Löw hat nicht immer Ronaldo im Kopf, aber oft

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Das WM-Horoskop – Joachim Löw sagte gestern schon voraus, dass er nicht mit elf und auch nicht mit 14 Spielern auskommen wird, sondern alle 23 eine wichtige Rolle spielen werden. 

Santo Andre - Von Günter Klein. Er ist früh unterwegs. Der Erste am Strand. Um sechs Uhr am Morgen soll Joachim Löw am Campo Bahia immer schon zum täglichen Jogging aufbrechen.

„Um sechs Uhr bin ich schon wieder zurück“, scherzt der Bundestrainer. Es ist seine Zeit der Muße, „mein sportlicher Ausgleich“. Gedanken an Fußball, an die WM belasten ihn nicht, wenn er die Füße auf den feuchten Sand setzt: „Es ist nicht so, dass ich nur in der einen Welt lebe, in der ich an Cristiano Ronaldo denke.“

Joachim Löw hat gestern erstmals seit der Ankunft in Brasilien öffentlich über seine Gemütslage gesprochen, hat zum Beispiel den Satz „Es geht mir überdurchschnittlich gut“ über den Trainingsplatz geschmettert; danach verkündete er vom Pressekonferenz-Podium herab seine frohen Botschaften.

Nummer eins: „Die Mannschaft ist in einem mental sehr guten Zustand.“

Nummer zwei: „Bei den Verletzungen gibt es keine Sorgen. Alle 23 Spieler stehen für den Montag zur Verfügung.“ Wenn es für die Deutschen bei der WM dann auch losgeht, mit dem Spiel gegen Portugal.

Lahm wechselt ins Mittelfeld

Und Nummer drei: Die Simulation eines Spieltags am Mittwoch ist gut gelaufen. „Wir haben fast zwei Stunden trainiert und sind dabei in den roten Bereich vorgedrungen.“ Die Mannschaft habe sich an die klimatischen Bedingungen, die man am Montag beim 13-Uhr-Ortszeit-Spiel im 700 km von Santo Andre entfernten Salvador vorfinden werde, gewöhnt, „auch wenn keiner mit trockenem Trikot vom Trainingsplatz geht“. Man habe den richtigen Standort gewählt: „Aus der Kühle von Sao Paulo oder Porto Alegre in die Hitze zu reisen, das wäre problematischer gewesen.“

Ein paar Entscheidungen hat der Bundestrainer bereits getroffen. Spielt Kapitän Philipp Lahm im Mittelfeld? „Sieht so aus, als wäre das für Montag die Lösung“, erklärt Löw. Dadurch ist auch klar, dass Lahms Münchner Kollege Jerome Boateng den rechten Verteidiger geben wird – 2012 hat er im EM-Auftaktspiel gegen Portugals Superstar Cristiano Ronaldo ziemlich gut agiert, das ist seine Empfehlung. Seine Lieblingposition in der Abwehrmitte muss er aufgeben, doch das trifft auch auf Benedikt Höwedes zu. Der Schalker ist als linker Verteidiger gefragt. Plötzlich ist die Viererabwehrkette mit vier gelernten Innenverteidigern (innen: Mertesacker, Hummels) zum Modell geworden. „Bei diesem Turnier“, glaubt Joachim Löw, „braucht man keine so hoch stehenden und offensiven Außenverteidiger wie in der Qualifikation, wo alle gegen uns sehr defensiv gespielt haben.“ Er sieht folgende Vorteile: „Alle vier sind groß, kopfball- und zweikampfstark, wir können das Zentrum eher zumachen, was in den vergangenen zwei Jahren unser Problem war.“

Dass die wohl dauerhafte Versetzung des Außenverteidigers Lahm ins Mittelfeld die Konkurrenzsituation verschärft, nimmt Löw in Kauf. Doch er hat in seiner Argumentation gegenüber der Mannschaft und den von einer Nichtberücksichtigung für die Anfangs-Elf betroffenen Akteuren vorgebeugt. „Wir haben keine Stammspieler, sondern 23 WM-Teilnehmer, von denen jeder in jeder Sekunde in höchster Alarmbereitschaft ist. Elf spielen von Beginn an und haben die Aufgabe, den Gegner zu bearbeiten, um eine gute Ausgangsposition zu schaffen. In der zweiten Halbzeit beginnt eine zweite Phase, in der drei Spieler hereinkommen, die uns neue Energie geben und frische Impulse setzen.“

Die klassische Elf wird ersetzt durch „14 Spezialkräfte“. Und nicht nur im Spiel will Löw wechseln, sondern auch zwischen den Partien: „Es ist keine Strafe, nicht ab Minute eins auf dem Platz zu sein – diese Einsicht muss bei jedem vorhanden sein.“

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