"Verzeihe jedem, aber vergesse nicht"

Nach Wiederwahl: Blatter droht Platini und UEFA

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Eisiger Frieden zwischen Sepp Blatter und Michel Platini auf dem FIFA-Kongress.

Zürich - Europa muss sich nach der Wiederwahl von FIFA-Boss Joseph S. Blatter (Schweiz) auf schwere Zeiten im kriselnden Fußball-Weltverband einstellen.

Der am Freitag für eine fünfte Amtszeit gewählte Verbandschef warf seinen europäischen Widersachern im Schweizer Fernsehen „Hass“ gegen seine Person vor und drohte seinem französischen Amtskollegen Michel Platini vom Europa-Verband UEFA unverhohlen einen Gegenschlag für die öffentliche Forderung nach Blatters Rücktritt vor dem Kongress an: „Ich verzeihe jedem, aber ich vergesse nicht.“

Bereits kurz nach seiner Bestätigung im Amt hatte Blatter vor den Delegierten der 209 FIFA-Mitgliedsverbände Verschiebungen im Machtgefüge des Weltverbandes zu Lasten Europas angedeutet. Mit Blick auf die Sitzung des Exekutivkomitees am Samstag zielten die Anmerkungen des 79-Jährigen besonders auf eine Beschneidung des Einflusses von Europäern in der „Weltregierung des Fußballs“ und auf eine Reduzierung der Teilnehmer vom Alten Kontinent an WM-Endrunden.

Aktueller Hintergrund von Blatters Verärgerung ist Europas Kritik an seiner Wiederwahl. Die UEFA und Vertreter einzelner Mitgliedsverbände wie Präsident Wolfgang Niersbach vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) hatten sich am vergangenen Mittwoch nach den Verhaftungen von zwei FIFA-Vizepräsidenten und mehreren weiteren Topfunktionären wegen Korruption im Zusammenhang mit Fußball-Geschäften eindeutig gegen eine weitere Amtszeit von Blatter ausgesprochen. Die UEFA hatte bereits vor den Ereignissen in Zürich mehrheitlich Blatters jordanischen Herausforderer Prinz Ali bin Al Hussein unterstützt.

Den Widerstand gegen seine Person aus Europas wertete Blatter als Revanche für die Niederlage des früheren UEFA-Chefs Lennart Johansson (Schweden) bei der Wahl des FIFA-Präsidenten 1998 in Paris. „Sie können nicht verstehen, dass ich damals Präsident geworden bin.“ Hartnäckigen Gerüchten zufolge sollen vor Blatters damaliger Wahl zum Nachfolger des Brasilianers Joao Havelange Schmiergelder an Wahlmänner geflossen sein.

Blatter bemühte sich in dem TV-Interview auch um eine Diskreditierung der US-Justiz. Die Festnahmen von Zürich brachte Blatter mit der Niederlage der USA in der Bewerbung um die WM-Endrunde 2022 gegen Katar und mit der allgemeinen Unterstützung der Supermacht für Prinz Alis Heimatland Jordanien in Zusammenhang.

SID

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