"Wir lieben den Spieler"

Mourinho baggert ganz offen an Wayne Rooney

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Wayne Rooney

London - Rooney oder nichts - im Stile von Pep Guardiola buhlt Jose Mourinho für den FC Chelsea um Manchester Uniteds Sturmstar. Noch schiebt der englische Meister dem Wechsel einen Riegel vor.

Im fernen Bangkok hielt es „The Special One“ ganz mit Pep Guardiola. „Wayne Rooney oder nichts“, lautete die unmissverständliche Ansage von Jose Mourinho. Dass der extrovertierte Wieder-Trainer des FC Chelsea sich in Windeseile einen Korb des Erzrivalen Manchester United einhandeln würde, damit rechnete er freilich nicht. Schon alleine deshalb legte er noch einmal nach - verbal zumindest.

„Wir lieben den Spieler, wir wollen den Spieler“, sagte der Portugiese. Und zwar nur ihn. Eine alternative Lösung werde es auch aus Respekt gegenüber seinen eigenen Akteuren nicht geben, erklärte Mourinho weiter. Zwar ist der Europa-League-Gewinner und viermalige englische Meister auch ohne den englischen Nationalspieler Rooney gut aufgestellt, neben dem spanischen Welt- und Europameister Fernando Torres fehlt im Sturm allerdings ein richtiger Kracher. Und das weiß Mourinho.

Unter anderem die Daily Mail und Sky Sports News hatten berichtet, dass Chelsea 11,5 Millionen Euro geboten habe und zudem den spanischen Weltmeister Juan Mata oder den brasilianischen Nationalverteidiger David Luiz abgeben würde. Die Londoner warfen den Red Devils vor, diese Fehlinformation im Trainingslager in Sydney an die Presse gegeben zu haben.

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

Februar 2004: Mourinho wird vorgeworfen, im Punktspiel des FC Porto bei Sporting Lissabon auf dem Weg in die Kabine Sporting-Spieler Rui Jorge angegriffen und dessen Trikot zerrissen zu haben. © dpa
Februar 2005: Mourinho wirft dem schwedischen Referee Anders Frisk vor, in der Halbzeit des Champions-League-Spiel von Chelsea beim FC Barcelona Trainer-Kollege Frank Rijkard in die Kabine gelassen zu haben. Aus Trotz bleibt er der Pressekonferenz fern. Frisk bestreitet die Vorwürfe, erhält Morddrohungen, beendet seine Karriere. Mourinho wird für zwei Spiele gesperrt. Er habe den Fußball “in Verruf gebracht“, schreibt die UEFA-Disziplinarkommission. © Getty
Mai 2005: In der Champions League gegen den FC Liverpool sagt Mourinho nach dem umstrittenen Siegtor von Liverpools Luis Garcia: “Der Linienrichter schoss das Tor.“ Es hagelt Kritik an ihm. © Getty
März 2007: Nach einem Pokalspiel Chelseas gegen Tottenham soll Mourinho den Schiedsrichter als “Hurensohn“ bezeichnet haben. “Das war nicht beleidigend gemeint, auch wenn man sie als Beleidigung verstehen kann“, sagt er. © Getty
April 2007: Mourinho reklamiert im Champions-League-Spiel Chelseas gegen Liverpool heftig einen Handelfmeter, obwohl sich die fragliche Szene außerhalb des Strafraums abgespielt hatte. Schiedsrichter Markus Merk wird zum Prügelknaben des Portugiesen. © Getty
November 2008: Während eines Live-Fernsehinterviews sorgt Mourinho für einen Eklat. Weil der Moderator des öffentlich-rechtlichen TV-Senders RAI ihn nach dem 1:0-Sieg gegen Inter mit seinem Vorgänger Roberto Mancini vergleicht, bricht Mourinho das Interview ab. © Getty
Dezember 2009: Nach dem 1:1 bei Atalanta Bergamo greift Mourinho einen Reporter an und zerrt ihn am Arm aus einem Interviewraum. © Getty
Februar 2010: Beim 0:0 gegen Sampdoria Genua legt er sich mit dem Schiedsrichter an. Nach zwei Roten Karten für Inter zeigt der Portugiese mit überkreuzten Handgelenken an, dass der Referee in Handschellen aus dem Stadion geführt werden müsse. Das bringt ihm ein Sperre von drei Spielen und 40 000 Euro Strafe ein. © Getty
Februar 2010: Mourinho sagt nach dem Derby gegen den AC Mailand: “Heute wurde alles getan, damit wir nicht siegen“. Konsequenz: eine Geldstrafe von 18 000 Euro. © Getty
November 2010: José Mourinho wird in Spanien wegen einer rüden Schimpfattacke gegen einen Schiedsrichter für zwei Spiele gesperrt worde. “Geh zur Scheiße!“, hatte er dem Referee in einem Pokalspiel hinterhergerufen - obwohl Real 5:1 gewinnt. © Getty
Dezember 2010: Nach einem 1:0 der Madrilenen über den FC Sevilla legt Mourinho eine Liste mit “13 gravierenden Fehlentscheidungen“ vor. Clubpräsident Florentino Pérez meint: “Es ist in unserem Verein üblich, dass wir uns nicht über die Schiedsrichter äußern.“ © Getty
Februar 2011: Mourinho attackiert nach Reals Champions-League-Partie bei Olympique Lyon den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark. Wieder geht es um einen vermeintlichen Elfmeter. “Ich habe das Handspiel aus 50 Metern Entfernung erkannt, aber der Schiedsrichter stand nur fünf Meter weg und hat nichts gesehen.“ © Getty
März 2011: Mourinho beschimpft einen Reporter als “Heuchler“, der den Portugiesen nach dessen jüngsten Klagen über die Schiedsrichter und die Terminpläne befragt hatte. “Was ich sage, sind keine Klagen, sondern Wahrheiten“, behauptete der Portugiese. © Getty
April 2011: Mourinho ledert nach dem CL-Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona (0:2) gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark, die UEFA und den FC Barcelona sowie dessen Coach Pep Guardiola. Der Portugiese wittert mal wieder eine Verschwörung und glaubt, der FC Barcelona würde seit Jahren im Europapokal bevorzugt. © Getty
August 2011: Mourinhos Besessenheit für den FC Barcelona nimmt groteske Züge an. Kurz vor dem Ende des Supercup-Rückspiels bei Barca (2:3) rastet der Portugiese im Zuge einer Rudelbildung aus, tritt zunächst den am Boden liegenden Cesc Fabregas und greift anschließend Barca-Co-Trainer Tito Vilanova ins Auge. © dpa
Januar 2012: Hier greift sich Mourinho ausnahmsweise mal selbst ins Auge. Nach dem Pokal-Aus im Viertelfinale gegen den FC Barcelona fühlt sich Mourinho mal wieder benachteiligt. Er lauert dem Schiedsrichter in der Tiefgarage auf und sagt: "Du Künstler, du fickst die, die arbeiten. Du respektierst nicht die richtigen Profis. Jetzt gehst du eine Zigarre rauchen und dann gehst du nach Hause, du Lümmel.“ © dpa
Winter 2012: Nach heftiger Kritik in der Öffentlichkeit an seiner Außendarstellung präsentiert sich Mourinho vor dem Heimspiel gegen Atletico Madrid den Fans und steht einige Minuten mitten auf dem Feld, "damit die Leute ihre Meinung über mich abgeben können". Die Reaktionen im spärlich gefüllten Stadion sind gemischt. © dpa
Nach seinem Abschied zum FC Chelsea kartet Mourinho nach: Das Opfer dieses Mal: Cristiano Ronaldo. "Ich hatte ein einziges Problem mit ihm: Cristiano denkt, dass er alles besser weiß, und er akzeptiert keine Kritik an seiner Spielweise", sagte Mourinho, obwohl sein Landsmann auch in Mourinhos letzter Saison bei Real bester und torgefährlichster Spieler war. © dpa
August 2013: Auch bei Chelsea kann es Mourinho nicht lassen - und lästert dabei sogar Europa-übergreifend. Die Giftpfeile treffen seinen Intimfeind und Neu-Münchner Pep Guardiola. Vor dem Supercup-Spiel gegen den FC Bayern stichelt er: „Der FC Bayern des Jupp Heynckes war das beste Team Europas. Jetzt haben sie einen neuen Trainer und neue Spieler – und ich bin nicht mehr sicher, ob sie immer noch so gut sind.“ © dpa
März 2014: Seine Ex-Vereine sind Mourinho heilig. Der Portugiese schimpft und lästert über vieles, aber gegen seine ehemaligen Arbeitgeber und Spieler eigentlich nicht. Über einige Spieler von Real Madrid sagte Mourinho aber: "Bei Real Madrid standen die Spieler vor den Spielen in der Kabine Schlange vor dem Spiegel, damit sie ihre Frisuren noch überprüfen konnten, bevor es raus auf den Platz ging", lästere Mourinho. © AFP
September 2014: Wieder mal eine Attacke von Mourinho gegen seinen Erzfeind Pep Guardiola, dieses mal sogar auf persönlicher Ebene: "Wenn einer das genießt, was er tut, dann verliert er nicht die Haare. Guardiola aber hat eine Glatze. Er genießt den Fußball nicht", lautete die unverschämte Aussage des ehemaligen Trainers von Real Madrid. Vorausgegangen war ein Disput der beiden bei der Trainertagung in Nyon, bei dem es um die vorgeschriebene Rasenlänge bei internationalen Spielen ging. © AFP

Viel wahrscheinlicher erscheint sowieso das Szenario, dass der russische Mäzen Roman Abramowitsch deutlich tiefer in die Tasche gegriffen hat. Rooneys Marktwert beläuft sich aktuell auf etwa 50 Millionen Euro, eine Offerte wie die berichtete wäre ein Witz. „Die Situation ist klar“, sagte Mourinho, „wir haben das Angebot unterbreitet, jetzt sind Manchester United und der Spieler am Zug.“ Sauber und ethisch soll das Angebot nach Aussage Mourinhos gewesen sein. Über Details - und damit eben auch über die Höhe der möglichen Ablöse - haben beide Seiten ganz im Sinne der feinen englischen Art Stillschweigen vereinbart.

Allein in 278 Ligaspielen für ManUnited erzielte der 27-jährige Rooney 141 Treffer. Manchesters neuer Trainer David Moyes, der den Schotten Sir Alex Ferguson nach 27 Jahren und 38 Titelgewinnen abgelöst hatte, plant allerdings eher mit dem Niederländer Robin van Persie. Vehement bat Rooney in der jüngsten Vergangenheit um die Freigabe für einen Wechsel, doch erst Ferguson und zuletzt auch Moyes sagten entschieden „No“.

Die Causa Rooney ruft mittlerweile sogar alteingesessene ManU-Stars auf den Plan. „Ich wünsche mir, dass er bleibt. Jeder wünscht sich, dass er bleibt“, sagte Andy Cole. Deutlich entspannter sieht sein langjähriger Sturmpartner Dwight Yorke die Gelegenheit. „Alles ist gut, außer, dass Wayne nicht im Trainingslager in Sydney, sondern zu Hause ist“, sagte Yorke. Offiziell, um eine Oberschenkelverletzung auszukurieren.

Auch an der Stamford Bridge blicken die Verantwortlichen den Dingen derweil gelassen entgegen. „Mit unserem Verhalten“, betonte der nicht immer für eine charakterlich einwandfreie Art bekannte Mourinho, „sind wir sehr glücklich. Wir werden sehen, was passiert, denn momentan ist er bei ManU und nicht bei uns.“ Noch nicht.

sid

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