Nationaltrainer nimmt ihn mit

Trotz "Rücken": Ribéry auf jeden Fall zur WM

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Franck Ribéry.

Paris - Europas Fußballer des Jahres Franck Ribery wird trotz seiner chronischen Rückenbeschwerden mit der französischen Nationalmannschaft zur WM nach Brasilien reisen.

Franck Ribéry kann die Fragen nicht mehr hören. Wie realistisch ist seine WM-Teilnahme überhaupt noch? Was machen seine chronischen Rückenschmerzen? „Mein Körper lässt mich im schlimmsten Moment im Stich“, klagte der französische Superstar am vergangenen Wochenende vor einem TV-Journalisten. Die Situation sei sehr schwierig, sagte der Bayern-Dribbler der „Sport Bild“ (Montag). Selbst das staatliche Fernsehen spricht inzwischen von einem wahrscheinlichen WM-Aus, sogar Gerüchte über einen möglichen Bandscheibenvorfall machen die Runde.

In der Grande Nation geht das große Zittern um. Beim 1:1 im Testspiel am Sonntagabend gegen Paraguay stand der 32 Jahre alte Teamleader wegen seiner Verletzung nicht zur Verfügung. Dabei wollte Ribéry seine letzte WM eigentlich mit dem Titelgewinn krönen. „Ich weiß nicht, ob er zweifelt, aber er macht sich Sorgen und beginnt, irritiert zu reagieren“, verriet Sturmkollege Olivier Giroud nach dem Abpfiff in Nizza.

Frankreichs Trainer Didier Deschamps nahm unterdessen vorweg, dass Ribéry seinen Platz im 23-Mann-Kader bis zur letzten Sekunde behalten werde. Bis zum Vorabend des WM-Auftakts in zwei Wochen gegen Honduras kann Deschamps einen verletzten Profi ersetzen. „Unser erstes Ziel ist, dass Ribéry am nächsten Sonntag in Lille gegen eingesetzt werden“, sagte der Coach.

Wird der dritte und letzte Test der Franzosen gegen Jamaika die Nagelprobe für „König Franck“? Wie sehr ein Ausfall des Flügelflitzers die Équipe schwächen würde, wurde den 35 300 Zuschauern in Nizza und den Millionen vor den Bildschirmen schmerzhaft deutlich. Gegen ein Team, das im Gegensatz zum ersten Testgegner Norwegen (4:0) extrem defensiv eingestellt war, spielten sich die Hausherren zwar viele gute Torchancen heraus, Les Bleus zeigten aber bis auf den Treffer durch Antoine Griezman (82.) eklatante Abschlussschwächen.

Kein Wunder: Die Sportzeitung „L'Équipe“ wies am Montag darauf hin, dass in einem Team ohne Ribéry (16 Länderspieltore) und ohne den noch leicht angeschlagenen Karim Benzema (19) nur ein Kicker mehr als fünf Mal im Nationaltrikot getroffen hat. Und der - Arsenal-Profi Giroud - kommt gerade mal auf sieben Tore. Griezman traf gegen Paraguay gar zum ersten Mal. Zu allem Übel patzte in Nizza auch die Abwehr, die beim letzten von nur drei ernstgemeinten Vorstößen des Gegners den Ausgleich durch Víctor Cáceres (89.) zuließ.

Auf die Frage, wer denn Ribéry ersetzen könnte, antwortete Deschamps in Nizza kurz und vielsagend: „Franck ist Franck“. Viel Glück hatte der Mann aus Boulogne-sur-Mer bei großen internationalen Turnieren nicht wirklich. Bei seinem ersten großen WM-Auftritt 2006 in Deutschland wurde er immerhin Vizeweltmeister. Bei der Euro zwei Jahre später verletzte sich Ribéry allerdings schwer, sein Team schied schon nach der Vorrunde aus.

2010 folgte dann die Fiasko-WM von Südafrika, bei der Ribéry inmitten vieler Querelen daheim unter anderem für den berüchtigten Trainingsstreik von Knysna mitverantwortlich gemacht wurde. Bei der Euro 2012 konnten weder Ribéry noch das Team trotz akzeptabler Leistungen und einem Viertelfinal-Aus gegen den späteren Champ Spanien Wiedergutmachung betreiben.

Vielleicht schafft er es ja doch noch in ordentlichem Zustand zur WM. „Le Figaro“ befürchtet allerdings, dass es in einem so vorbelasteten Team nicht nur darum geht: „Hoffentlich beschmutzt das Hin und Her um Ribérys Verletzung nicht die Atmosphäre im Team, wie das bei (Zinedine) Zidane 2002 und bei (Patrick) Vieira 2008 der Fall war“, schrieb die Renommierzeitung am Montag.

Schon im WM-Fieber? Hier gibt's den Spielplan als PDF-Download, alle Termine, Anstoßzeiten und Hintergründe zu den WM-Gruppen.

dpa/sid

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