Zwischenruf zum Darmstädter „Gelbfieber“

Unsportlich – aber legitim

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Rudelbildung im Spiel zwischen Leverkusen und Darmstadt.

Ein Zwischenruf von Michael Baltes. Gleich vier Darmstädter haben sich in den Schlussminuten im Spiel gegen Leverkusen eine Gelbsperre abgeholt. Sie fehlen damit im Spiel gegen die Bayern – im wichtigen Kellerduell gegen Bremen eine Woche später sind sie dafür sicher dabei. Zufall? Wohl kaum. Das Darmstädter „Gelbfieber“ stinkt zwar zum Himmel, ist aber eine völlig legitime taktische Maßnahme, falls es tatsächlich als das geplant war.

Es ist einer der Aufreger an diesem Bundesliga-Wochenende, die Flut von gelben Karten für Darmstädter Spieler in der Schlussphase der Partie gegen Leverkusen. Innerhalb von sechs Minuten wurden Kapitän Aytac Sulu (84. Minute), Marcel Heller (85.), Peter Niemeyer (88.) und Konstantin Rausch (90.) verwarnt – für alle vier ist der gelbe Karton gleichbedeutend mit einer Sperre, da es sich entweder um die fünfte Gelbe oder gar die zehnte (Niemeyer) handelte. Sperren, die den Darmstädtern nicht ungelegen kommen dürften. Nächste Woche steht das Auswärtsspiel beim FC Bayern auf dem Programm. Ein Spiel, in dem es für den Aufsteiger unter normalen Umständen nichts zu holen gibt. Viel wichtiger sind da schon die darauffolgenden Wochen, die mit dem Kellerduell in Bremen starten. Ein Schelm, wer nun Böses beim Blick auf die letzten Minuten gegen Leverkusen denkt.

"Da hat das eine nichts mit dem anderen zu tun“, wich „Lillien“-Coach Dirk Schuster nach der Niederlage gegen Bayer Fragen in diese Richtung aus. Dabei müsste das der 48-Jährige gar nicht – selbst dann nicht, wenn das eine doch etwas mit dem anderen zu tun hat. Es ist eine völlig legitime taktische Maßnahme, Spieler für wichtigere Spiele zu „schonen“. In diesem Fall ist das den Darmstädtern auf eine besonders clevere Weise gelungen. Denn welches Spiel bietet sich besser an, um eine Gelbsperre abzusitzen, als das gegen die Bayern. Für den Aufsteiger sind die Partien danach entscheidend – und in diese Partien gehen Sulu, Heller, Niemeyer und Rausch nun ohne Vorbelastung. Das gilt auch für Jerome Gondorf, der sich gegen Leverkusen ebenfalls eine Gelbsperre einhandelte. Im Gegensatz zu den Erstgenannten sah er die Verwarnung aber bereits in der ersten Halbzeit für ein taktisches Foul, um die zwischenzeitliche Führung zu verteidigen - hier Absicht zu unterstellt wäre infam.

Abgesehen von der Gondorf-Sperre kann bei der ganzen Angelegenheit natürlich von einer Unsportlichkeit gesprochen werden, falls sie denn geplant war – egal, ob legitim oder nicht. Erst recht bei genauerer Betrachtung der Vergehen, die zu den Karten in den Schlussminuten führten. Wieso muss Kießling über die Klinge springen (Sulu), wieso bekommt er auch noch einen Ellenbogen ins Genick (Niemeyer)? Eine aktive Rolle in einer Rudelbildung erfüllt doch auch seinen Zweck. Auch all diejenigen, die über eine Wettbewerbsverzerrung zetern, hätten nicht ganz unrecht. Doch wo fängt die Wettbewerbsverzerrung an und wo hört sie auf? Und handelt nicht jeder Club so, wenn es darum geht, sich einen Vorteil zu sichern? In der Regel schon – selbst die Bayern tun es, wenn sie Spieler in der Liga für die Champions League schonen. Und das ist auch richtig. Die viel propagierte Fairness und Vorbildfunktion für die Kinder auf den Bolzplätzen der Nation bleibt dabei zwar oftmals auf der Strecke – aber der Wettbewerb ist so; der Profifußball ist so. In diesem Geschäft geht es einfach um zu viel. Wer sich damit nicht anfreunden kann, sollte seinen Fokus lieber auf etwas anderes legen.

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