Zurück bei Bayern

Ein "Schimmer Chance" für Freigänger Breno

München - Nach 13 Monaten Gefängnis hat Breno seinen Dienst als Freigänger bei Bayern München angetreten. Der Rekordmeister will dem früheren Profi helfen, zurück in ein „normales“ Leben zu finden.

Breno blickte nervös in die Runde. Neben ihm machte sich ein schwitzender Uli Hoeneß mit auf die Oberschenkel gestützten Armen breit, die frühere Abteilung Attacke von Bayern München ging gegenüber der versammelten Presse in Abwehrhaltung. Doch dann brach Breno das Eis mit einem Lächeln. „Danke, mir geht es gut“, sagte er und grinste: „Die Zeit, 13 Monate im Gefängnis, war hart.“ Doch nun, seit Montag, ist der wegen schwerer Brandstiftung zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilte frühere Fußball-Profi Freigänger - und zurück im Schoß der „Familie FC Bayern“, wie Hoeneß es nannte.

Diese Familie hatte nicht verhindern können, dass Breno im September 2011 seine Villa im Nobel-Stadtteil Grünwald anzündete und ins Gefängnis musste. Doch sie half jetzt, Breno zurück in ein zumindest teilweise freies Leben zu holen. Wolfgang Dremmler, der Leiter des Jugendleistungszentrums der Bayern, holte Breno am Montag um halb neun in der JVA Stadelheim ab, um 8.58 Uhr fuhr er mit dem Brasilianer auf dem Beifahrersitz im Audi Q4 am Klubgelände an der Säbener Straße vor, Brenos künftiger Arbeitstätte. Dort soll er in Dremmlers Büro und als Assistent der zweiten Mannschaft tätig sein.

"Ein Schimmer an Chance"

Um 13.30 Uhr muss Breno jeden Tag wieder zurück ins Gefängnis, mehr Zeit in Freiheit lässt die „Resozialisierungsmaßnahme“ (noch) nicht zu. Und auch wettbewerbsmäßig Fußball spielen darf der frühere Verteidiger bei den Bayern nicht. In der Regionalliga-Mannschaft von Erik ten Hag dürfen keine Nicht-EU-Ausländer eingesetzt werden. Doch Breno meinte, es sei sein „Traum“, irgendwann wieder Fußballer sein zu dürfen. Sein früherer Klub FC Sao Paulo habe Interesse gezeigt, Breno aufzunehmen, sagte Hoeneß, „das ist aber Zukunftsmusik“.

Nun gebe es für Breno zunächst einmal „diesen Schimmer an Chance - und die wollen wir ihm eröffnen“. Die Chance auf Resozialisierung, wie es die Behörden nennen. Oder, wie Hoeneß meinte: „Er bekommt die Möglichkeit, sich körperlich fit zu machen für die Zeit danach.“

Diese Zeit könnte nach Aussagen von Brenos Anwalt im Januar 2014 beginnen. Der Rechtsbeistand will erwirken, dass Breno dann auf Bewährung frei kommt. Weil Breno Fußballer ist und seine Karriere auf eine zeitlich sehr überschaubare Spanne begrenzt, stehen die Aussichten darauf offenbar ganz gut.

Der Fall Breno: Eine Chronologie

Der Fall Breno: Eine Chronologie

Zu drei Jahren und neun Monaten war Breno verurteilt worden nach jener alkoholgeschwängerten Nacht im Herbst 2011. Die Auswirkungen wird er auch dann noch zu spüren bekommen, wenn er irgendwann ganz frei ist. Danach werde Breno wohl abgeschoben, erläuterte Hoeneß, „er wird sehr wahrscheinlich nicht mehr in Deutschland und Europa Fußball spielen dürfen“. Dennoch versäumte Hoeneß, der wegen seiner Steueraffäre selbst im Fokus der Behörden steht, es nicht, Justiz und involvierten Ämtern zu danken. Dann appellierte er, Breno jetzt nicht „auf Schritt und Tritt“ zu verfolgen.

Breno selbst machte einen aufgeräumten Eindruck. Wie zu seiner Zeit als Profi trug er Brillant-Stecker in beiden Ohren, am linken Handgelenk prangte eine schwere Uhr. Immer wieder lächelte er über sein schwarzes Kinnbärtchen hinweg. An seinem einst oft lädierten Knie habe er „gottseidank keine Schmerzen“ mehr, es habe die vier erlaubten Trainings pro Woche gut verkraftet. „Jetzt brauche ich Kraft, dann kommt, glaube ich, alles wieder in Ordnung.“

Ob er im Knast ein anderer Mensch geworden sei, wollte einer der Reporter wissen. „Ich habe viel gelernt im Gefängnis“, sagte Breno, und er habe viel gebetet, „Gott hilft viel, ohne Gott geht“s nicht. „ Aber ist er ein anderer geworden? `Ich glaube, ich bin jetzt schon ein bisschen ein anderer Mensch.“

sid/dpa

Rubriklistenbild: © tz-online

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