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Lewa und Götze: So gezielt kauft Bayern ein

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Jan Schlaudraff (l.), Lewandowski, Götze und Kahn. Die Bayern schwächen mit den Einkäufen auch immer die Konkurrenz.

München - Bayern München steht im Verdacht, immer wieder tragende Säulen aus den Mannschaften von Konkurrenten zu brechen. Uli Hoeneß erklärt jedoch, dies sei nicht (mehr) die Strategie beim Rekordmeister.

Methode sei das nicht mehr beim FC Bayern, versichern Uli Hoeneß und Matthias Sammer. So sehr es auch danach aussehen mag. „Konkurrenten zu schwächen, ist nicht unser Credo. Wir agieren nur für uns, das macht uns stark“, sagte Sportvorstand Sammer in der vergangenen Woche der Sport Bild. Hoeneß hatte zuvor schon betont: „Das haben wir früher mal gemacht, aber das kann nur ein Nebenaspekt sein.“

Dennoch: Schwingt ein Gegner sich auf, ein ernsthafter Konkurrent zu werden, haben die Offiziellen von Bayern München seit jeher auf ihr legendäres Festgeldkonto zurückgegriffen. Sich selbst stärken und den Gegner schwächen - einen besseren Transfer kann es ja nicht geben. So war es zuletzt bei Mario Götze, so ist es nun bei Robert Lewandowski. Borussia Dortmund, der deutsche Meister von 2011 und 2012, reizte die Bayern bis aufs Blut, stand sogar im Champions-League-Finale. Nun muss der BVB doppelt bluten.

Auch wenn Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im Gespräch mit der FAZ am Sonntag beteuert, das sei alles „ganz normal“, wird er sich insgeheim auf die Lippe beißen. Nach dem Transfer Götzes hatte er noch erklärt, er glaube, „dass Bayern seit vielen Jahren das gleiche Erfolgsschema verfolgt. Dazu gehört seit jeher auch, den Konkurrenten zu schwächen.“ Angriffe aus München seien einkalkuliert, „allen Solidaritätsaussagen zum Trotz“.

Lewandowski: Chronik des langwierigen Wechsels

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Dass hinter der Transferpolitik Kalkül steckt, bestätigt auch Ottmar Hitzfeld. „Es ist die Strategie von Bayern München, dass man nicht nur sich stärkt, sondern auch die direkte Konkurrenz schwächt“, sagte der Ex-Trainer beider Vereine: „Und Dortmund ist der große Konkurrent. Von daher ist das klar Strategie.“

Als Urvater derartiger Bayern-Transfers gilt der von Calle Del'Haye, den die Bayern 1980 von Borussia Mönchengladbach holten - für die damalige Rekordsumme von 1,3 Millionen Mark, und das, obwohl er überhaupt nicht ins System passte. Manchmal kauften die Münchner einen Spieler auch deshalb, damit die Konkurrenz ihn nicht bekommt. So beim Aachener Jan Schlaudraff, an dem 2007 auch Werder Bremen interessiert war. Man müsse eben mal zeigen, dass niemand den Bayern das Wasser reichen könne, sagte Hoeneß damals. Er luchste den Bremern auch Miroslav Klose ab.

Schon seit den 90er Jahren Methode

Dem Werder-Angriff in den 90er Jahren hatten sie mit den Abwerbungen von Mario Basler, Andreas Herzog oder sogar Trainer Otto Rehhagel ins Leere laufen lassen. „König Otto“ scheiterte in München, doch Werder erholte sich von seinem Abgang über Jahre nicht.

Den aufmüpfigen Karlsruhern „raubten“ die Bayern in Michael Sternkopf, Mehmet Scholl, Oliver Kahn, Thorsten Fink und Oliver Kreuzer. DFB-Pokal-Sieger VfB Stuttgart musste 1997 Giovane Elber ziehen lassen, 2009 dann Mario Gomez.

Bayer Leverkusen zauberte 2002 einen Sommer, dann warben die Münchner dem Werksklub Michael Ballack und Ze Roberto ab. Bayer stieg im Jahr darauf fast ab und musste aus finanziellen Gründen auch noch Lucio an die Isar transferieren. Schon 1992 hatten sich die Bayern Jorginho geschnappt.

Gescheitert sind die Bayern - auf den ersten Blick - mit dieser Taktik nur einmal, ausgerechnet beim BVB: Mitte der 90er warben sie um Stefan Reuter, Matthias Sammer oder Steffen Freund. Sie alle blieben bei den Westfalen - und doch hatten die Bayern bei genauerem Hinsehen Erfolg. Denn das Trio pokerte beim BVB sein Gehalt hoch. Der zahlte, um weiter mithalten zu können, und stand kurz darauf vor dem finanziellen Kollaps.

SID

 

Die Chronik

Borussia Mönchengladbach: Für die damalige Rekordsumme von 1,3 Millionen Mark verpflichten die Bayern 1980, ein Jahr nach dem Amtsantritt von Manager Uli Hoeneß, Calle Del'Haye von Borussia Mönchengladbach, dem Dauer-Rivalen der 70er. Dabei können sie mit dem Flügelstürmer allein schon vom System her wenig anfangen. Del'Haye wird zum Bankdrücker und spricht später gar von „Psycho-Terror“. Als Gladbach 1983 und 84 wieder heranrückt, holen die Bayern auch noch Lothar Matthäus.

1. FC Nürnberg: Im Frankenland wächst eine Gefahr heran. Nürnberg wird nach dem Aufstieg 1985 nacheinander Zwölfter, Neunter und Fünfter. Also holen die Bayern nacheinander Hans Dorfner (1986), Stefan Reuter, Roland Grahammer (beide 1988) und Manfred Schwabl (1989). Der Club spielt künftig wieder in unteren Tabellenregionen.

1. FC Köln: 1989 werden die Kölner Zweiter und sitzen den Bayern mit dem forschen Trainer-Frischling Christoph Daum dicht im Nacken. Die Bayern geben 1,5 Millionen Euro für Jürgen Kohler aus und bekommen den Abwehrchef des Vize-Meisters. Der FC wird 1990 noch einmal Zweiter, danach ist er nie wieder so gut.

Karlsruher SC: Der KSC stürmt in den frühen 90ern die Bundesliga und sogar Europa. Trainer Winfried Schäfer spricht vom Meistertitel bis 2000. Nicht mit den Bayern. 1990 wechselt Michael Sternkopf an die Isar, 1991 Oliver Kreuzer, 1992 Mehmet Scholl, 1995 Oliver Kahn, 1997 folgen Thorsten Fink und Michael Tarnat. Nun sind die Badener mürbe, 1998 steigen sie ab.

1. FC Kaiserslautern: 1991 werden die Pfälzer sensationell deutscher Meister. Im Jahr des Lauterer Titels holen die Bayern Bruno Labbadia, 1993 folgt Jungstar Marcel Witeczek, weitere zwei Jahre später Spielmacher Ciriaco Sforza. In der Folge-Saison muss Kaiserslautern in die 2. Liga. Nach der Rückkehr wird der FCK 1998 wieder Meister und danach zweimal Fünfter. Also kaufen die Bayern erneut Sforza.

Werder Bremen: Unter Trainer Otto Rehhagel wird Werder zum größten Dauer-Konkurrenten seit Gladbachs Fohlen. Also greifen die Bayern zu altbekannten Mitteln: 1995 holen sie Andreas Herzog und Rehhagel, ein Jahr später Mario Basler. Werder stürzt ab und kommt erst Jahre später wieder nach oben. Und wieder schlägt Bayern zu: 2005 kaufen die Münchner Abwehrchef Valerien Ismael, zwei Jahre später Torjäger Miroslav Klose. Und sie verpflichten sogar Jan Schlaudraff aus Aachen, nur damit der nicht zu Werder geht. Nach Werders zweitem Platz 2008 zieht auch Tim Borowski zum Rekordmeister weiter.

VfB Stuttgart: Mit dem heutigen Bundestrainer Joachim Löw und dem „magischen Dreieck“ Krassimir Balakow, Giovane Elber und Fredi Bobic wird der VfB zum ernsthaften Konkurrenten. 1997 werden die Schwaben DFB-Pokal-Sieger, Elber schießt beide Tore im Finale gegen Energie Cottbus - und geht danach zu den Bayern. Stuttgart erreicht im Jahr danach das Finale im Europapokal der Pokalsieger, wird in der Liga aber nur noch Elfter. 2009, nachdem der VfB nacheinander Meister, Sechster und Dritter wurde, holen die Bayern Mario Gomez für die Rekordsumme von 35 Millionen, die erst von Götze geknackt wurde.

Bayer Leverkusen: Um die Jahrtausendwende hat Bayer seine stärkste Zeit. Zwar versagen die Rheinländer immer im entscheidenden Moment, aber Bayern geht auf Nummer sicher. 2001 kommt Robert Kovac, nach Leverkusens „Vize-Triple“ 2002 folgen Ze Roberto und Michael Ballack, 2004 dann Lucio. Bayer ist bis heute nicht Meister geworden.

Schalke 04: Wie Leverkusen schaffte es auch Schalke in der Bundesliga nie, Meister zu werden. Aber auch dort bedient sich der Rekordchampion. Nach dessen drei Toren im legendären 6:6 im DFB-Pokal verpflichten sie Olaf Thon (allerdings nach Schalker dem Abstieg), ein Jahr nach Schalkes UEFA-Cup-Sieg 1997 holen sie Thomas Linke, nach dem Halbfinal-Einzug der Gelsenkirchener in der Champions League 2011 wechselt Torhüter Manuel Neuer die Seiten.

Keine Abwerbungen gab es lediglich beim HSV in den frühen 80ern und bei Dortmund Mitte der 90er. Dem BVB luchsten die Bayern nach dessen Vize-Meisterschaft 1992 immerhin Thomas Helmer ab. Bei Matthias Sammer, Stefan Reuter und Steffen Freund blitzen sie ab.

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