Neid und Respekt

So sieht das Ausland das deutsche CL-Finale

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Die Bayern wollen auch am Samstag jubeln

Berlin - Das europäische Ausland blickt mit gemischten Gefühlen auf das deutsche Champions-League-Finale. Unter Neid mischt sich Anerkennung - und der Wunsch, es ebenso zu machen.

Niedrige Jugendarbeitslosigkeit, stabile Regierung, Fels in der Brandung einer europaweiten Rezession - und jetzt machen die Deutschen auch noch das Champions-League-Finale unter sich aus. Viele Fußballfans aus England, Spanien, Italien, Frankreich und Portugal verspüren mit Blick auf das große Spiel an diesem Samstag (25. Mai) in London wenig Begeisterung. Kommentatoren in diesen Ländern treibt dieser Tage die Frage um: Wie machen die Deutschen das? Ist es ihre vielbeschworene Arbeitswut, die sie erfolgreicher sein lässt als ihre Nachbarn - jetzt auch im Fußball? Ist es der ihnen nachgesagte Perfektionismus, ihr Fleiß und ihre Verbissenheit?

Was in den Kommentarspalten vieler europäischer Zeitungen zu lesen ist, bedient auch Klischees. Alte Ressentiments bleiben spürbar, neue sind im Zuge der Finanzkrise dazugekommen. Immer wieder schwingt aber auch Bewunderung mit: Deutschland als Vorbild - für einige Kommentatoren durchaus eine Option. Etwa in der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“: „Dieses Mal reden wir über Fußball, die Deutschen fahren ins Wembley-Stadion. Aber die Lektion von Ordnung und Talent gilt über den Fußball hinaus und betrifft alle anderen europäischen Völker.“

Im Gastgeberland England, wo das Deutschlandbild noch immer häufig von der Erinnerung an die Nazi-Zeit beeinflusst wird, brachte die Leistung der deutschen Fußballer neue Erkenntnisse. „Das teutonische Modell lehrt uns Dinge, auf die wir hören sollten“, schreibt zum Beispiel ein Kommentator im „Independent“. Die - zumindest im Vergleich zu England - finanziell nachhaltige Art, deutsche Fußballclubs zu führen, sei ein Spiegelbild des Landes. Der „New Statesman“ untermauert diese These und fragt gar auf einem Titelbild: „Warum können wir nicht etwas mehr Deutschland sein?“

Die portugiesische Sportzeitung „Record“ formuliert es so: „Am Ende gewinnen immer die Deutschen. So wie in der Wirtschaft, beginnt Deutschland nun auch im Fußball-Europa seine Stärke zu zeigen. Bayern und Dortmund bringen die Vorzüge des germanischen Modells deutlich zur Geltung: eine beneidenswerte finanzielle Gesundheit, gepaart mit einer Konzentration auf die Ausbildung.“

Mit ironischem Unterton, aber nicht ohne ernsten Hintergrund, kommentiert die spanische Online-Zeitung Republica.com: „Deutschland, das unser Leben schon so sehr bestimmt, entzieht uns nun auch den Balsam der Champions League. Nun haben wir noch mehr Gründe, Angela Merkel das Schlimmste zu wünschen.“ Viele Spanier geben Deutschland die Schuld an den von ihnen als zu hart empfundenen Sparauflagen. Noch schärfer wird der Ton in Portugal, wo über die Deutschen nicht erst seit kurzem sehr geschimpft wird. „Die deutsche Vorherrschaft in Europa breitet sich jetzt auf den Fußball aus“, warnt die portugiesische Zeitung „Público“.

Real-Madrids Ehrenpräsident und Fußball-Legende Alfredo di Stéfano liefert eine zugespitzte Kurzanalyse der Bundesbürger: „Die Deutschen arbeiten wie Maschinen. Ob im Fußball, in der Wirtschaft oder in der Wissenschaft, ihre stärkste Waffe ist der teutonische Stolz. Manchmal wirkt Deutschland wie eine Insel mitten in Europa.“ Auch nach Meinung der spanischen Zeitung „El País“ liegen die Gründe des deutschen Erfolges tiefer: „Wie es dem Wesen der Deutschen entspricht, wurde der Erfolg geplant.“ Und die französische Wirtschaftszeitung „Les Echos“ schreibt: „Deutschlands Stärke im Fußball und in so vielen anderen Bereichen? Das liegt am Pragmatismus.“

Frankreich diskutiert nicht erst seit dem „Machtwechsel“ im europäischen Fußball, ob es eine deutsche Vorherrschaft gibt. Der Erfolg der deutschen Wirtschaft lässt Kommentatoren und Spitzenpolitiker seit Monaten immer wieder über die Grenze blicken. Dabei gibt es auf der einen Seite Bewunderung, auf der anderen aber auch Skepsis. Hatte der konservative Präsident Nicolas Sarkozy das „deutsche Modell“ noch kräftig gelobt, macht sein sozialistischer Nachfolger François Hollande keinen Hehl aus seiner Ablehnung der rigiden deutschen Sparpolitik.

Auch die italienische Nachrichtenagentur Ansa geht auf die deutsche Stärke ein. Zum Finaleinzug der beiden deutschen Teams schreibt sie: „Auf dem Dach Europas weht die deutsche Fahne.“ Und an anderer Stelle: „Zuerst setzte Deutschland auf den europäischen Märkten Maßstäbe, jetzt macht es auch im Fußball die Gesetze.“

Wie andere europäische Medien schreibt die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ den - nicht nur sportlichen - Erfolg einer bestimmten deutschen Mentalität zu: „Die größte Lektion: sich anstrengen, sich verbessern, nicht auf das Wunder vertrauen. (...) Während wir gefaulenzt haben, hat Deutschland in den vergangenen 20 Jahren gravierende Reformen durchgesetzt und eine strategische Entscheidung getroffen.“

dpa

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