Wie die Pokal-Außenseiter hoffen

"Mal sehen, wie hoch wir gegen Bayern gewinnen"

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Predrag Uzelac, Coach von Schwarz-Weiß Rehden

Köln - Im vergangenen Jahr scheiterten sechs Erstligisten in der ersten Pokal-Runde. Obwohl viele der Top-Klubs die Sache nun ernsthafter angehen wollen, träumen die „Davids“ mehr denn je vom großen Wurf.

Bayern München? „Mal sehen, wie hoch wir gewinnen“, sagt Predrag Uzelac, Coach des Viertligisten Schwarz-Weiß Rehden. Bayer Leverkusen? „Ist schlagbar“, sagt Daniel Farke, Trainer des Viertliga-Aufsteigers SV Lippstadt 08. Und die Taktik gegen Borussia Dortmund? „So lange wie möglich die Null halten und dann vielleicht irgendwann ein Eiertor schießen.“ Sagt Matthias Tietz, Mittelfeldspieler des SV Wilhelmshaven, ebenfalls aus der vierten Liga.

Sie klingen forsch, die Herausforderer der besten drei deutschen Vereine des Vorjahres. Doch sie meinen es in der Regel ironisch. Dass sie wirklich die 2. Runde des DFB-Pokals erreichen können, daran glauben die Feierabend-Fußballer in der Regel nicht. Doch der Pokal, so besagt eine der meistzitierten Fußball-Phrasen, hat eben seine eigenen Gesetze.

Da gab es die TSV Vestenbergsgreuth, die 1994/95 die Bayern mit Trainer Giovanni Trapattoni rausschmiss. Den FV Weinheim, der dieses Kunststück vier Jahre vorher geschafft hatte. Den SC Geislingen, der 1984/85 mit dem Bruder von 800-m-Olympiasieger Dieter Baumann im Mittelfeld den HSV mit Felix Magath rauskegelte. Oder die Eintracht aus Trier, die 1997/98 als Drittligist bis ins Halbfinale vordrang.

DFB-Pokal-Sensationen seit 1990

DFB-Pokal-Sensationen seit 1990

Auch im Vorjahr scheiterten vier Erstligisten (Fürth, Hamburg, Bremen, Düsseldorf) in der ersten Runde an Drittliga-Vereinen, zwei (Hoffenheim und Nürnberg) sogar an Viertligisten. „Es wird auch in dieser ersten Runde eine Sensationsmannschaft geben. Wir tun alles, dass wir das sind“, sagt Uwe Koschinat, Trainer beim Regionalligisten Fortuna Köln. Und er meint es mit Blick auf das Spiel gegen den FSV Mainz 05 durchaus ernst.

Wie unwahrscheinlich solche Sensationen sind, zeigen schon die Umstände. Beim einzigen Sechstligisten Neckarsulmer SU muss der Gegner 1. FC Kaiserslautern die elektronischen Auswechseltafeln mitbringen. Kapitän Dimitri Gerlach musste in seinem Job als Spannungsmechaniker eine Vertretung für seine Nachtschicht am Freitag finden.

Das zusätzliche Problem der Underdogs sind die Stadion-Auflagen des DFB, durch die neben der Sicherheit auch Live-Übertragungen von allen Plätzen gewährt sein müssen. So müssen viele Vereine umziehen, was sie nicht nur viel Geld kostet, weil die Stadien Miete kosten und nicht so viele Fans mitkommen, sondern auch das größte sportliche Pfund: den Heimvorteil. Rehden spielt gegen die Bayern in Osnabrück, rund 70 Kilometer vom eigenen Stadion entfernt. Der FV Illertissen gegen Eintracht Frankfurt sogar in Augsburg, fast 100 Kilometer weit weg.

Das in Wahrheit größte Pfund der „Davids“ ist deshalb die Angst der „Goliaths“ vorm Versagen. Vor allem in Hoffenheim und Bremen ist diese besonders ausgeprägt. Für die TSG war das 0:4 beim Viertligisten Berliner AK im Vorjahr der Anfang vom Ende für Tim Wiese, Markus Babbel, ja sogar für das alte, neureiche Hoffenheim. Obwohl viele Protagonisten von damals fehlen, überlässt Trainer Markus Gisdol vor dem Spiel bei der SG Aumund-Vegesack auf dem Nebenplatz des Bremer Weserstadions nichts dem Zufall. So ließ er eine Woche lang mit den gleichen Bällen trainieren, die auch der Gegner nutzt. Zudem verhängte er seinen Spielern ein Interview-Verbot: „Nach der Erfahrung aus dem Vorjahr ist das eine besondere Situation für uns.“

Auch in Bremen schwebt das Erstrunden-Aus wie ein Damoklessschwert über den Profis. Werder scheiterte schon in den vergangenen beiden Jahren jeweils bei Drittligisten, ist seit Februar ohne Pflichtspielsieg und absolvierte eine schwache Vorbereitung. Eine erneute Pleite beim 1. FC Saarbrücken, und der neue Trainer Robin Dutt stünde schon vor dem Saisonstart unter Druck. „Es darf uns nicht passieren, dass wir wieder ausscheiden“, sagt Kapitän Clemens Fritz. Ein „Eiertor“ könnte schon reichen.

sid

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