Blatter: "Untragbare Situation"

FIFA, IGB und DFB machen Katar Druck

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Sepp Blatter traf sich mit Michael Sommer, Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger

Zürich - In der FIFA-Zentrale in Zürich kam es zum Schulterschluss: Gemeinsam mit dem IGB und dem DFB übt der Weltverband wegen den schlechten Arbeitsbedingungen Druck auf Katar aus.

Der Fußball-Weltverband FIFA hat den seit Wochen aufgebrachten Gewerkschaften eine Beruhigungspille verpasst: Bei einem Treffen am Mittwoch in Zürich sicherte die FIFA dem Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein entschiedenes Vorgehen gegen die miserablen Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in Katar zu.

„Die FIFA will entsprechend ihrer internationalen Bedeutung und Verantwortung entschieden auf die Verantwortlichen in Katar einwirken“, sagte IGB-Präsident Michael Sommer nach dem Gespräch mit FIFA-Boss Joseph S. Blatter, DFB-Chef Wolfgang Niersbach und FIFA-Exekutivkomiteemitglied Theo Zwanziger.

„Die Wirtschaft und die Politik müssen mithelfen, die untragbare Situation in Katar zu verbessern“, forderte Blatter: „Ich bin überzeugt, dass Katar die Situation sehr ernst nimmt. Allein die Diskussion über Katar zeigt, wie wichtig der Fußball sein kann, um Öffentlichkeit zu erzeugen und dadurch Veränderungen anzustossen.“

Sommer machte gleichzeitig noch einmal klar, dass ihm Absichtserklärungen aber nicht reichen werden. „Wir Gewerkschaften bleiben bei unserer Forderung: Handeln die Verantwortlichen vor Ort nicht, müssen Konsequenzen folgen, und die WM 2022 muss Katar wieder weggenommen werden“, äußerte der Funktionär, der auch dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vorsteht: „Der Atem der internationalen Gewerkschaftsbewegung ist lang - und wir werden nicht ruhen, bis sich die Arbeitsbedingungen in Katar grundlegend verbessert haben.“

Blatter beauftragte Zwanziger, zusammen mit dem IGB den Dialog unter Einbindung von Menschenrechts- und Arbeitsrechtsorganisationen fortzuführen. Der ehemalige DFB-Präsident will schnelle Ergebnisse: „Das Ziel ist es, bereits bei der Sitzung des Exekutivkomitees im März 2014 über konkrete Maßnahmen vonseiten Katars berichten zu können.“

Nach Ansicht Sommers wurde am Mittwoch ein erster Schritt gemacht. „Im Gespräch hat die FIFA deutlich gemacht, dass sie ihre gesellschaftspolitische Verantwortung wahrnehmen und sich gemeinsam mit der Internationalen Gewerkschaftsbewegung dafür einsetzen will, dass die Situation der Wanderarbeiter in Katar nachhaltig verbessert wird“, sagte der Chef des IGB, der weltweit 176 Millionen Arbeitnehmer vertritt.

Sommer verdeutlichte noch einmal die Forderungen des IGB. „Seit Monaten klagen wir Gewerkschaften Rechte und bessere Arbeitsbedingungen für die 1,3 Millionen Wanderarbeiter in Katar ein. Außer unbestimmten, wohlfeilen Erklärungen seitens der katarischen Regierung ist bislang nichts passiert“, äußerte der 61-Jährige: „Der Wüstenstaat muss die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation garantieren und so Diskriminierung und Zwangsarbeit beseitigen sowie die Vereinigungsfreiheit für 1,3 Millionen Wanderarbeiter zulassen.“

Sommer sieht auch deutsche Firmen in der Verantwortung. „Die deutsche, europäische und internationale Wirtschaft darf nicht nur ihre ökonomischen Interessen verfolgen, sondern muss ihrer Verantwortung für die Beschäftigten auf den Baustellen in Katar nachkommen“, sagte der Gewerkschaftsboss: „Die Firmen, die in Katar als Generalunternehmer engagiert sind, müssen die Machenschaften ihrer Subunternehmer sofort stoppen und sich ihrer vollen Verantwortung und Haftung stellen.“

Zuletzt hatte Amnesty International in einem 153-seitigen Bericht miserable Zustände auf den Baustellen mit Verbindung zur WM 2022 in Katar dokumentiert und zu dringenden Reformen aufgerufen. Am Donnerstag wird im EU-Parlament eine Resolution verabschiedet, die die mangelhaften Lebensbedingungen der Gastarbeiter im Wüstenstaat beleuchtet.

Deutschlands Fußballfans sind größtenteils der Meinung, dass Katar die WM entzogen werden sollte. 60 Prozent der Befragten sprachen sich in einer repräsentativen Umfrage des Nürnberger Marktforschungsinstituts puls im Auftrag des Sport-Informations-Dienstes (SID) dafür aus.

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