Werders 3:1-Coup gegen Neu-Ulm

Marcelo Aguirre legt Grundstein zum Bundesliga-Sensationssieg

Werder-Trainer Cristian Tamas (links) feuert seinen Spieler Marcelo Aguirre an.
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Die Anfeuerung von Trainer Cristian Tamas und eine Banane halfen: Marcelo Aguirre (re.) setzte sich unerwartet gegen Tiago Apolonia durch.

Tischtennis Bundesligist SV Werder Bremen setzte sich am Sonntag mit 3:1 gegen den Tabellenzweiten TTC Neu-Ulm durch. Mit zwei Einzelsiegen war dabei der Kasache Kirill Gerassimenko der Bremer Matchwinner.

  • Werder Bremen muss in Tischtennis-Bundesliga gegen Neu-Ulm ohne Mattias Falck auskommen.
  • Kirill Gerassimenko brilliert mit zwei Einzelsiegen.
  • Bremens Marcelo Aguirre sorgt gegen Tiago Apolonia für einen Coup.

Bremen - Zum Interview nach seinem Siegpunkt kam Kirill Gerassimenko gemessenen Schrittes: „Sorry, aber die Beine tun mir gerade ziemlich weh. Ich musste viel laufen“, sagte der 23-jährige Kasache. Dennoch war er natürlich rundum zufrieden, denn mit seinen beiden Siegen war er am ersten Advents-Sonntag der Matchwinner beim 3:1 des Tischtennis-Bundesligisten SV Werder Bremen gegen den Tabellenzweiten TTC Neu-Ulm.

Das mit dem Laufen ist für Gerassimenko als Halbdistanz-Spieler nicht neu. Ungewohnt war jedoch, dass er gestern an Position eins aufgestellt wurde: „Deshalb musste ich auch früher aufstehen, weil ich schon das erste Spiel machen musste.“

Spitzenspieler Mattias Falck saß in Macao fest

Eigentlich ist Vize-Weltmeister Mattias Falck Bremens klare Nummer eins, aber der Schwede saß in Macao (Sonderverwaltungszone an der chinesischen Südküste) fest, wo er bei einem Turnier das Halbfinale erreicht hatte. Der Tischtennis-Weltverband ITTF hätte eigentlich eine Fähre zum 50 Kilometer entfernten Hongkong buchen sollen, tat das aber nicht. Von Hongkong aus hätte es mit dem Flieger nach Frankfurt gehen sollen, wo ihn Werders Teammanager Sascha Greber gestern Morgen abgeholt und nach Bremen kutschiert hätte. Doch das war Wunschdenken, sodass die Bremer ohne Falck auskommen mussten. Für das nächste Match am Freitag in Grünwettersbach steht Falck zur Verfügung. Aber auch die Gäste traten nicht in Bestbesetzung an und mussten auf Emmanuel Lebesson und Hao Shuai verzichten.

Werder-Coach Cristian Tamas war vor dem Match zuversichtlich: „Klar fehlt uns Mattias, aber wir haben auch so eine gute Mannschaft und wollen gewinnen.“

Den ersten Schritt dazu machte Gerassimenko gegen den vierfachen deutschen Jugendmeister Kay Stumper (18). Allerdings war es ein hartes Stück Arbeit, denn der Bremer musste in den fünften Satz, den er schließlich mit 11:8 gewann – und dies mit einem Netzball.

Abteilungsleiter Werner Meyer: „Der Hauptverein steht voll hinter diesem Projekt“

Seit 2005 spielt Werder (mit einem Jahr Unterbrechung) in der Tischtennis-Bundesliga. Vier Jahre zuvor übernahm Werner Meyer die Abteilungsleitung und feierte mit dem Team 2013 sogar den Titel. Aber ist Bundesliga-Tischtennis auch weiterhin in der Hansestadt gesichert?

Meyer ist da sehr hoffnungsvoll: „Der Hauptverein steht voll hinter diesem Projekt. Neben Profi-Fußball sollen auch die Schachspieler in der Bundesliga, die Zweitliga-Handballerinnen und auch wir den Verein überregional präsentieren.“

Dass momentan Zuschauereinnahmen wegen Corona nicht vorhanden sind, bedroht laut Meyer nicht die Existenz: „Die Stimmung fehlt natürlich bei Heimspielen, aber in unserem Etat machen Eintrittsgelder keinen Posten aus. Zumal die, die Werder-Mitglied sind, freien Eintritt haben.“

Werder lässt sich die Sportarten neben dem Fußball einen siebenstelligen Betrag kosten. „Aber unsere Jungs bekommen keine Unsummen“, fügt Teammanager Sascha Greber hinzu. Über den Etat für die kommende Saison wird Anfang 2021 entschieden.

Danach sorgte Marcelo Aguirre, im Einzel sonst eher weniger im Einsatz, für einen echten Bonuspunkt. Der 27-Jährige, mit Pässen aus Paraguay und Italien ausgestattet, lieferte wohl eines seiner besten Matches im Werder-Dress. Sein portugiesischer Gegner Tiago Apolonia (34) wurde 2014 immerhin Team-Europameister und holte im vergangenen Jahr zusammen mit Landsmann Joao Monteiro WM-Bronze im Doppel. Aber Linkshänder Aguirre kämpfte wie ein Löwe, gab nur den dritten Satz mit 6:11 ab, gewann in vier Durchgängen und verschaffte den Bremern damit einen ganz wichtigen Erfolg.

An diese Leistung konnte Teamkollege Hunor Szöcs nicht anknüpfen. Gegen den 18-jährigen U 21-Europameister Vladimir Sidorenko führte der Bremer zwar in den beiden ersten Sätzen recht klar, gab aber beide Durchgänge ab. Im dritten Satz war der Russe beim 11:6 nicht mehr zu halten.

Offensiv-Tischtennis der allerersten Güte

Danach kam es zum Spitzenspiel zwischen Gerassimenko und Apolonia. Und es entwickelten sich Ballwechsel, die auch Tamas und Greber nicht oft von ihrer eigentlichen Nummer zwei zu sehen bekommen. Weit hinter dem Tisch stehend, knallten sich beide Spieler vor allem die Vorhand-Topspins nur so um die Ohren. Vorentscheidend war sicherlich nach Satzgleichstand Gerassimenkos 15:13 im dritten Durchgang. Danach ging der Kasache erst einmal in die Knie und atmete tief durch. Nach dem 11:9 im vierten Satz war Werders 3:1-Coup perfekt.

„Die Saison ist noch lang, aber das sind heute zwei ganz wichtige Punkte im Kampf um die ersten vier Playoff-Plätze. Jetzt treten wir mit viel Selbstvertrauen am Freitag in Grünwettersbach an“, sagte Tamas. Dann ist auch Falck wieder dabei, und Gerassimenkos Beine dürften auch wieder frisch sein.

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