Internationaler Überblick

WM-Quali: In England geht die Angst um

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Englands Teammanager Roy Hodgson

Frankfurt/Main - England muss gegen Polen unbedingt gewinnen, um das WM-Ticket nach Brasilien zu lösen. Auf den zweiten Rang und die Play-off-Spiele müssen sich Frankreich und Portugal einrichten.

Eigentlich könnte die Ausgangslage der Three Lions besser kaum sein: Ein Heimerfolg im abschließenden Gruppenspiel der englischen Fußball-Nationalmannschaft gegen Polen am Dienstag, und das Ticket für die Fußball-WM 2014 in Brasilien wäre gebucht. Da der Engländer an sich vor „Alles-oder-nichts-Spielen“ aber gerne einmal das große Nervenflattern bekommt, herrscht im Mutterland des Fußballs in diesen Tagen helle Aufregung.

„Ich kann mir nicht vorstellen“, sagte Englands Teammanager Roy Hodgson mit Vorsicht, „dass Polen den Fuß vom Gaspedal nehmen wird. Die wollen hier ein gutes Ergebnis holen - wie 1973.“ Wie 1973. Worte, welche in England böse Erinnerungen wecken, vor dem entscheidenden Spiel Angst einflößen und niemand so wirklich hören wollte.

Es ist der 17. Oktober 1973, Wembley-Stadion: England benötigt gegen Polen einen Sieg, spielt aber nur 1:1 und verpasst die WM 1974 in Deutschland. Sollte England am Dienstag ein ähnliches Schicksal ereilen, würde die Ukraine mit einem Sieg gegen den Fußball-Zwergen San Marino noch vorbeiziehen und den Briten bei der WM nur die Zuschauerrolle drohen. Wie 1974, wie 1994 - und weitere 20 Jahre später?

„Ich glaube nicht, dass dies eintreten wird“, sagte Hodgson, der den zweiten Platz und die damit verbundenen Play-off-Spiele unbedingt vermeiden will: „Wir müssen doch einfach nur gewinnen, dann fahren wir nach Brasilien und sehen ein englisches Team, das wie Deutschland in den vergangenen Jahren stärker und stärker wird.“

Stark wird auch die Gegenwehr der Polen sein - auf dem Platz und auf den Rängen. 18.000 polnische Fans haben sich angekündigt, ihre Stars auf dem Rasen den Gastgebern bereits einen heißen Tanz vorhergesagt. „Wir wollen unseren Fans mit einem guten Spiel und dem richtigen Ergebnis danken“, sagte Kapitän Jakub Blaszczykowski der BBC, während sein Dortmunder Kollege Robert Lewandowski den Anhängern auch ohne Chance auf die WM-Endrunde im kommenden Jahr noch einmal „ein bisschen Spaß“ bereiten möchte.

Den Sieg in Gruppe I und damit die direkte Qualifikation für die Endrunde am Zuckerhut dürfte auch die Grande Nation bereits abgeschrieben haben. Drei Punkte liegt Frankreich vor dem abschließenden Duell mit Finnland hinter Welt- und Europameister Spanien - und stellt sich deshalb schonmal auf die Play-offs ein.

„Eine Weltmeisterschaft ohne Frankreich, das wäre fürchterlich“, sagte Verteidiger Eric Abidal der französischen Sportzeitung L'Équipe. 1994 hatte Frankreich zuletzt die WM-Endrunde verpasst, „und ich will nicht, dass das Jahr 2013 für die künftigen Generationen eine schlechte Erinnerung sein wird.“

Qualifikation hin oder her - in Frankreich ist die Stimmung sowieso schon auf dem Tiefpunkt. Laut einer Umfrage der Tageszeitung Le Parisien haben sage und schreibe 82 Prozent der Bevölkerung eine „schlechte Meinung“ über die Equipe Tricolore. Und 54 Prozent gehen sogar davon aus, dass Les Bleus in der Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien scheitern werden.

Eine Endrunde ohne den Weltmeister von 1998 ist vor allem mit Blick auf die Play-off-Spiele durchaus realistisch. Aufgrund der FIFA-Rangliste droht den Franzosen in den K.o.-Duellen ein starker Gegner, da sie nicht zu den vermeintlich vier stärkeren Teams gehören. Der Protest des Verbandes FFF wird geplant, ein Erfolg scheint allerdings sehr unwahrscheinlich.

So könnte es in den Play-offs gegen Superstar Cristiano Ronaldo und Co. gehen. Die Portugiesen belegen in Tableau F mit ebenfalls drei Zählern Rückstand hinter Russland den zweiten Platz und wollen sich gegen Luxemburg schonmal für die K.o.-Duelle warmschießen.

Mexiko hofft und zittert

Direktes WM-Ticket, Playoffs oder doch der historische K.o.: Für die mexikanische Nationalmannschaft geht es vor dem abschließenden Spiel in der CONCACAF-Zone in Costa Rica am Dienstag (Ortszeit) um Alles oder Nichts. Denn eine derart missliche Lage hatten die Mexikaner schon lange nicht mehr zu überstehen.

Mit elf Punkten liegt Mexiko nur auf dem vierten Platz der CONCACAF-Zone. Um sich das dritte noch offene Ticket für Brasilien 2014 zu sichern, muss der WM-Gastgeber von 1970 und 1986 in Costa Rica unbedingt gewinnen und zugleich auf eine Niederlage von Honduras bei dem von Winfried Schäfer trainierten Schlusslicht Jamaika hoffen. Ansonsten drohen Playoff-Spiele gegen Ozeanien-Vertreter Neuseeland.

Doch es kann auch ganz schlimm für die Mexikaner kommen. Bei einer Niederlage droht das sofortige Aus, denn Panama (acht Zähler) liegt vor dem Heimspiel gegen die USA in Lauerstellung. Und Mexikos Gegner Costa Rica, das neben den USA bereits für die WM qualifiziert ist, brennt darauf, „El Tri“ zu eliminieren. Den Mexikanern fehle Demut, kritisiert Stürmer Joel Campbell: „Wer die Gegner nicht respektiert, steht da, wo Mexiko jetzt steht.“ Costa Rica wolle mit einem Heimsieg in San Jose eine Brasilien-Party feiern.

Für Mexiko, das im September den glücklosen Coach José Manuel de la Torre durch Víctor Manuel Vucetich ersetzte, hätte ein Verpassen der Endrunde fast schon eine historische Note. Bei 14 WM-Teilnahmen waren nur Brasilien (19), Deutschland und Italien (je 17) sowie Argentinien (15) häufiger bei einer WM dabei. Letztmals hatten die Mexikaner 1990 gefehlt, allerdings nur wegen einer FIFA-Sperre. Das letzte Scheitern in der WM-Qualifikation liegt schon 32 Jahre zurück.

sid/dpa

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