Massenproteste überschatten Confed Cup

Löw reist zu nächster Neymar-Show

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Brasilien-Star Neymar

Recife - Tahitis Fußball-Exoten sorgen für einen Farbtupfer beim Confed Cup, der von Massenprotesten überschattet wird. Gastgeber Brasilien tritt vor den Augen von Bundestrainer Löw zur Olympia-Revanche gegen Mexiko an.

Massenproteste und Fußball - Brasilien bietet beim Confederations Cup vor den Augen der Welt ein Bild der Zerrissenheit. Das Team des Rekordweltmeisters um Stürmerstar Neymar bittet bei seinem zweiten Auftritt zur großen Olympia-Revanche gegen Mexiko, auf der Tribüne wird in Fortaleza auch Joachim Löw ganz genau hinschauen. Der Turniergastgeber sowie Italien, das gegen Japan antritt, könnten schon am Mittwoch die ersten zwei Halbfinaltickets lösen.

Löw unternimmt während seiner Inspektionsreise durch das riesige WM-Land mit seinem Assistenten Hansi Flick eigens einen kurzen Abstecher in den Norden, um den WM-Gastgeber einmal live zu erleben. Der Bundestrainer möchte im Estadio Castelão „ein wenig von der Atmosphäre des Landes ein Jahr vor der WM aufnehmen“.

Im Vordergrund seines ersten Aufenthaltes in Brasilien stehe zwar die Suche nach einem WM-Quartier, sagte Löw. Aber der 53-Jährige möchte auch „klimatische Eindrücke und ein Gefühl für Reisedistanzen und Organisation im Lande gewinnen“. Da passt Fortaleza perfekt - um 16.00 Uhr (Ortszeit) wird Löw die feuchte Hitze am eigenen Leib zu spüren bekommen. 90 Minuten Powerfußball, die er als Trainer liebt, werden sich bei den WM-Spielen sicher nicht durchhalten lassen.

Wenn Löw abends im Hotel den Fernseher einschalten sollte, wird der Bundestrainer neben den immer wiederkehrenden Confed-Cup-Toren auch die Bilder von den Massenprotesten sehen, die einen Schatten auf die WM-Generalprobe werfen und die es auch in zwölf Monaten wieder geben könnte, wenn er in Südamerika mit der deutschen Mannschaft nach dem vierten WM-Titelgewinn streben will.

Denn Brasilien erlebt aktuell eine der massivsten Protestwellen seiner Geschichte, die durch den Confed Cup weltweit eine besondere Aufmerksamkeit erfährt. Rund 200 000 Menschen gingen am Montag (Ortszeit) in vielen Städten wie São Paulo, Rio de Janeiro und der Hauptstadt Brasília gegen Misswirtschaft und Korruption auf die Straße. Es kam teilweise zu Ausschreitungen mit Verletzten. Vor dem Regionalparlament in Rio spielten sich bürgerkriegsähnlichen Szenen ab, als Vermummte versuchten, das Gebäude in Brand zu setzen.

Auslöser der massiven Protestwelle war eine Erhöhung der Fahrpreise für Busse Anfang des Monats. Inzwischen richten sich die Demonstrationen aber auch gegen die Milliarden-Ausgaben für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio sowie das harte Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten bei den früheren Protesten. „Schluss mit der Korruption“ und „Für ein besseres Brasilien“ stand auf Plakaten. Parlamentspräsident Paulo Mello sprach nach den Ausschreitungen von einem „Akt des Terrorismus“.

Einen positiven Farbtupfer konnten derweil die Fußball-Exoten aus Tahiti der Mini-WM verleihen. Der historische Treffer von Jonathan Tehau, der in seiner Heimat im Alltag Lieferwagen fährt, hob beim 1:6 gegen Nigeria für einen Augenblick die Logik des Fußballs auf. Tehaus Kopfball zum 1:3 machte in Belo Horizonte die Verlierer irgendwie doch zu Gewinnern. „Es ist für uns wie ein Sieg“, sagte Marama Vahirua, der als Einziger beim Ozeanienmeister sein Geld mit Fußballspielen verdient.

Revanchegedanken begleiten Brasilien ins zweite Spiel gegen Mexiko. „Seit mehr als zehn Jahren machen sie uns das Leben schwer“, stöhnte Luiz Felipe Scolari. Gleich sechs Profis der Seleção - darunter Jungstar Neymar - standen 2012 im Olympia-Finale, als Mexiko im Londoner Wembleystadion mit 2:1 triumphierte. Von den 14 Duellen seit 1999 gewann die „Tri“ acht und verlor nur drei. Vor 14 Jahren besiegte Mexiko den großen Rivalen im Endspiel des Confed-Cups vor über 100 000 Zuschauern im heimischen Aztekenstadion mit 4:3.

Brasilien und Italien könnten mit ihrem jeweils zweiten Sieg in Gruppe A schon vor dem direkten Duell zum Vorrundenabschluss den Einzug ins Halbfinale perfekt machen. Die Azzurri treffen in Recife auf Japan, und alle fragen sich: Was wird Muskelprotz Mario Balotelli wohl mit den kleinen asiatischen Abwehrspielern anstellen? Torwart Gianluigi Buffon gab nach dem geglückten Turnierstart der Azzurri bereits selbstbewusst den Gewinn des Confed Cups als neue Marschroute aus: „Wir sind im Aufwind. Unter die besten Vier zu kommen, ist unser Ziel, aber für mich kein Erfolg. Ein Sieg ist ein Erfolg.“

dpa

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