Ohne Schminke und Superstars

Usbekistan auf dem Weg nach Brasilien

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Das usbekische Nationalteam um Ulugbek Bakoev (weißes Trikot) steht vor der Qualifikation für die Fußball-WM 2014.

Taschkent - Die Fußball von Usbekistan steht fast unbemerkt vom Rest der Welt kurz vor der ersten WM-Teilnahme. Dabei ist der beste Spieler eher unbekannt und die Fans dürfen sich nicht schminken.

Der bislang wichtigste Treffer der usbekischen Fußball-Geschichte war kein besonders schöner. Ein Linksschuss des Kapitäns Serwer Djeparow, von zwei Abwehrbeinen so unglücklich abgefälscht, dass der libanesische Torhüter Abbas Hassan während eines letzten verzweifelten Hüpfers in die richtige Richtung nur zuschauen konnte, wie der Ball über die Linie hoppelte.

Was dem Tor Djeparows an Eleganz fehlte, machte es an Bedeutung wett. Durch den 1:0-Sieg Usbekistans gegen den Libanon stehen die Zentralasiaten nur noch einen Schritt vor ihrer ersten WM-Teilnahme. Mit einem weiteren Erfolg in den letzten beiden Partien der Qualifikation wären die „weißen Wölfe“ so gut wie sicher in Brasilien dabei.

Für Thomas Brdaric ist das nicht verwunderlich. „In Usbekistan wird seit Jahren nachhaltig gearbeitet, sie haben sich sukzessive gesteigert“, sagt der ehemalige deutsche Nationalspieler, der 2012 als Sportdirektor des nationalen Topteams Bunyodkor PFK tätig war, dem SID.

Dort standen auch schon Brasiliens Star Rivaldo sowie dessen Landsleute, die Star-Trainer Zico und Luiz Felipe Scolari, unter Vertrag. Das Geld zur Zahlungen von Millionen-Salären stammte von nationalen Energie-Unternehmen, die den Klub unterstützten und den Fußball in Usbekistan auf die Beine helfen wollten.

Eine Überraschung wäre die Teilnahme an der WM nur aus europäischer Sicht: Auch wenn das Team von Trainer Mirjalol Kasimow außerhalb Asiens bislang noch nicht auf sich aufmerksam gemacht hat, auf dem größten Kontinent der Erde spielen die Usbeken schon länger eine tragende Rolle.

2011 landete die Mannschaft nach starken Auftritten beim Asien-Cup auf Rang vier, bei den beiden Kontinentalturnieren zuvor erreichten sie immerhin das Viertelfinale. Aktuell steht Usbekistan auf Rang 59 der FIFA-Weltrangliste - vor Polen, Südafrika oder Ägypten. Bei einer Endrunde traut Brdaric den Usbeken einiges zu: „Sie sind hungrig. Auch wenn sie vielleicht nicht weiterkommen würden, spielt die Mannschaft einen gepflegten Fußball und ist sehr unangenehm.“

Leistungsträger und Kapitän der Auswahl ist der Siegtorschütze Djeparow. Der zweimalige Fußballer des Jahres Asiens ist in der WM-Qualifikation als Freistoßspezialist neben den Stürmern Aleksandr Gejnrich und Sanschar Tursunow mit drei Toren der erfolgreichste Schütze Usbekistans, der wenig sehenswerte Treffer gegen Libanon war für den Regisseur in Diensten des südkoreanischen Erstligisten Seongnam Ilhwa Chunma eher untypisch.

„Er ist ein leichtfüßiger Spieler, der sicher auch in Europa für Aufmerksamkeit sorgen würde“, sagt Brdaric. 2008 wurde der Techniker, der seine Treffer per Salto feiert, sogar kurzzeitig vom FC Chelsea umworben. Ein angedachtes Probetraining kam aber aus Termingründen nicht zustande.

Der Enthusiasmus im Land ist auch so groß: Vor dem wichtigen Spiel gegen den Libanon standen 1500 Fans an den Ticketkassen an. Als klar wurde, dass nicht genügend Eintrittskarten vorrätig sind, gab es kleinere Unruhen. In dem stark vom Islam geprägten Land werden solche Ausbrüche noch weniger gerne gesehen als in anderen.

Da passt es ins Bild, dass das Sportministerium unlängst strenge Verhaltensregeln für die Zuschauer im Stadion aufstellte. Verboten sind jede Art von Gesichtsbemalung, beleidigende Fangesänge oder Plakate sowie Alkohol und Tiere im Stadion.

SID

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