme geben würde. Ich bezweifle allerdings, dass sich dort irgendjemand rühren wird. Also müssen wir wohl damit klarkommen und mit Sicherheit einige Trinkpausen einlegen.“

Sudweyhes Coach Christian Mach meint: „Die Hitze ist natürlich heftig. Aber gerade bei diesem Wetter kommt es darauf an, taktisch clever zu spielen.“ So sei ein extremes Offensivpressing beispielsweise nicht möglich. Über eine Absage des Bezirkspokalspiels gegen den TuS Sulingen habe sein Club aber nicht nachgedacht.

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