Allstar Game

Bundestrainer beklagt "unmenschlichen" Umgang - aber Leipzig ist "PROkop"

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Handball-Bundestrainer Christian Prokop.

Der angeschlagene Handball-Bundestrainer Christian Prokop muss weiter um seinen Job bangen. Nach dem Spaß-Event Allstar Game geht die Analyse des EM-Debakels in die nächste Runde.

Es war nur ein kleines Stück Papier, das die Unterstützung für den angeschlagenen Handball-Bundestrainer auf den Punkt brachte. "PROkop" stand in leicht krakeliger Schrift auf dem DIN-A4-Blatt, ein unbeugsamer Fan hielt es im sich leerenden Rund der Leipziger Arena hoch. Gesten wie diese dürften Christian Prokop viel bedeuten, waren die Tage nach dem EM-Debakel für ihn doch zu einem Spießrutenlauf geworden.

Es sei "teilweise sehr unmenschlich" gewesen, es seien "Halb- und Unwahrheiten" berichtet und geschrieben worden, klagte Prokop (39) am Rande des Allstar Game der Handball Bundesliga (HBL): "Ich hoffe auf eine ehrliche Aufarbeitung und nicht, dass durch den medialen Druck bereits eine vorgefertigte Meinung in den Köpfen herrscht."

Die Aufarbeitung des katastrophalen EM-Turniers begann bereits Stunden vor der Spaß-Partie zwischen der Nationalmannschaft und einem internationalen Bundesliga-Team (39:43) bei einer DHB-Präsidiumssitzung. Eine Tendenz pro oder contra Prokop drang zumindest nicht nach außen. Der Trainer, der erst im Frühjahr 2017 ins Amt gehievt worden war und für den der DHB eine halbe Million Euro Ablöse an den SC DHfK Leipzig bezahlt hatte, besitzt einen Vertrag bis 2022.

Unterstützung erhielt Prokop von Ex-Bundestrainer Heiner Brand. Statt die Trainerfrage zu stellen, sollte man beim DHB "über die Grundstrukturen nachdenken", sagte der Weltmeister-Trainer von 2007 bei Sky Sport News HD: "Wenn man einen so jungen Trainer für so viel Geld aus einem Vertrag herauskauft, wird Druck erzeugt. Und dann wird dieser Trainer in der Kabine beeinflusst, wenn der Vizepräsident mit in der Kabine ist." Gemeint ist DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Prokop war dessen Wunschtrainer, deshalb gerät auch Hanning unter Druck.

Innerhalb der Liga sollen die Vorbehalte gegenüber dem aktuellen Bundestrainer groß sein. "Es wird in keinem Fall um die sportfachliche Kompetenz gehen, sondern darum, was es da an atmosphärischen Störungen gegeben hat", sagte Ligapräsident und DHB-Vize Uwe Schwenker dem SID.

Nach der EM war viel von internen Unstimmigkeiten berichtet worden. Dass Prokop Abwehrchef Finn Lemke zunächst nicht für die Titelkämpfe nominiert hatte, hält er selbst inzwischen für einen Fehler: "Ich habe die Charaktereigenschaften und die Stellung von Finn Lemke innerhalb der Nationalmannschaft unterschätzt." Dass es tatsächlich einen Riss zwischen Mannschaft und Trainer gibt, versuchten alle Beteiligten so gut es ging zu widerlegen.

"Es wurde auch viel fehlgedeutet", sagte Lemke: "Das ist alles noch so frisch. Da muss noch etwas Zeit ins Land gehen, bevor man da was sagen kann. Das ist ein laufender Prozess." Auch Prokop selbst beteuerte: "Mit Sicherheit sind die Gräben nicht so, wie es dargestellt wird."

Etwas deutlicher wurde Rückraumspieler Julius Kühn. "Es ist natürlich so, dass das Verhältnis ein bisschen angespannt ist, aber das wird sich schon wieder beruhigen", sagte der 24-Jährige: "Alles ist möglich über eine persönliche Aussprache. Jeder Mensch darf Fehler machen. Wir sind alle keine Maschinen oder Roboter."

Prokop will unbedingt weitermachen. Lust verspüre er "zu hundert Prozent", die Heim-WM 2019 und Olympia 2020 in Tokio sind seine klaren Ziele. Die Frage ist, ob auch seine Chefs "PROkop" sind.

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sid

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