59-jähriger „Fußballverrückter“ trainiert Bezirksliga-Schlusslicht

Ende der Mörsener Vakanz: Friedhelm Famulla wagt es

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Zurück im Kreis Diepholz: Friedhelm Famulla übernimmt den SV Mörsen-Scharrendorf. „Und ich freue mich drauf“, sagt er.

Mörsen - Von Cord Krüger. Nach sechswöchiger Vakanz auf der Trainerbank des SV Mörsen-Scharrendorf ging plötzlich alles ganz schnell: Am Sonntagmorgen rief Vereinsvorsitzender und Interimscoach Andreas Siegmann bei Friedhelm Famulla an.

Der „Macher“ musste den 59-Jährigen nicht lange überzeugen, denn schon am selben Nachmittag düste Famulla zum Bezirksliga-Heimspiel des TV Stuhr, um Mörsens nächsten Gegner Drakenburg zu beobachten. Letzte Details der bis Sommer 2017 laufenden Vereinbarung klärte die SVMS-Spartenleitung mit dem neuen Mann am Montagabend, am Freitag leitet Famulla das erste Training. „Und ich freue mich drauf“, sagt der selbst ernannte „Fußballverrückte“.

Und das, obwohl der Mann mit 35 Jahren Trainer-Erfahrung weiß, dass es leichtere Aufgaben gibt als beim noch punktlosen Bezirksliga-Schlusslicht. „Umso schöner wäre es, wenn wir in Drakenburg gleich den ersten Zähler holen würden“, sprudelt es aus Famulla heraus. Doch zunächst sieht er sich auch als Therapeut gefragt: „Erstmal muss ich bei den Jungs die Köpfe freibekommen.“ Dass sie alle Fußball spielen können, weiß der Polizeibeamte. Schließlich hatte er sich im Sommer während der Mörsener Sportwoche auch die Mannschaft des damaligen Aufstiegs-Machers Rainer Gläser genau angesehen. Famulla trainierte zu dieser Zeit schon seit gut einem Jahr den Habenhauser FV und war mit seinem Team dort zum Turnier angetreten. Dass Gläser Mitte September wegen Erfolglosigkeit gehen musste und Famulla ihn beerben würde, „konnte da natürlich niemand wissen“, gesteht der „Neue“ schmunzelnd.

Denn auch er hätte sich durchaus ein längeres Engagement beim Bremen-Ligisten vorstellen können. Doch in der zweiten Oktoberwoche „habe ich für mich einen Schlussstrich gezogen“. Zwei unverständliche Niederlagen offenbartem ihm das, was er schon länger vermisst hatte: „Wer in Bremen als Trainer ein weitgehend unbekannt ist, dem fehlt da die Anerkennung.“ Famulla fühlte sich und seinen Einsatz nicht hinreichend gewertschätzt.

„Dabei lebt Friedhelm für den Fußball, arbeitet akribisch und ist mit Feuer dabei“, stellt Siegmann heraus. Umso mehr freut sich der SVMS-Boss, dass er nun auf „diesen ausgewiesenen Experten im Fußballkreis, aus dem ja die meisten Bezirksligisten kommen“, zurückgreifen kann: „Manchmal lohnt es sich eben, ein bisschen zu warten.“ Anrufe von Bewerbern aus dem Trainergeschäft habe er genug erhalten, berichtet der Clubchef. Famulla gehörte übrigens nicht dazu. „So etwas mache ich generell nicht.“ Er bringt auch keine neuen Kicker mit an die B51. Und er vertraut weiter dem spielenden Co-Trainer Bartosz Drozdowski, der seit Gläsers Ausstieg die Einheiten geleitet hat und zusammen mit Siegmann übergangsweise für die Mannschaft verantwortlich war. „Wir können Bartosz dafür nicht genug danken, das hat er toll gemacht“, hebt Siegmann hervor.

Nun kann sich der Abwehrchef mehr auf seine Arbeit auf dem Platz konzentrieren, „und ich glaube, er ist ganz froh, jetzt die Verantwortung des Interimstrainers los zu sein“, meint Famulla nach dem langen Telefonat mit ihm. Die morgige Einheit leitet noch die treue Mörsener Seele, ab dem Freitagstraining hat der Kripo-Beamte das Sagen. „Ich habe noch mit keinem der Spieler zusammengearbeitet – aber das ist ja nicht der erste komplette Neustart für mich“, meint der Trainerfuchs, der in dieser Gegend zuletzt den TSV Bramstedt betreut hatte. Nach zwei Jahren und zwei weiteren Serien im gesicherten Mittelfeld der Kreisliga schloss sich der Kirchweyher dem Habenhauser FV an.

Mörsens ältere Fans kennen Famulla schon länger: 2001 hatte er dort die sportliche Verantwortung für die Erste, nachdem er zuvor über den Brinkumer SV und TV Stuhr zum SV Marhorst gekommen war. Nun freut sich der gebürtige Delmenhorster, wieder im Kreis Diepholz tätig zu sein. Und Siegmann ist froh, mit der auch für die kommende Saison getroffenen Regelung „ein Zeichen der Konstanz“ gesetzt zu haben. Natürlich müsse sich jeder angesichts der aktuellen Tabellensituation mit dem Wiederabstieg befassen, „doch auch in der Kreisliga kennt Friedhelm die Szene.“ Aber so weit sei es noch nicht: „Die Mannschaft lebt“, verspricht Siegmann. Mit einem Fußballverrückten wie Famulla vielleicht jetzt noch mehr.

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