„Unglaublich und sehr traurig“

Rassismus-Skandal: Affenlaute gegen Touré

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Gegen Yaya Touré hallten Affenlaute von den Zuschauerrängen.

Moskau - Wieder erschüttert ein Rassismus-Skandal den Fußball: Beim Champions-League-Spiel von ManCity bei ZSKA Moskau hallten Affenlaute von den Rängen. Sie waren gegen den ivorischen Spieler Toure gerichtet.

Die UEFA-Botschaft „Nein zum Rassismus“ auf seiner Kapitänsbinde wirkte für Yaya Touré wie eine hohle Losung. Wütend beschwerte sich der Mittelfeldstar von Manchester City während des Champions-League-Spiels in der Moskauer Chimki-Arena beim Schiedsrichter über Affenlaute und Beschimpfungen aus dem Publikum. Und das mitten in der Anti-Rassismus-Aktionswoche, die gemeinsam von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und dem Netzwerk FARE ausgerufen worden war. „Ich bin nicht nur enttäuscht, ich bin richtig sauer“, sagte der Nationalspieler der Elfenbeinküste.

„Es ist immer das Gleiche, das ist sehr traurig“, klagte Touré nach dem 2:1-Sieg des Gruppengegners des FC Bayern München bei ZSKA Moskau am Mittwochabend. Direkt nach Schlusspfiff protestierten Offizielle von ManCity wegen der Vorkommnisse bei den UEFA-Delegierten. Noch am Donnerstag wollte der Premier-League-Verein auch schriftlich beim Dachverband Beschwerde einlegen.

Referee Ovidiu Hategan nahm die Vorfälle in seinen Spielbericht auf, der an die UEFA-Disziplinarkommission geht. Weil der Rumäne das Spiel zuvor trotz Tourés Beschwerde weder unterbrochen noch eine Durchsage im Stadion veranlasste hatte, forderte das englische Anti-Rassismus-Projekt „Kick it out“ am Donnerstag Konsequenzen. „Dieser Referee sollte kein Spiel mehr leiten. Er hat seine Pflicht nicht erfüllt, mit dieser Sache sollte sich die UEFA befassen“, erklärte „Kick it out“-Präsident Lord Herman Ouseley dem BBC-Radio.

In einer gemeinsamen Mitteilung lobten „Kick it out“ und FARE Touré dafür, dass er direkt zum Schiedsrichter gegangen war. ZSKA müsse von der UEFA bestraft werden. Möglich sei zumindest ein Teilausschluss des Publikums. Touré forderte ein hartes Durchgreifen der UEFA: „Sie müssen jetzt reagieren, sie müssen das stoppen. Vielleicht müssen sie das Stadion für ein paar Spiele oder sogar ein paar Jahre sperren.“ Sanktionen seien notwendig, da Spieler mit dunkler Hautfarbe „immer wieder in derselben Position sein werden“, erklärte der 30-Jährige.

Manchesters Trainer Manuel Pellegrini fühlte mit seinem Schützling. „Es ist schade, dass jemand solche dummen Sachen macht. Es ist schade für Yaya, schade für diese Stadt“, meinte der Chilene. ZSKA-Coach Leonid Sluzki wies die Vorwürfe indes zurück. Er habe keine rassistischen Rufe gehört, versicherte der Fußballlehrer. Zudem wies der Club darauf hin, dass in Seydou Doumbia selbst ein Ivorer bei den Moskauern spielt.

Bei internationalen Fußballfunktionären gilt die verbreitete Fremdenfeindlichkeit im Gastgeberland der WM 2018 allerdings seit längerem als Problem. Immer wieder gibt es rassistische Vorfälle wie Bananenwürfe gegen dunkelhäutige Spieler. Bei Hetzjagden auf Migranten sind oft Fußball-Hooligans beteiligt. Zudem haben viele Fußballfans in den russisch-orthodox geprägten Regionen Vorurteile gegen ihre meist muslimischen Landsleute aus dem Kaukasus.

Die UEFA hatte erst im Mai härtere Sanktionen im Kampf gegen Rassismus beschlossen. Als Konsequenz für Rassismus auf den Tribünen wurden zuletzt mehrere Clubs zu Geisterspielen oder saftigen Geldstrafen verurteilt.

Vor den Europapokal-Spielen dieser Woche gewährte die UEFA der Anti-Rassismus-Kampagne von FARE eine Plattform. Die Spieler zeigten vor Anpfiff Kärtchen mit der Aufschrift „Kein Rassismus“, großflächig wurde das Wort „Respekt“ in den Stadien plakatiert. „Blablabla“, schimpfte Touré im ersten Zorn nach seinen Erlebnissen in Moskau. Der verletzte City-Kapitän Vincent Kompany, den Touré in der Chimki-Arena vertrat, twitterte an die Adresse der UEFA: „Wir haben alle genug gesagt.“

dpa

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