Rückendeckung vom DFB-Chef

Steueraffäre: Niersbach stellt sich hinter Hoeneß

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Kritiker halten Uli Hoeneß (r.) spätestens seit der offiziellen Anklage wegen Steuerhinterziehung für nicht mehr haltbar als Aufsichtsrats-Chef des FC Bayern. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sich hinter seinen Freund gestellt.

Frankfurt/Main - DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sich in der Steueraffäre um Uli Hoeneß deutlich hinter den Präsidenten des FC Bayern München gestellt.

Rückendeckung für Uli Hoeneß, Klagedrohung gegen Viagogo, klare Kante gegen Rechtsextremismus - Wolfgang Niersbach hat am Wochenende zu vielen Reizthemen Klartext gesprochen. Nur der Frage, ob er 2015 UEFA-Präsident werden will, wich der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ungeachtet einer warmen Wahlkampfrede des Liga-Chefs Reinhard Rauball erneut aus.

„Meine Sache ist der deutsche Fußball, ich bin mit Herz und Seele DFB-Präsident. Aus dieser Funktion heraus macht mir die Arbeit auf internationaler Ebene Spaß“, sagte Niersbach der Bild am Sonntag und verwies auf viele offene Fragen: „Zieht Blatter (FIFA-Präsident Joseph S. Blatter, d.Red.) zurück? Oder tritt Platini auch zur Wahl zum FIFA-Präsidenten an, wenn er einen Zweikampf mit Blatter führen muss? Riskiert er das? Letztlich wissen wir erst im Mai 2015, wie es bei FIFA und UEFA weitergeht.“

Rauball brachte Niersbach im Doppel-Interview erneut als kommenden Kopf der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Stellung. „Wolfgang kann es!“, sagte Rauball und kündigte seine Unterstützung für den Fall an, dass UEFA-Präsident Michel Platini 2015 an die Spitze des Weltverbandes FIFA rückt: „Sollte Platini FIFA-Präsident werden, werde ich Wolfgang dringend zur Kandidatur für das Amt des UEFA-Präsidenten raten.“

Niersbach habe „definitiv“ die Qualitäten für einen UEFA-Präsidenten, sagte Rauball. „Deshalb habe auch ich ihn, wie andere dies auch gemacht haben, für das Amt und die Nachfolge von Michel Platini ins Gespräch gebracht. Es gibt nicht viele Personen im europäischen Fußball, die das könnten.“

Ähnlich denkt Niersbach selbst offensichtlich über Uli Hoeneß, den Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden von Bayern München. Überdeutlich stärkte der 62-Jährige seinem alten Freund, der wegen Steuerhinterziehung angeklagt ist, den Rücken. „Ich sage offen: Ich würde ihm als Freund wünschen, dass er seine großartige Arbeit für den FC Bayern fortsetzen kann“, sagte er.

Rauball, zugleich Präsident des FC-Bayern-Rivalen Borussia Dortmund, äußerte sich erwartungsgemäß zurückhaltender, er sieht jedoch keinen Grund für populistische Rücktrittsforderungen. „Das müssen Sie den Aufsichtsrat von Bayern München fragen. In den Ligastatuten gibt es jedenfalls keine Bestimmungen, unter welchen Gesichtspunkten jemand ein solch exponiertes Amt führen darf“, sagte er.

Niersbach wiederum überraschte nicht nur mit seinem klaren Bekenntnis zu Hoeneß. Er offenbarte auch, dass der DFB juristische Schritte gegen den umstrittenen Tickethändler Viagogo erwägt. Das Unternehmen habe „schon Karten für das Länderspiel in Stuttgart gegen Chile im Jahr 2014 angeboten. Für diese Karten haben wir noch nicht mal Preise festgelegt. Diese Vorgehensweise halte ich für unseriös“, sagte er: „Unsere Juristen befassen sich mit dem Thema. Es kann nicht sein, dass jemand Karten für unsere Veranstaltungen anbietet, obwohl er keinen entsprechenden Vertrag mit dem DFB hat.“

Niersbach und Rauball eint ein tiefer Abscheu gegenüber Rechtsextremismus. Rauball kritisierte sogar die Bundesregierung im Zusammenhang mit dem gescheiterten Verbotsantrag gegen die NPD. „Für mich ist es nach wie vor ein Armutszeugnis, dass in das Thema keine Bewegung kommt. Die Bundesregierung hat nach einem Jahrzehnt des Nachdenkens die Bedenken immer noch nicht ausgeräumt, die das Bundesverfassungsgericht moniert hat. Oder sie will es einfach nicht“, sagte er, und fügte an: „Es ist ein gebotener Schritt gegenüber der Gesellschaft, dass man mögliche Risiken eines Prozesses einkalkuliert, um ein klares Zeichen gegen Rechts zu setzen.“

Niersbach sieht einen Bundesligisten in einer Vorreiterrolle. „Werder Bremen hat es der Politik vorgemacht und nach monatelangem Kampf ein Urteil erwirkt, durch das ein NPD-Mitglied aus dem Verein ausgeschlossen werden konnte. Und zwar, weil seine rechte Gesinnung im Gegensatz zu Werders Vereinssatzung stand. Das war ein wichtiges Signal“, sagte der DFB-Präsident.

sid

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