Thomas Schaaf: Letzte Chance mit Hannover im alten Wohnzimmer Bremen

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Sentimentalitäten sind nicht gefragt, wenn Thomas Schaaf nach Bremen kommt.

Hannover - Von Tobias Brinkmann. Sentimentalitäten sind nicht gefragt, wenn Thomas Schaaf nach Bremen kommt. Dort trifft der Trainer von Hannover 96 auf seinen früheren Zögling Viktor Skripnik. Der aktuelle Werder-Coach kann Schaaf und das 96-Team in Richtung 2. Liga schießen. Schaaf mindert den Druck.

Die Rückkehr in sein altes Wohnzimmer hat sich Thomas Schaaf ganz anders vorgestellt. Der Coach des abgeschlagenen Tabellenletzten Hannover 96 muss am Samstag im Bremer Weserstadion unbedingt Punkte holen. Auch Werder steckt mitten im Abstiegskampf, doch trotz der sportlichen Brisanz dürften die Bremer Fans ihren Ex-Coach nicht mit Pfiffen empfangen. „Werder ist kein Endspiel“, erklärte Schaaf und versuchte, den Druck von seinem Team zu nehmen. „Noch sind insgesamt 30 Punkte zu vergeben.“

Doch bei einer Niederlage würden die realistischen Chancen auf den Klassenverbleib von 96 auf ein Minimum sinken. Sieben Punkte beträgt derzeit der Rückstand auf die Bremer, die auf Rang 15 der Bundesliga stehen. Daher zählen für Schaaf an seiner früheren Wirkungsstätte nur drei Punkte. „Wenn wir unser Ziel erreichen, hätten wir wieder Tuchfühlung auf die anderen Teams“, erklärte der 54 Jahre alte Trainer. Wenn nicht? Daran verschwendet Schaaf keinen Gedanken.

Auch die Vergangenheit will er am liebsten total ausblenden. Doch gerade vor diesem Spiel wird der Fußball-Lehrer damit konfrontiert. 41 Jahre war Schaaf insgesamt in Bremen aktiv. Erst als Profi, dann von 1999 an 14 Jahre lang als Coach.„Diese Erinnerungen sind verpackt und werden es auch bleiben, aber das Kapitel ist abgeschlossen. Ich werde alles dafür tun, dass wir ein gutes und erfolgreiches Spiel leisten“, antwortete Schaaf auf die Fragen nach der Vergangenheit.

Der Erfolgscoach, der Werder zu einer deutschen Meisterschaft, drei DFB-Pokalsiegen und sechs Champions-League-Teilnahmen führte, würde auch über 96-Tore im Weserstadion jubeln. „Es ist sogar meine Pflicht, dass ich mich für meine Mannschaft freue“, erklärte Schaaf. Aber nicht aus mangelndem Respekt vor dem Ex-Verein. „Es ist viel wichtiger, dass man seinem aktuellen Verein Respekt zeugt, dass man zeigt, dass man sich mit seiner Aufgabe identifiziert.“

Doch wer soll eigentlich Tore schießen? Dreimal trafen die 96-Profis in der Rückrunde, zwei Treffer erzielte Abwehrchef Christian Schulz, ebenfalls ein Ex-Bremer. Auch Hoffnungsträger Hugo Almeida war dort aktiv. Der 96-Stürmer muss nach seiner nachträglichen Sperre aber weiter aussetzen. Für Werder war der Portugiese zwischen 2006 und Januar 2011 in 176 Pflichtspielen immerhin 63 Mal erfolgreich.

Wie gerne hätte Schaaf jetzt vielleicht einen Claudio Pizarro in seinen Reihen. 1999 holte er den Peruaner nach Bremen und formte ihn zu einem Top-Angreifer. Mit zehn Treffern ist Pizarro Werders Lebensversicherung im Abstiegskampf. „Ein überragender Mensch und Spieler. Wir hatten sehr viel Freude gemeinsam“, urteilte Schaaf und fügte schmunzelnd hinzu: „Die muss er aber am Samstag nicht haben.“

Mitgefühl kommt aus Bremen nicht. Weder von Trainer Viktor Skripnik, der fünf Jahre unter Schaaf spielte, noch von Pizarro selbst. „Wichtig ist, dass wir gegen Hannover gewinnen“, erklärte der beste ausländische Torjäger der Bundesliga. „Sonst spielen wir in der 2. Liga.“

dpa

14 Jahre Thomas Schaaf bei Werder Bremen

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