DFB-Pokal-Los als Krönung einer Saison mit Höhen und Tiefen

Bremer SV: „Echter Fußball ohne Schickimicki“

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Bremen – Von Michael Baltes. Eine nervenaufreibende Saison liegt hinter dem Bremer SV: Erst feierte das Team aus dem Bremer Westen souverän das Double aus Meisterschaft und Lottopokal, scheiterte dann aber denkbar knapp in der Aufstiegsrelegation zur Regionalliga. Zum Schluss wurde trotzdem gefeiert. Der Grund: Im DFB-Pokal bekamen die Blau-Weißen Bundesligist Eintracht Frankfurt zugelost. Bloß wo wird gespielt?

Lange mussten sie warten am Mittwochabend. Erst als vorletzte Pokal-Partie wurde die des Bremer SV gezogen. Als klar war, dass Erstligist Eintracht Frankfurt der Gegner in der ersten Hauptrunde sein wird, war der Jubel im Vereinsheim der Blau-Weißen dafür umso größer. „Wir schlagen sie sowieso“ hallte es durch den Raum, in dem der Oberligist zuvor die Auslosung gebannt verfolgt hatte. „Dass ist für uns ein ganz, ganz tolles Los“, resümierte Trainer Klaus Gelsdorf freudig. Es ist der verdiente Lohn für eine starke Saison der Bremer, die in der Relegation zwar einen herben Dämpfer erlebte – nun aber trotzdem ein Happy End hat.

Das Spiel gegen Frankfurt ist zudem die Chance, der eigenen Vereinshistorie ein großes Kapitel hinzuzufügen. Denn ein Blick auf die Homepage des Bremer SV lässt erahnen, dass Historie und Tradition durchaus wichtige Bestandteile des vereinseigenen Selbstverständnisses sind. So zieren diverse Mannschaftsbilder, angefangen mit einem Foto von 1907, den Internetauftritt des 1906 gegründeten Vereins. Große Erfolge fehlen zwar - in der Bundesliga hat der SV noch nie gespielt - das stört am Panzenberg, der Heimspielstätte der Blau-Weißen, aber offensichtlich niemanden. Im Gegenteil. Es wird mit einer gehörigen Portion Selbstironie sogar offensiv propagiert. „Seit 1962 nicht in der Bundesliga“ ist in dicken, weißen Lettern auf der Startseite der Clubhomepage zu lesen.

Etwas darunter folgt der Schriftzug: „Die Underdogs in der Hansestadt“. Das trifft es ganz gut, zumindest dann, wenn der Vergleich mit dem großen und ruhmreichen SV Werder Bremen herangezogen wird. Im Gegensatz zu den Grün-Weißen wirkt der Bremer SV wie das hässliche kleine Entlein, um es plakativ zu formulieren. Dennoch strahlt der Verein aus dem Stadtteil Walle einen gewissen Charme aus. Allein das Stadion am Panzenberg mit seiner maroden Haupttribüne, dem Unkraut, das aus dem Betonboden der Stehplätze wuchert, und den beiden kleinen Kassenhäuschen am Eingang, lässt Fußball-Nostalgikern vermutlich das Herz aufgehen. „Echter Fußball ohne Schickimicki“ ist passend dazu ein weiterer Leitspruch auf der Internetseite der Blau-Weißen zu finden.

Gegen Frankfurt wohl nicht am Panzenberg 

Und dass damit durchaus auch guter Fußball gemeint ist, das hat das Team in der vergangen Saison eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In der Fünftklassigen Bremen-Liga sicherte sich der BSV souverän die Meisterschaft. Dabei wurde nicht ein einziges Spiel verloren. Das Torverhältnis von 118:23 spricht für sich. Der Aufstieg in die Regionalliga ist den Blau-Weißen dennoch verwehrt geblieben. In einer denkwürdigen Relegation fehlte am Ende nur wenig, um den Sprung in die Viertklassigkeit zu schaffen. In der Abschlusstabelle der Aufstiegsspiele belegten die Bremer mit drei Punkten und 3:3 Toren den undankbaren dritten Platz hinter Hildesheim und Schilksee (jeweils drei Punkte und 4:4 Tore).

Statt in der kommenden Saison gegen Gegner wie den SV Meppen, VfB Oldenburg oder VfB Lübeck zu spielen, geht es damit weiter gegen Teams wie den Habenhausener FV, FC Sparta Bremerhaven oder Leher TS. In den Köpfen der Blau-Weißen dürfte das aber erst einmal keine Rolle spielen. Das Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt drängt sich unweigerlich in den Vordergrund. Am Panzenberg wird es aber wohl nicht stattfinden. Zu groß sind die DFB-Auflagen, die dafür erfüllt werden müssten. Als Alternativen stehen Platz 11 am Weserstadion, das Weserstadion selbst oder sogar ein Umzug nach Oldenburg im Raum.

„Das kann alles passieren, wir werden jetzt die Verhandlungen aufnehmen“, sagt BSV-Präsident Peter Warnecke gegenüber Radio Bremen. Im vergangenen Jahr waren die Bremer beim Pokalspiel gegen Eintracht Braunschweig ebenfalls umgezogen – damals auf Platz 11. Eine Sensation blieb aus, der Fünftligist musste sich knapp 0:1 geschlagen geben. Auch diesmal, gegen Frankfurt, ist der der BSV natürlich klarer Außenseiter. Damit können die Bremer aber ganz gut leben – schließlich sind sie mit der Rolle des „Underdogs“ bestens vertraut.

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