Löw will gegen Polen Punkte und Fortschritte

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Für Bundestrainer Joachim Löw ist das Ziel klar: Ein Sieg gegen Polen muss her. Foto: Arne Dedert

Ob mit Hummels oder Mustafi: Löws Auftrag an seine Weltmeister ist klar. Im zweiten EM-Spiel gegen Polen sollen der zweite Sieg und Verbesserungen her. Der Weltmeister muss im Stade de France auch die Erinnerungen an den Terror verdrängen.

Paris und Polen - Ort und Gegner machen Deutschlands zweiten EM-Auftritt zu einem ganz speziellen Match für Joachim Löw und seine Weltmeister.

Neben der Erinnerung an die schreckliche Terrornacht in Frankreichs Hauptstadt vor sieben Monaten und der Angst vor weiteren Hooligan-Ausschreitungen rund um die Partie am Donnerstag (21.00 Uhr, live im TV und Live-Stream) sorgt auch die besondere Rivalität mit dem unbequemen Team von Bayern-Stürmer Robert Lewandowski für reichlich Brisanz im Stade de France.

"Wenn man gegeneinander spielt, gerät man mal aneinander", sagte der deutsche Abwehrchef Jérôme Boateng zum Duell mit seinen Münchner Star-Kollegen: "Im Training bei den Bayern ist es auch so, dass es mal scheppert. Wir wollen beide für unser Land das Beste geben, insgesamt aber läuft es fair ab." Die guten Ansätze aus dem 2:0-Erfolg gegen die Ukraine sollen Sicherheit bringen. Doch noch ist das Teamgebilde in der Entwicklung. "Gegen Polen wird es definitiv ein anderes Spiel, wir fangen wieder bei Null an", betonte Offensivspitze Mario Götze.

Seit Mittwochmittag ist der Weltmeister in Paris. Vor der Reise vom idyllisch gelegenen Basiscamp in Évian-les Bains in die pulsierende und streng gesicherte Metropole hatte der Bundestrainer auf die Stärken der Polen aufmerksam gemacht. "Diese Mannschaft lebt von einer guten Offensive mit Robert Lewandowski. Sie haben in ihm einen Stoßstürmer, der jedes Jahr viele Tore erzielt. Auch das nächste Spiel gegen Polen wird für uns ein harter Kampf werden", sagte Löw - den 25. deutschen Sieg bei einer EM-Runde vor Augen.

Auf dem Weg zum angestrebten vierten EM-Titel haben die besten deutschen Fußballer gegen die polnische Elf gleich mehrere Aufgaben zu erfüllen. Mit dem zweiten Sieg soll nicht nur das Achtelfinale fest gebucht werden. Löw möchte zugleich Verbesserungen bei der taktischen und spielerischen Entwicklung des Teams, in der Entschlossenheit und bei einzelnen Akteuren sehen. "Es wird wichtig für den weiteren Gruppenverlauf", betonte er und warnte: "Polen hat eine gute Mannschaft."

In der Qualifikation für die EM-Endrunde hatten sich die frisch gekürten Weltmeister in Warschau blamiert (0:2). Es war die einzige Niederlage in 20 Länderspielen gegen die Osteuropäer. Und auch das Rückspiel im vergangenen Herbst war nach einem Kopfballtor von Lewandowski lange offen, ehe Mittelstürmer Götze mit seinem zweiten Tor die 3:1-Entscheidung gelang. "Die Euphorie im Land ist groß. Sie wollen auf jeden Fall mehr als die Vorrunde erreichen", berichtete der gebürtige Pole Lukas Podolski von Gesprächen mit Freunden und seiner Familie im Nachbarland. Doch der Turnier-Veteran, im aktuellen Duell mit Polen nur Ersatzmann, sagte auch: "Jetzt wird es schwer, wenn sie auf Deutschland treffen."

Die grundlegende Struktur hat Löws Ensemble nach einer sehr wackligen ersten Halbzeit gegen die Ukraine gefunden. Teammanager Oliver Bierhoff ist optimistisch, dass dies weitere positive Resultate bringen wird, "weil man einfach auch eine Geschlossenheit gesehen hat, einen Kampfgeist, auch in den schwierigen Momenten zu reagieren". So wird der Bundestrainer wie bei allen seinen bisherigen Turnieren seit 2006 wohl auch diesmal den Auftakt-Gewinnern vertrauen. Allerdings hat auch der gegen die Ukraine wegen seiner Wadenverletzung noch fehlende Mats Hummels eine Startelf-Chance.

Beim Testspielchen in der letzten Trainingseinheit in Évian-les Bains hatte Löw den genesenen Neu-Münchner Hummels bereits wieder an die Seite von Abwehrchef Boateng in die Innenverteidigung beordert. Vielleicht aber wartet Löw noch und gibt Shkodran Mustafi, der gegen die Ukraine seine Aufgabe erfüllte und auch noch ein Tor köpfte, ein weiteres Spiel. Die Protagonisten blieben lange im Ungewissen. "Ich bin niemand, der sich irgendwas ausrechnet. In Mathe war ich sowieso nie der Beste", bemerkte Mustafi entspannt.

Ob mit Hummels oder Mustafi und unabhängig von der Einsatzzeit von Kurzzeitarbeiter Bastian Schweinsteiger, Fakt ist: "Wir müssen uns steigern", unterstrich Mittelfeldlenker Sami Khedira: "Ein Turnier ist ein Marathon, kein Sprint." Den Verbesserungsbedarf hat Löw deutlich benannt: Besser zum Abschluss kommen, zielstrebiger angreifen, den letzten Pass zeitiger spielen. Dazu muss sein Team "in der Raumaufteilung besser sein, wir haben einige Bälle verloren im Vorwärtsgang", sagte Löw vor seinem 13. EM-Match. "Wir müssen versuchen, Polen ein bisschen in die Defensive zu drängen, weil sie dort auch Probleme haben", meinte Torwart Manuel Neuer.

Schon beim Abschlusstraining steht für Löw und viele seiner Spieler am Mittwoch (18:30) im Stade de France die Konfrontation mit der Vergangenheit auf dem Programm. Nach den Bombendetonationen vor der Arena und dem Terror in der Stadt am 13. November des Vorjahres hatte der gesamt Tross der Nationalmannschaft die ganze Nacht in den Katakomben ausgeharrt. Löw sprach von einem "Schockerlebnis", an ein Trauma aber glaubt er nicht. "Das ist aufgearbeitet innerhalb der Mannschaft. Es ist einige Zeit vergangen. Wir sind überzeugt, dass alles für die Sicherheit getan wird", sagte der 56-Jährige.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Neuer (Bayern München/30/66) - Höwedes (FC Schalke 04/28/35), Boateng (Bayern München/27/60), Hummels (Borussia Dortmund/27/46), Hector (1. FC Köln/26/15) - Khedira (Juventus Turin/29/61), Kroos (Real Madrid/26/66) - Müller (Bayern München/26/72), Özil (FC Arsenal/27/74), Draxler (VfL Wolfsburg/22/20 - Götze (Bayern München/24/53)

Polen: Fabianski (Swansea City/31/30) - Piszczek (Borussia Dortmund/31/47), Glik (FC Turin/28/42), Pazdan (Legia Warschau/28/16), Jedrzejczyk (Legia Warschau/28/19) - Blaszczykowski (AC Florenz/30/80), Krychowiak (FC Sevilla/26/35), Maczynski (Wisla Krakau/29/17), Grosicki (Stade Rennes/28/39) - Lewandowski (Bayern München/27/77), Milik (Ajax Amsterdam/22/27)

Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)

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