Blanc geht an Bord, Vieira will aufhören, FIFA droht

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Laurent Blanc übernimmt

Paris/Johannesburg - Laurent Blanc soll Frankreich in den nächsten zwei Jahren zu alter Stärke zurückführen. Die Freude über die Vertragsunterschrift des neuen Nationaltrainers wird jedoch getrübt.

Nach dem WM-Schiffbruch am Kap hat Laurent Blanc als Nationaltrainer das Kommando bei der “Equipe tricolore“ übernommen, doch eine weitere Hiobsbotschaft aus Südafrika trübte die Freude der Fans über die Vertragsunterschrift des neuen Hoffnungsträgers. Mit einer deutlichen Warnung reagierte der Weltverband FIFA auf die Einmischung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Sportministerin Roselyne Bachelot in die Angelegenheiten des Französischen Fußball-Verbandes (FFF), dem nun ernsthafte Konsequenzen drohen.

“Wir werden ganz genau hinschauen, was in Frankreich passiert. Ich habe die Sportministerin informiert, wie die Institutionen des Fußballs arbeiten. Ich habe ihr gesagt, dass sie sehr vorsichtig sein müssen“, sagte FIFA-Generalsekretär Jêrome Valcke am Samstag in Johannesburg. Die Zeitung “Le Parisien“ fragte besorgt: “Müssen wir nun nach dem sportlichen Fiasko eine zusätzliche Demütigung befürchten?“

Offiziell schlimmer als Husten! 22 1/2 Fakten zur Vuvuzela

Offiziell schlimmer als Husten! 22 1/2 Fakten zur Vuvuzela

Geliebt, verhasst, aber sicher das Symbol der WM 2010: der Vuvuzela gelang eine kurzer, beeindruckender Siegeszug. Hier lesen Sie 22,5 Fakten. Nummer 1: Die ersten Vuvuzelas waren aus Blech! Sie kamen in den 90er-Jahren auf © Getty
2. Drei Millionen Exemplare hat alleine das Unternehmen "Masincedane Sport" verkauft! Es hat die Tröten aus Plastik 2001 eingeführt. © Getty
3. Tröten im Flugzeug ist verboten! Zumindest hat die staatliche Fluglinie "South African Airways" darauf hingewiesen, dass der Vuvuzela-Gebrauch während eines Inlandsfluges untersagt ist und sogar mit Gefängnis bestraft werden kann. © Getty
4. Eine handelsübliche Vuvuzela ist rund einen Meter lang! © Getty
5. Vuvuzelaspielen ist schwieriger als es aussieht! Merkhilfe: So blasen wie Kinder ihren Spinat über den Esstisch spucken. © Getty
6. Die Tröte ist das lauteste Faninstrument! Es erreicht eine Lautstärke von 123,9 Dezibel. © Getty
7. "Vuvuzela" heißt "Krach machen" und stammt aus der Zulu-Sprache! © Getty
8. Ex-Präsident Nelson Mandela warb mit der Vuvuzela für die WM! Er hatte im Mai 2004 hunderte Tröten nach Zürich mitgenommen, als über die Vergabe der WM 2010 entschieden wurde. © Getty
9. Tröten ist bei vielen Fan-Events verboten! Zahlreiche deutsche Städte von Freiburg über Nürnberg bis Zwickau haben die Tröte bei ihren Public Viewings untersagt © Getty
10. Sogar einen Protest-Song gibt's zur Vuvuzela! "Lass die Finger von Emanuela" von Fettes Brot wurde kurzerhand von Trötenhassern zu "Lass die Finger von der Vuvuzela" umgedichtet. © Getty
11. Die Vuvuzela-Frequenz liegt bei 233 Hertz! Für Musiker: Das entspricht einem Ais © Getty
12. Vuvuzelas sind schlimmer als Husten! "Vuvuzelas können Erkältungskrankheiten und die Grippe sehr schnell verbreiten", warnt eine Ärztin. Die Tröte könne Infektionen deutlich stärker verbreiten als Husten oder Schreien. © Getty
13. Für echte Fans gehört zur Vuvuzela der Makarapa! Dabei handelt es sich um einen in den Farben seines Teams geschmückten Bergarbeiterhelm. Das auf diesem Symbolfoto ist übrigens KEIN Makarapa. © Getty
14. Uwe Seeler findet es lustig, dass die Tröte fast so heißt wie er! "Ja, ich habe schon gehört, dass man meinen Namen ständig mit der WM-Tröte Vuvuzela verwechselt. Ich finde das sehr lustig." © Getty
15. Sogar der Tierschutz warnt vor der Vuvuzela! Die Organisation SPCA: Haustiere sollten trotz aller Begeisterung aber keinen “hohen Lärmpegeln“ ausgesetzt werden. Das gelte etwa, wenn in der Öffentlichkeit von WM-Fans ausgelassen und ausdauernd die Vuvuzela geblasen werde. Es sei in solchen Fällen ratsam, die Tiere im Haus einzusperren, mahnte der SPCA. © Getty
16. Deutsche Reporter mussten wegen der Vuvuzela umrüsten! Die Sender statteten ihre WM-Reporter mit älteren Lippenmikrofonen statt mit modernen Headsets (Kopfhörer) aus. © Getty
17. Vuvuzelas setzen die Tradition der Hörner von Kudu-Antilopen fort! Mit diesen haben manche Stämme schon vor Jahrhunderten ihre Treffen eingeleitet. © Getty
18. Zahlreiche Spieler sind genervt von dem Krach. Darunter Lionel Messi und so ziemlich alle, die ein WM-Spiel verloren haben. © Getty
19. Vuvuzelas können dauerhafte Hörschäden verursachen! Bei diesen Schallpegeln ist das Gehör akut gefährdet, und es reicht unter Umständen ein einziger Fanfarenstoß aus, um eine Hörschädigung oder Ohrgeräusche zu verursachen“, erklärte Eckhard Hoffmann vom Studiengang Augenoptik und Hörakustik der Hochschule Aalen. © Getty
20. FIFA-Boss Sepp Blatter steht zur Vuvuzela. Afrika habe einen “anderen Rhythmus, einen anderen Sound“, schrieb Blatter in einer Twitter-Botschaft. Die Vuvuzela-Tradition der südafrikanischen Fußballfans dürfe nicht gestoppt werden. © Getty
21. Die Vuvuzela-Preise sind in Südafrika deutlich gestiegen! Kürzlich kosteten sie noch 30 Rand (ca. 3,00 Euro). Inzwischen zahlt man in Touristenregionen bis zu 200 Rand (20 Euro). © Getty
22. Findige Unternehmer bieten im Internet einen Vuvuzela-Filter zum Kauf an! Kostenpunkt 2,95 Euro. Auch der Ohrstöpsel-Verkauf ist gestiegen. Nicht nur in Südafrika, sondern auch rund um die Public Viewings. So kurbelt die Tröte die weltweite Konjunktur an. © AP
22,5. Statt einem Fakt zum Abschluss ein Zitat von Rudi Völler: "Bei uns in Leverkusen wird jeder eingesperrt, der eine Vuvuzela mit ins Stadion bringt" © Getty

Die FIFA verbietet jede staatliche Einflussnahme auf die Politik der nationalen Fußball-Verbände und hat in jüngerer Vergangenheit einige Mitgliedsländer wie Iran oder Irak vorübergehend suspendiert. Die Aufarbeitung des sportlich wie disziplinarisch desaströsen WM- Auftritts der Franzosen hatte in den vergangenen Tagen Züge einer Staatsaffäre angenommen. Sarkozy empfing Starstürmer Thierry Henry zu einem klärenden Gespräch. Roselyne Bachelot forderte FFF-Chef Jean- Pierre Escalettes zum Rücktritt auf.

“Sie dürfen sich treffen, sie können diskutieren, aber es darf keine politische Einflussnahme geben“, erklärte der Franzose Valcke seinen Landsleuten die FIFA-Regeln. “Niemand kann jemanden zum Rücktritt auffordern“, sagte der Funktionär. Bachelot machte umgehend einen Rückzieher. Sie stehe zwar weiter zu ihren Worten, habe aber niemals implizit den Rücktritt von Verbandsboss gefordert, ließ die Ministerin verlauten.

Blanc, der am Samstag einen Zweijahresvertrag als Nachfolger des gescheiterten Nationaltrainers Raymond Domenech unterschrieb, dürfte dies alles kaltlassen. Er hat ganz andere Probleme, muss er den tief gefallenen Vize-Weltmeister von 2006 doch sportlich schnell wieder flott kriegen. Sollte ihm dies gelingen, wird der Kontrakt um weitere zwei Jahre bis zur WM 2014 verlängert. Der Weltmeister von 1998 und Europameister von 2000, der in Frankreich großes Ansehen genießt, wird von seinem früheren Mitarbeiter Jean-Louis Gasset und dem ehemaligen Direktor von Olympique Lyon, Marino Faccioli, unterstützt.

Nach dem kläglichen Ausscheiden der “Bleus“ als Gruppenletzter erhoffen sich die Fans einen Neuanfang unter Blanc. Erste sportliche Herausforderung wird die Qualifikation für die Europameisterschaft 2012. Am 3. September steht das erste Qualifikationsspiel gegen Weißrussland an. Sein Debüt auf der Bank wird der frühere Erfolgstrainer von Girondins Bordeaux am 11. August im Länderspiel gegen Norwegen geben. Nicht mehr dabei sein wird dann Mittelfeld- Veteran Patrick Vieira. “Ehrlich, ich stehe nicht mehr für die Auswahl zur Verfügung. Es wäre nicht gerecht“, sagte der 34-Jährige dem TV-Sender Canal +.

Nach einer Umfrage für den “Parisien“ setzen immerhin 94 Prozent der Franzosen Vertrauen in Blanc. Die Mannschaft ist dagegen - mit Ausnahme von Florent Malouda, der 74 Prozent Zustimmung findet, - bei den Fans unten durch. Selbst Bayern-Star Franck Ribéry wollen nur noch 54 Prozent weiter in der Nationalelf sehen. Für Nicolas Anelka, der wegen seiner Trainerbeleidigung vorzeitig die Heimreise antreten musste, votierten nur noch 26 Prozent.

Die Vorfälle im WM-Camp in Knysna sollen in den kommenden Wochen aufgearbeitet werden. “Das (Sport-) Ministerium wird eine Untersuchung einleiten und alle Spieler anhören“, erklärte Mannschaftskapitän Patrice Evra, “jeder wird erzählen, was er erlebt hat, und die Wahrheit sagen.“

dpa

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