Boxerisches Dampfplauderei und Machogehabe? / 14-Jähriger vom Kirchweyher Boxring tritt Gegenbeweis an

Start-Nr. 20: Alex Machmudov – Senkrechtstarter im Ring

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Training am Sandsack ist für Alex Machmudov genauso unabdingbar wie Seilspringen. ·

Kirchweyhe - „Er ist ein denkender Boxer.“ Dieses Urteil fällt Rüdiger Förster, Vorsitzender, Trainer und nach eigenem Bekunden „Mädchen für alles“ im Boxring 46 Kirchweyhe, über seinen Schützling Alex Machmudov.

Förster meint damit die abgebrüht-abwartende Haltung des Fighters im Halbweltergewicht, der auf Fehler seines Gegners lauert und dann eiskalt zuschlägt. Doch wer dem erst 14-Jährigen selbst zuhört, merkt schnell, dass Machmudov auch außerhalb des Rings viel nachdenkt.

Nur zwei Kämpfe verlor der Schüler des Gymnasialzweigs an der KGS Leeste in seinem Super-Jahr 2013, einen davon nach einer Fehlentscheidung des Kampfgerichts. „Aber aus Niederlagen lerne ich viel“, verrät der Youngster.

Die erste Schlappe hatte er erst im Finale der Weser-Ems-Bezirksmeisterschaften im ostfriesischen Norden kassiert – gegen Michael Paul vom gastgebenden BC Norden. Den nach Punkten verlorenen Endkampf bezeichnete Förster als „äußerst ehrenvoll“, doch der ehrgeizige Rechtshänder mit einem Kampfgewicht von 60 Kilogramm ärgerte sich: „Ich wäre schon gern zur Niedersachsenmeisterschaft gefahren.“

Ohnehin dürften es für den Nachwuchs-Fighter ruhig ein paar Duelle mehr pro Jahr sein. Nach seinem Sieg bei einem Event in Rehden, je einem Unentschieden in Delmenhorst und vor eigener Kulisse in Weyhe will er daher nun ein bisschen Pfunde verlieren, um eine Gewichtsklasse tiefer auf andere Konkurrenten zu treffen. „Dass heißt aber nicht, dass bei mir jetzt Magersucht-Gefahr besteht“, stellt der Weyher klar. Stattdessen will er noch mehr trainieren. Neben den wöchentlich zwei Einheiten im Boxring oder am Sandsack arbeitet er mit Laufen, Schattenboxen und Seilspringen an sich und seiner Ausdauer. „Ins Fitnessstudio darf ich leider noch nicht, das ist erst mit 15 Jahren erlaubt.“

Also bleiben erst einmal die Zusatzeinheiten daheim. Alex läuft zusammen mit seinem älteren Bruder Nameg durch die Umgebung. Beide hatten sich vor drei Jahren beim Kirchweyher Boxring angemeldet – aber nicht um des Schlagens willen, wie der Jüngere der Beiden betont: „Als wir aus Bremen hierher gezogen sind, habe ich auch mit dem Fußball spielen aufgehört. Das war mir damals irgendwie zu eintönig. Beim Boxen geht es nicht darum, jemandem Schmerzen zuzufügen, sondern um Respekt vor dem Gegner und dem Sport“, schildert der Achtklässler in erstaunlicher Abgeklärtheit: „Man lernt, dass die größte Gefahr darin besteht, jemanden zu unterschätzen.“

Wohl auch deshalb nennt er die Klitschko-Brüder als seine großen Vorbilder: „Die haben viel erreicht, weil sie immer wissen, was sie tun. Da gibt es keine Skandale wie bei David Haye.“ Das beherzigt der Sportsmann: „Es kann schon sein, dass in der Schule einige Respekt vor mir haben, weil ich boxe. Aber ich würde mich nie außerhalb des Rings prügeln – sonst fliege ich sofort aus dem Verein. Und ich will da bleiben.“ Sein Trainer Rüdiger Förster dürfte dies gern hören.

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