Finn Lemke und Tobias Reichmann vor dem Saisonstart

MT Melsungen vor Saisonstart: Höhere Ansprüche und der Meister zum Auftakt

+
Über den Dächern Kassels: Finn Lemke (links), Kapitän der MT Melsungen, und Stellvertreter Tobias Reichmann blicken auf die anstehende Saison in der Handball-Bundesliga.

In zwei Tagen beginnt die Handball-Bundesliga-Saison. Wir sprachen davor mit dem Kapitän der MT Melsungen Finn Lemke und seinem Vertreter Tobias Reichmann.

Zum Auftakt am Sonntag in der Kasseler Rothenbach-Halle ist gleich der Meister Flensburg-Handewitt zu Gast (16 Uhr/Sky).

Herr Lemke, Herr Reichmann, bereit für den Start?

Finn Lemke: Sechs Wochen Vorbereitung sind eine lange Zeit. Ich kann mich schon gar nicht mehr an die ersten Tage erinnern. Auf jeden Fall haben wir sehr strukturiert gearbeitet und von Anfang an immer das Ziel Flensburg im Kopf gehabt. Von daher freue ich mich, dass es endlich losgeht.

Tobias Reichmann: Ich denke schon, dass wir bereit sind. Zuletzt haben wir am Feinschliff gearbeitet und die Aufgaben im Blick gehabt, die zu lösen sind – zum Beispiel eine Flensburger 5:1-Deckung. Wir wollen am Sonntag nicht ins offene Messer laufen.

Ist die Vorbereitung ansonsten gut verlaufen?

Lemke: Wir haben keine Verletzen. Mit Blick auf die vergangene Saison ist das schon mal wichtig.

Reichmann: Auch die Neuen Kai Häfner und Stefan Salger sind super angekommen. Sie sind unkompliziert und haben sich schnell integriert. Rein sportlich lief es bei Kai komplett reibungslos. Stefan braucht noch ein bisschen Zeit, gerade im Mittelblock mit Finn.

Lemke: In der Vorbereitung haben wir viel aufeinandergehangen. Das hilft, um schnell in einer Mannschaft aufgenommen zu werden.

In den zurückliegenden Wochen war das schnelle Umschaltspiel ein zentraler Punkt. Klappt es?

Lemke: Wir haben Luft nach oben. Vor allem haben wir die technischen Fehler noch nicht ganz im Griff.

Reichmann: Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir in den Spielen während der Vorbereitung ziemlich müde waren. In den vergangenen beiden Wochen sind wir definitiv frischer geworden.

Und: Wer von Ihnen schließt jetzt mehr Tempogegenstöße ab?

Reichmann: Das kommt auf die Deckung an. Solange ein Tor fällt, ist keiner unzufrieden.

Lemke: Hauptsache, einer läuft überhaupt einen Gegenstoß.

Die MT wird hoch gehandelt. Bekommen Sie Experten-Einschätzungen mit?

Reichmann: Vor zwei Jahren hörte sich das genauso an. Dann haben wir den Auftakt in Stuttgart vergeigt – und dann war erst mal Ruhe. Keine Frage, wir sind in diesem Jahr einen Tick stärker besetzt. Aber eine Saison ist lang. Wenn die ersten zwei, drei Partien in die Hose gehen, bringt es nichts, jetzt schon über das zehnte Spiel zu reden.

Lemke: Stimmt. Wir schauen kurzfristig.

Aber wo sehen Sie Ihre Mannschaft?

Lemke: Das vom Verein vorgegebene Ziel sind 50 Punkte. Mir ist vor allem eines wichtig: Wir müssen besser werden im Vergleich zu den Vorjahren.

Reichmann: Der Anspruch ist höher, ganz klar. Und wir brauchen uns vor keinem Gegner zu verstecken und können jeden schlagen. Dafür müssen wir aber mehr Konstanz auf die Platte bringen. Auswärtssiege etwa in Berlin und Göppingen sind nichts wert, wenn wir dann zu Hause, bei allem Respekt, gegen Stuttgart verlieren.

Ist der Kracher am Sonntag gleich der erste Gradmesser?

Lemke: Natürlich ist das erste Spiel wichtig. Es als Gradmesser zu sehen, dafür ist es aber zu früh.

Reichmann: Keine Mannschaft weiß so richtig, wo sie steht. Aber auf jeden Fall können wir am Sonntag ein Ausrufezeichen setzen. Es wird das Team gewinnen, das weniger Fehler macht.

Lemke: Ich rechne mit einer kampfbetonten Begegnung. Bei Flensburg werden die Abläufe auch noch nicht hundertprozentig sitzen. Von daher werden wir versuchen, das Tempo und die Härte aus der Vorbereitung mitzunehmen. Über die richtige Einstellung muss sich jedenfalls niemand Gedanken machen.

Inwieweit nehmen Sie als Kapitän und Co-Kapitän Einfluss auf die Stimmung in der Mannschaft?

Reichmann: Wir sind das Bindeglied zwischen Trainerteam und Spielern. Wenn uns irgendetwas auffällt, versuchen wir es anzusprechen und darauf Einfluss zu nehmen. Zudem leiern wir auch mal einen Mannschaftsabend an.

Lemke: Wir sitzen als Team viel zusammen, auch ohne Trainer. Aber Tobi und ich haben nicht so etwas wie einen Plan – nach dem Motto: Heute führen wir mal zehn Einzelgespräche. Gutes Training und vor allem Erfolg schweißen zusammen.

Gibt es trotzdem eine Rollenverteilung zwischen Ihnen beiden?

Lemke: Wir sind unterschiedliche Charaktere – das ist ganz hilfreich.

Reichmann: Finn ist das Sprachrohr. Er hält zum Beispiel die Ansprachen in der Kabine.

Apropos Kabine: Ist es dort ruhiger beziehungsweise leiser geworden ohne die Müller-Zwillinge?

Reichmann: Um eines vorab deutlich zu sagen: Es gab vorher nie Unruhe, und es war auch nie zu laut. Jetzt gibt es eben andere, die mehr den Mund aufmachen. Andere, die Verantwortung übernehmen.

Lemke: Michael und Philipp Müller haben sich immer vorbildlich verhalten. Und abgesehen davon: Wir haben Simic – da ist es nie leise.

Zu den Personen

Finn Lemke (27) kam 2017 vom Bundesliga-Konkurrenten SC Magdeburg zur MT Melsungen. Zuvor hatte der 2,10 m große Rückraum-Hüne beim TBV Lemgo den Sprung in die Bundesliga geschafft. Mit Magdeburg gewann der gebürtige Bremer 2016 den DHB-Pokal. Große Erfolge feierte er auch im Nationaltrikot: 2016 holte er mit der DHB-Auswahl EM-Gold und Olympia-Bronze. Bruder Jari ist Profi in Lemgo. Lemke lebt mit Frau und Kind in Kassel. 

Tobias Reichmann (31) gehört zu den erfolgreichsten deutschen Handballern. Allein drei Triumphe in der Champions League stehen für den Rechtsaußen zu Buche: zweimal mit dem THW Kiel, einmal mit Kielce. 2017 kehrte der gebürtige Berliner aus Polen in die deutsche Bundesliga zurück – seit 2017 ist er bei der MT. Reichmann bestritt 80 Länderspiele für Deutschland. Der frühere Wetzlarer ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Lesen Sie außerdem: Handball-Bundesliga - Alle gegen den THW Kiel

Nach der Sommerpause fiebern die Handball-Fans der neuen Saison entgegen. Ex-Weltmeister Henning Fritz wagt einen Blick auf die neue Serie.

Der aktuelle Stand in der Handball-Bundesliga

Von Björn Mahr und Robin Lipke

*HNA.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Biathlon: Die Bilder vom Weltcup in Hochfilzen

Biathlon: Die Bilder vom Weltcup in Hochfilzen

Weihnachtsmarkt in Asendorf

Weihnachtsmarkt in Asendorf

„All I want for Christmas is not a Trainer-Diskussion“ - die Netzreaktionen zu #FCBSVW

„All I want for Christmas is not a Trainer-Diskussion“ - die Netzreaktionen zu #FCBSVW

Wieder kein HSV-Sieg - Nürnberg verspielt Sieg

Wieder kein HSV-Sieg - Nürnberg verspielt Sieg

Kommentare