Nach Peps Äußerungen

Umbruch? Rummenigge warnt vor voreiligen Schlüssen

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Karl-Heinz Rummenigge.

München - Pep Guardiola kreidet sich persönlich „Riesenfehler“ gegen Real Madrid an. Sein Spielsystem stellt der Trainer aber nicht infrage. Das Pokalfinale gegen Dortmund wird zum Tag der Abrechnung.

40 Stunden Frustabbau gönnte Pep Guardiola seinen gefallene Champions nach der „heftigen Nacht“ gegen Real Madrid, die bei ihm vieles infrage stellte - aber nicht seine Fußballphilosophie. Erst am Tag der Arbeit mussten Philipp Lahm und Co. nach dem demütigenden 0:4 (0:3) gegen die „Königlichen“ wieder zum Training antreten, zur Vorbereitung auf das Ligaspiel beim Hamburger SV. Und zum Start des Countdowns für das DFB-Pokalendspiel gegen Borussia Dortmund, das nun das große Champions-League-Finale in Lissabon als letzten Höhepunkt einer plötzlichen Achterbahn-Saison ersetzen muss.

Nationalspieler Thomas Müller beschrieb den Ernst der Lage spontan mit drastischen Worten: „Wir müssen schauen, dass wir den Arsch wieder hochkriegen!“ Adiós historische Titelverteidigung, adiós erneutes Triple hieß es nach der Demontage im eigenen Stadion gegen ein auf den Punkt topfittes und von Trainer Carlo Ancelotti zweimal glänzend eingestelltes Real-Team um Weltfußballer Cristiano Ronaldo, das in München eigentlich die Höllennacht erleben sollte.

„Wir wurden abgestraft“, stöhnte Arjen Robben und empfahl: „Akzeptieren, weinen - und dann geht das Leben weiter. Wir müssen den Kopf hochnehmen, wir haben noch ein Pokalfinale.“ Das erste Vorbereitungsspiel für den 17. Mai steigt am Samstag beim abstiegsbedrohten HSV. „Das wird ein schwieriges Spiel nach so einer Niederlage und Ausscheiden gegen Real Madrid“, sagte Manuel Neuer.

Guardiola richtete den Blick schon weiter in die Zukunft. Seine persönlich höchste Niederlage als Trainer und die höchste Heimpleite in der ruhmreichen Europapokal-Historie des FC Bayern werden nicht ohne Konsequenzen bleiben. Der Spanier möchte den Club-Weltmeister noch radikaler auf seine Art Fußball ausrichten. „Jetzt gerade habe ich keine Argumente für meine Ideen“, gestand er im Moment des Scheiterns, für das er die Verantwortung übernahm: „Es war ein Riesenfehler des Trainers.“ Er habe sich bei der Taktik vertan. Aber die Lehrstunde bestärkte den Katalanen trotzdem darin, dass es für ihn zum Ballbesitzfußball keine Alternative geben kann: „Ich kann nicht das spielen, was ich nicht fühle. Wir müssen diskutieren.“

Guardiola eröffnete die Debatte mit einem Satz, der für den Verein teuer werden könnte. „Wir müssen uns Gedanken machen, ob das“ - er meinte sein Fußballsystem - „mit diesen Spielern das beste Rezept ist.“ Geld genug für Einkäufe wäre da, allein in der Königsklasse nahmen die Bayern über 50 Millionen Euro ein. „Bei allem Ärger muss man rational bleiben“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und warnte vor voreiligen Schlüssen aus einem einzigen Spiel, „in dem wir unsere Grenzen aufgezeigt bekommen haben“.

Bis zur Turbo-Meisterschaft im März wirkten dieselben Bayern, die gegen Real versagten und chancenlos waren, fast unbezwingbar. Der Stecker, der nach dem (zu frühen?) Titelgewinn auch von Guardiola gezogen wurde, muss ganz schnell wieder rein. „Kurz schütteln“, „schnell Wunden lecken“ und „Nerven behalten“, lauteten die ersten Anweisungen von Rummenigge und Sportvorstand Matthias Sammer.

Das Titelduell gegen Dortmund am 17. Mai muss nun darüber befinden, wie gut das erste Jahr unter Guardiola ausfällt. Reicht es noch zum mehr als ehrenwerten Double? „Wir werden die richtigen Antworten finden, um aus einer guten Saison mit dem Pokalsieg eine sehr gute zu machen“, versicherte Sammer. Man solle „bitte“ nicht den Stab über die Mannschaft brechen, forderte er: „Das hat sie nicht verdient.“

Guardiola führte das Aus auf fehlende Mittelfeld-Überlegenheit zurück. Ohne seinen verletzten Wunschspieler Thiago wirkten die Nationalspieler Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos überfordert gegen bärenstarke „Königliche“ um Cristiano Ronaldo. „Der Grund, warum wir verloren haben, ist: Wir hatten keinen Ballbesitz“, meinte Guardiola: „Wenn du gegen diese tollen Spieler von Real keine Spielkontrolle hast, hast du keine Chance.“

Dabei haben die zwei Standardsituationen, die das Spiel früh entschieden, wenig mit der Spielphilosophie zu tun. Sergio Ramos (16./20. Minute) schlug zweimal mit dem Kopf zu. „Da steht es 0:2 - und du weißt, dass es vorbei ist“, erkannte nicht nur Robben. Die Saisontore 15 und 16 des neuen Königsklassen-Rekordschützen Ronaldo (34./90.) machten das Debakel nur noch etwas schlimmer.

„Real Madrid setzt München in Brand“, titelte am Mittwoch die spanische Zeitung „ABC“. Und die italienische „Gazzetta dello Sport“ urteilte vernichtend: „Ein großartiges Real Madrid macht Guardiolas Tiki-Taka lächerlich.“ Der Druck, das Triple von Jupp Heynckes wiederholen zu wollen, fällt für Guardiola nun zumindest weg. Seine Arbeit, ein echtes Pep-Team zu formen, kann nun richtig beginnen.

Abwehrpatzer, Formschwächen etlicher Akteure und fehlgeleitete Energie wie beim übermotivierten Franck Ribéry, der im insgesamt 0:5 verlorenen Halbfinale mit einer Ohrfeige für Gegenspieler Daniel Carvajal den einzigen Bayern-Treffer setzte, führten ins Verderben. Der Kapitän weigerte sich jedoch, nun alles infrage zu stellen: „Jetzt wieder alles schlecht zu sehen, was wir in den letzten Wochen und Monaten getan haben - da mache ich nicht mit“, sagte Lahm. Abgerechnet wird zum Schluss - im Pokalfinale gegen Dortmund.

dpa

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