Auch mehrere "kleine" Teams dabei

Löw verrät seine Geheimfavoriten

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Joachim Löw im Saipe Class Hotel in Costa do Sauípe

Costa do Sauípe - Joachim Löw hat vor der mit Spannung erwarteten WM-Gruppenauslosung eine persönliche Favoritenliste eins plus zehn für den Titelkampf im kommenden Sommer verraten.

Während zu Hause in „Alemanha“ das Orkantief „Xaver“ tobte, konnte Joachim Löw bei bestem Wetter am Strand der brasilianischen Atlantikküste noch einmal die möglichen WM-Gruppengegner durchgehen. „Für jede Mannschaft wird es ein Kampf und eine große Anstrengung, durch die Vorrunde zu kommen“, erklärte ein gut gelaunter Bundestrainer vor dem acht Millionen Euro teuren Auslosungsspektakel am diesem Freitag (17.00 Uhr MEZ/ARD Live) im noblen Urlaubsort Costa do Sauípe, tausende Kilometer weit weg von den Fußball-Tempeln in Rio de Janeiro oder Sao Paulo. Zu den 4800 geladenen Gästen in einem schmucklosen weißen Zelt gehören auch Löw und Teammanager Oliver Bierhoff.

Als die brasilianischen Fußballfans am Tag vor dem Startschuss zur Traum-WM ihre Zeitung aufschlugen, standen auf den Sportseiten nicht nur weitere Sorgengeschichten um die rechtzeitige Fertigstellung der WM-Stadien. Sie wurden auch von einem ungewöhnlichen Gruß aus dem fernen Deutschland überrascht. „Vocês nem imaginam o quanto de Brasil existe dentro de nós!“, übermittelten der deutsche Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm und Kollegen in ganzseitigen Anzeigen an den Zuckerhut: „Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel Brasilien in uns steckt.“

Mit der ungewöhnlichen Grußaktion beispielsweise in der Zeitung „Foilha de Sao Paulo“ will der dreimalige Weltmeister Deutschland vor der Auslosung ausdrücken: Wir wünschen der WM 2014 viel Erfolg. Noch gibt es auch in der brasilianischen Bevölkerung Skepsis, ob das Megaereignis für das von großen sozialen Gegensätzen geprägten Riesen-Land wirklich die von der eigenen Regierung und vom Fußball-Weltverband versprochenen Fortschritte bringt. „Die WM wird eine Riesen-Party, auf dem Spielfeld und außerhalb“, hofft dagegen der ehemalige brasilianische Superstar Ronaldo.

Löw selbst lernte am Donnerstag zusammen mit seinen 31 Trainer-Kollegen im Teamseminar organisatorische Besonderheiten und spezielle Details für das Turnier vom 12. Juni bis 13. Juli kommenden Jahres kennen. Die Vorrunden-Gegner bekommt der Bundestrainer vor Ort am Freitag serviert - Lothar Matthäus wird als einer von acht Lospaten an der brasilianischen Atlantikküste die Teamzettel aus den Töpfen ziehen.

„Natürlich wünsche ich mir nach 24 Jahren wieder einen WM-Titel. Ich traue ihnen das auch zu“, sagte der DFB-Rekordnationalspieler: „Aber viele träumen davon.“ Auch für andere Prominente wie den Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld oder Portugals Star Cristiano Ronaldo ist Deutschland ein ganz heißer Titelkandidat.

Löw hat vor der Gruppenauslosung eine persönliche Favoritenliste eins plus zehn für den Titelkampf im kommenden Sommer aufgestellt. „Brasilien ist der Topfavorit mit dieser Urkraft und Energie zu Hause“, erklärte der Bundestrainer vor der Auslosungs-Show. Der Gastgeber habe eine neue Qualität. „Das Team steht über dem Individualismus. Dazu kommt der Heimvorteil als Trumpfkarte“, betonte Löw, der mit seinem Team selbst den ganz großen Coup schaffen will.

Ein Selbstläufer aber werde schon die Gruppenphase nicht, warnte Löw nochmals. Obwohl Deutschland wie die Brasilianer in Lostopf eins gesetzt ist und in der Vorrunde nur auf ein weiteres europäisches Team wie Italien treffen kann, könnten beispielsweise mit der Elfenbeinküste und den von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann gecoachten US-Amerikanern starke Konkurrenz warten. Gegen die USA musste das DFB-Team, allerdings in Notbesetzung, in diesem Jahr die einzige Länderspiel-Niederlage einstecken (3:4).

Neben den Brasilianern ordnete Löw zwei weitere gesetzte Teams aus Südamerika in die Gruppe der Titelkandidaten ein. „Argentinien ist seit 2010 wieder sehr stark geworden. Kolumbien steht völlig zurecht so weit vorn in der Weltrangliste, eine physisch, technisch-taktisch hervorragende Mannschaft“, urteilte der DFB-Chefcoach, der zudem eine Anzahl von starken Verfolgern sieht: „Chile und Mexiko sind immer für Überraschungen gut.“ Auch diese beiden Nationen könnten bei der von 193 Länder im TV übertragen und von 2000 Medienvertreter begleiteten Auslosung zu Gruppen-Kontrahenten des DFB-Teams werden.

Löw sieht den fünften Titelkampf in Südamerika - bisher blieb dabei der Titel immer auf diesem Kontinent - als große Herausforderung. „Die Südamerikaner kennen Europa, viele spielen dort. Aber europäische Spieler, deutsche Spieler spielen nie in Südamerika. Man kann diese Erfahrungen den Spielern nicht nur durch Reden nahebringen“, sagte Löw: „Man muss mit dem Schwierigsten rechnen, vielleicht großer Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit, wenn man in der Amazonas-Region spielt, langen Reisen. Man muss Umstände bedingungslos annehmen.“

Die Liste der direkten WM-Favoriten ist für den 53-Jährigen noch länger: „Bei den Europäern ist es nach wie vor Spanien. Es ist natürlich Italien mit seinen großen taktischen Fähigkeiten. Die Niederlande sind mit Trainer Louis van Gaal auch wieder sehr stark geworden, haben in der Qualifikation gut gespielt. Frankreich kann immer weit kommen. Belgien ist vielleicht so etwas wie der Geheimfavorit“, bemerkte der Bundestrainer. Außerdem hätten 2014 einige Teams das Potenzial, die Großen zu ärgern: „Bei den Asiaten ist Japan stark.“

dpa

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