Trainer krachend gescheitert

Scolari: "Schlimmste Niederlage der Geschichte"

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Sieben Stück kassiert, das sitzt: Luiz Felipe Scolari ist bedient.

Belo Horizonte - Mission krachend gescheitert: Luiz Felipe Scolari wollte mit der Selecao den Himmel erreichen - und erlebte die schlimmste vorstellbare Niederlage.

Der Vulkan brach nicht aus. Während auf den Straßen Brasiliens die Busse brannten, sich die Fans prügelten, blieb Luiz Felipe Scolari seltsam gelassen. Kühl nahm der als Choleriker bekannte Trainer der Selecao die Halbfinal-Schmach gegen Deutschland (1:7) hin. Scolari wollte Brasilien mit dem sechsten WM-Titel eigentlich in den „Himmel“ führen, stattdessen kassierte er die „schlimmste Niederlage“ seiner Karriere. Die Debatte um seine Nachfolge hat längst begonnen.

„Ich werde als der Trainer in Erinnerung bleiben, der 1:7 verloren hat“, sagte Scolari nach der größten Blamage der brasilianischen Fußball-Geschichte. Seine Mission, 200 Millionen Brasilianern den Titel zu schenken, ist krachend gescheitert. „Wir bitten um Vergebung bei der Bevölkerung, bitte entschuldigt diesen Fehler“, sagte Scolari: „Ich bin verantwortlich für das, was die Mannschaft auf dem Feld geboten hat und trage auch die Verantwortung für das Ergebnis.“

Am Samstag, im Spiel um Platz drei, wird Scolari noch einmal auf der Bank sitzen. Danach ist für den Bauernsohn italienischer Einwanderer Schluss. „Es tut mir leid, dass wir unser Ziel nicht erreicht haben“, sagte der Weltmeister-Coach von 2002 seltsam gelassen, als ginge ihn das Debakel kaum etwas an: „Das Leben geht weiter.“

Scolaris Vertrag läuft nach der WM aus und wird natürlich nicht verlängert. Als Favorit auf seine Nachfolge gilt Tite, der frühere Trainer von Corinthians Sao Paulo, der unter anderem 2012 die Klub-WM im Finale gegen den FC Chelsea gewann. Doch egal wer den Job übernimmt, er muss wohl ein ganz neues Team um Superstar Neymar aufbauen.

Scolari hatte im Vorfeld alles versucht. Der 65-Jährige predigte die Abkehr vom „jogo bonito“, dem schönen Spiel, stellte mit Ausnahme des gegen Deutschland verletzt fehlenden Neymar eine Mannschaft von Kriegern zusammen, die den WM mit Leidenschaft und unbedingtem Willen erzwingen sollte. Die Fußball arbeiten, aber kaum spielen kann. Er holte eine Psychologin ins Trainingscamp.

Doch Toni Kroos, Thomas Müller, Miroslav Klose und Co. legten die Schwächen des „Systems Scolari“ schonungslos offen. Der gab seinen überforderten Spielern wie Dante oder David Luiz keinen Plan mit an die Hand, wie sie das flexible, schnelle, verwirrende Offensivspiel der DFB-Elf unterbinden können. Und so wurden die stolzen Brasilianer vor den Augen der Welt lächerlich gemacht. „Ich habe die schlimmste Niederlage in der Geschichte Brasiliens verschuldet, damit werde ich leben müssen“, sagte Scolari fast emotionslos.

Deutschland zerlegt Brasilien - Bilder und Noten

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Nicht alle sehen die Niederlage so gelassen. „Brasilien wurde von Deutschland massakriert“, schrieb O Globo und Estadao meinte: „Historische Erniedrigung“. Immerhin suchte Scolari nicht nach Ausreden für die Schmach. Auch mit Neymar, der die Pleite zu Hause vor dem Fernseher verfolgte, hätte sein Team keine Chance gehabt: „Er ist ein Angreifer, kein Verteidiger. Ich glaube nicht, dass das Spiel mit ihm anders gelaufen wäre.“

Wie es mit Scolari und Brasilien, dieser großen Fußball-Nation, dem Rekordweltmeister, nach dieser Schlappe weitergeht, ist unklar. „Wir müssen uns jetzt mit der Mannschaft zusammensetzen, alles analysieren und aufarbeiten“, sagte Scolari: „Viele Spieler haben die Möglichkeit, die nächste WM zu spielen.“ Sie werden etwas gutzumachen haben. Scolari wird diese Möglichkeit nicht mehr bekommen.

SID

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