21-jähriger Stuhrer schwingt sich beim 3:0-Coup zum „Wetschen-Zähmer“ auf

Azzarello fühlt sich auf 665,28 Quadratmetern wohl

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Stuhrs Riccardo Azzarello wurde mit zwei Toren zum personifizierten Hinrunden-Schreck des TSV Wetschen.

Stuhr - Wenn‘s ums Reisen geht, setzt sich Riccardo Azzarello keine Grenzen. 2012 zog es den damals 19-Jährigen gemeinsam mit Timo Lemcke nach Neuseeland. Ein Hallo-Wach-Erlebnis. So ging es 2014 im Rahmen seines Studiums in die USA. Fußball stand an zweiter Stelle. „Dort haben wir nur einmal die Woche locker rumgekickt.“ Seit Juli hat sich das Blatt gewendet. Der Lehramtsstudent geht wieder auf Torejagd für den Bezirksligisten TV Stuhr. Und auf dem Fußballplatz braucht er keine grenzenlosen Weiten. Sein Revier ist der Strafraum – eine 665,28 Quadratmeter große Spielwiese.

„Ich glaube, ich habe in dieser Saison noch kein einziges Mal von außerhalb des Sechzehners getroffen“, sagt Azzarello. Eine Schwäche? Eine Stärke! „Riccardo riecht förmlich die Lunte“, sagt sein Trainer Christian Meyer: „Er ist immer dort, wo es gefährlich wird.“

Zu beobachten am Sonntag. Mit 3:0 fiedelten die Stuhrer den bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer ab. Azzarello schwang sich dabei mit zwei Toren zum personifizierten Wetschen-Zähmer auf. Er zeigte, warum sein Spiel für den Strafraum ausgelegt ist. Technisch perfekt sein erster Treffer: Eine Flanke von Daniel Horeis aus dem Halbfeld vollendete Azzarello volley mit der Innenseite. Frech sein zweiter Treffer: Der 21-Jährige lief allein auf Wetschens Keeper Kai Winkler zu. Da dieser lange stehen blieb, wählte Azzarello die kecke Variante: Per Flachschuss durch die Hosenträger setzte er den Schlusspunkt der Partie. „Ich habe schon häufiger Tore in Spielen gemacht, in denen es bei mir eigentlich gar nicht lief“, sagt der 21-Jährige: „Gegen Wetschen hat allerdings alles geklappt.“

So zeigte der Sohn eines Italieners auch, dass er keine Schweißausbrüche bekommt, wenn der Sechzehner nicht in Sichtweite ist: Nach einem Wetscher Freistoß kam Azzarello an den Ball und zog einen 40-Meter-Sprint an. Der 21-Jährige spielte rechts heraus auf Daniel Horeis, dessen Hereingabe verwandelte Fabian Bischoff am zweiten Pfosten stehend.

Azzarello setzte somit um, was Meyer von ihm gefordert hatte. „Wir haben Riccardo, aber auch den anderen gesagt, dass es erstmal wichtig ist, kämpferisch und läuferisch ins Spiel zu finden.“ Dabei spielte dem Trainer ungeahnt der eklige Dauerregen bei unangenehmen sieben Grad Celsius in die Karten. „So musste man sich immer bewegen, um nicht zu frieren“, lacht Azzarello, dem während des Spiels häufiger ein fröstelndes „Brrrr“ über die Lippen ging. Immerhin durfte er sich dreimal beim Torjubel im Stuhrer Rudel aufwärmen.

Also gute sportliche Aussichten für die kommenden Schietwetter-Wochen, die Azzarello selbstbewusst angeht. Im Gegensatz zu vielen Stürmern, die sich winden, wenn es darum geht, eine persönliche Tormarke zu nennen – geht der 21-Jährige in die Vollen: „Klar, es sollten schon wieder so 22 Tore wie in der vorletzten Saison werden.“ Meyer hätte nichts dagegen – und darf sich freuen. Denn Azzarellos Fernweh scheint gestillt. „Erst einmal ist kein Auslandsaufenthalt geplant.“ Der Bachelor soll zu Ende gebracht werden. Und er weiß – auch auf 665,28 Quadratmetern kann man sich austoben.

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